Der Runen-Vortrag

Runen-Vortrag 5. - DIE BILDKÜRZEL

 

Die Runen sind als reduzierte Bildchen zu begreifen, welche ihr jeweiliges Charakterthema darstellen. Einige Beispiele:
 
1. die m-Rune = Die Urmensch-Rune des Mannus ist als ein Segment des Hexagramms zu verstehen, keine andere Rune ließe sich dazu erweitern.  In dieser Gegebenheit drückt sich die antike Überzeugung aus, dass sich Mikrokosmos und Makrokosmos entsprechen. Der gesamte Kosmos gleicht nach mythischer Vorstellung einem geopferten Menschenkörper. Sonne und Mond wurden aus seinen Augen, die Gebirge aus seinen Knochen, die Flora aus seinen Haaren usw.. In der eddischen Mythologie war es der menschengestaltige Urriese Ymir, aus welchem die Gottheit die Welt erschuf.
 

2. die e-Rune = Rune Ehwaz stellt den Pferdetorso dar, mit eingeknickter oder waagerechter Rückenlinie. Das Ross galt den Ariern (auch den bronzezeitlichen Germanen) als Symbol der Zeit und des Kosmos Ein Felsritzbild von Röndalen, Svansvik / Insel Tjörn / Bohuslän / Schweden zeigt wie aus Kruppe und Mähnenkamm die Sonnenspiralen hervorwachsen (siehe Abb.). Und der Rücken des Rosses ist flach und breit überzeichnet, er soll die Erde darstellen, mit dem „Zweiberge-Zeichen“ der Erdmutter (?) zwischen denen sich die Weltstütze erhebt. Ein kosmisches Sonnen-Erden-Ross also.

 

Eigener Abrieb vom Original
 
3. die b-Rune = Die Berka-Rune ist das Zeichen der Göttin, zu der das Zweibergezeichen sinnvoll passt. Ob es die nährenden Brüste oder den Mutterschoß meint, ist eine zweitrangige Frage. Auffällig ist im Zusammenhang mit dieser Fragestellung, dass im „Marienmond März“ diese Mutter-Rune in ihrer geschlossenen Form auftritt, während im „Marienmond Mai“ die Perðo-Rune einer Schale gleich die inneren Schenkelchen aufgespreizt. Die Perðo bzw. Peratha ist als germ. Liebesmutter erkannt, sie trägt die Zahl 11, welche im leibfeindlichen christlichen Konzept die Zahl der Sünde ist. Tatsächlich ist der Erdenschoß im März noch geschlossen und im Mai öffnet er sich, um sich im Blütenchor zu verschwenden.
 
4. die t-Rune = Die T-Rune des Himmelsgottes Tiu-Tyr stellt das Grundsymbol der Welterhaltung dar: Die senkrechte Weltenstütze und das darüber liegende Himmelsdach in diversen Giebel- oder Flachdachformen. Als Silbenzeichen für den „ti“-Laut war ein solcher Buchstabe, im Verband einiger antiker kretischer und zyprischer Buchstabensystemen, im Gebrauch. „Ti / di“ ist die indogerm. Silbe für „licht / hell / brennen“, aus der der Gottesbegriff (Dyaus / Zeus / Ziu-Tiu / Tyr) hervorging. Der ältere Jupiter-Name Diēspiter setzt sich aus DIEIS (lat. dies - „Tag“) und pater (lat. „Vater“) zusammen (altind. Dyaus pitar) und bedeutet „Himmelsvater“. Das iu in Iuppiter ist identisch mit dem ziu in griech. Zeus, das auf eine indoeurop. Wurzel diu für hell zurückgeht und die Haupteigenschaft Jupiters (und Zeus) als alter Himmels- und Wettergott bezeichnet, der als Lichtbringer verstanden wurde.
 
5. die s-Rune = Die Super-Drei, die 9. Rune, ist Sowilo, das Sonnenzeichen. Ihre verschiedenen Ausführungen stellen den Lichtstrahl dar. Einige alte Hakenkreuzformen sind aus vier solcher Licht-Doppelzacken zusammengesetzt, denn auch das Hakenkreuz, mit seinen Schweifen, ist ein Sinnbild der sich über den Horizont (von Ost nach West - links nach rechts zum Untergang), oder über das Unterweltmeer (von West nach Ost - rechts nach links zum Aufgang hin) bewegenden Sonne.
 
6. die a-Rune = Die A-Rune, Asen-Rune ist das Zeichen Wodins-Odins dem die Fichte/Tanne heilig war, weil diese immergrünen Bäume das unzerstörbare Lebenselement in sich zu tragen scheinen, was ihre Nadeln den Winter über lebensfrisch erhält. Die Rune zeigt ein halbseitiges Tannenbaum-Bildkürzel. Der irisch-keltische A-Begriff Ailm bedeutet Tanne.
 
7. die th-(ð)-Rune Der auf 22. Position stehende Thurse ist der Antigott im runisch-mythischen System. Sein Zeichen gleicht einer primitiven Schlagwaffe, die in den alten Runenbuchstabenformen einen rundgewölbten Schlagkopf aufweist.  
 
8. die u-Rune = Das Urstier-Haupt zeigt sich mit dem Gehörn nach unten, was den Tod der göttlichen Befruchtungskraft zum Winterbeginn (Mitte November) aufzeigt -, und höchstwahrscheinlich auch auf einen in dieser Jahreszeit platzierten Stieropferritus.
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