Der Runen-Vortrag

Runen-Vortrag 4 - ZEICHENSINNERGRÜNDUNG

 

Wir ergründet man den Charakter einer Rune ? 5 Deutungskriterien stehen zur Verfügung: 1. der Lautwert - 2. der Runenbegriff - 3. das Bildkürzel - 4. der mythische Zahlensinn - 5. der Kalenderort im Runen-Jahr.
 
Die Quelle für die Kenntnis der Runen-Namen bilden fünf Runenlieder, das norwegische, das ältere und jüngere isländische und das angelsächsische. Für englische Runennamen sind wichtig Cod. Cotton. Otho B 10 (verbrannt mit Runenlied); Cod. Cotton. Galba A 2 und Cod. Cotton. Domitianus A 9 (alle im Brit. Museum); Cod. Salisburg/Salzburg. 140, Wiener Hofbibl. Nr. 795 (darin auch die gotischen Buchstabennamen, die als die echt-alten angesehen werden, wohl 4. Jh.); Cod. Sangall/St. Gallen. Nr. 270; Cod. Bruxell/Brüssel. (Kgl. Bibliothek) Nr. 9565-9566; Cod. Bruxell/Brüssel. (ebd.) Nr. 9311-19 (genannt auch: Isidor-Codex); Cod. Sangall. Nr. 878 (zugleich mit dänischen Runen und Namen, (genannt: ABC-Nordmannicum); Cod. Clm. 19410 (genannt: Tegernseer-Codex), sowie eine Anzahl in Futhark- und in ABC-Reihen (wie im 9. Jh. Tegernsee). Die nordischen Namen entnehmen wir (außer den Runengedichten) folgenden dänischen Reihen: dem Cod. Leidensis/Leiden lat. 4°, 83 aus dem 10. Jh., der auf Original um 830 zurückgeht, mit Namen in Runen und lateinischer Umschrift -, dazu dem genannten Cod. Cotton. Galba A 2 (um 1000), dem ABC-Nordmannicum (um 810), den Annales Brunwilarenses/Brunweiler (Vatikan Hs. Urbin 290 membr. fol.), sowie den zwei irischen Runenreihen. Die Abschreiber der Runen-Gedichte waren Geistliche, die zweifellos in einigen Fällen Heidnisches bewusst umdeuteten, was zuweilen noch erkennbar ist. Mitunter verstanden sie die alten heidnischen Kennwörter nicht mehr und entstellten dadurch den ursprünglichen Gedanken. Mit etwas Scharfsinn ist eine Rekonstruktion jedoch möglich. 
 
Der Lautwert der Runen-Buchstaben ist - mit einigen wenigen Unsicherheiten - von den Skandinavisten erschlossen worden. - Die Runen-Begriffe wurden durch einige noch vorhandene Mittelalterschriften tradiert. Sie belehren uns darüber, dass jedem Runen-Buchstaben ein Begriff zugeordnet war, der mit dem Buchstaben begann für den er steht. So heißt beispielsweise der A-Buchstabe = Ase und der B-Buchstabe = Birke. - Die Runen-Formen entstanden - wie bei jeder anderen Schrift auch - aus reduzierten bildhaften Darstellungen, die immer mehr verkürzt wurden, bis sie zu den jeweiligen Buchstaben-Bildkürzel schrumpften bzw. schrumpfen gemacht wurden. So handelt es sich bei dem lateinischen Buchsstaben A, um das nach oben schauende Köpfchen eines Rindes. - Der mythische Zahlensinn jeder einzelnen Rune steht in den alteuropäischen Traditionen des Zahlenverständnisses, wie wir es aus mehreren alten Schriften ergründen können. Noch die frühen christlichen Kirchenväter schöpften aus diesen Quellen der Altreligionen und namentlich der Pythagoreer. - Der luni-solare Kalenderort einer Rune ist durch die Erkenntnis möglich geworden, den Runenverband als Mondstandsfolge im Sonnenjahr zu begreifen.
 
Drei Beispielen für den Bildkürzel-Charakter der Runen gibt dieses Vortrags-Blatt.
 
1. Die Odal-Rune ist ursprünglich eine runde Schlinge, wie die Runenfunde von Illerup (Jütland) aus dem 2. Jh. n.0 ausweisen. Es stellt ersichtlich die erste Schlinge zum Weltgewebe dar. 
 
2. Die Dag-Rune des Tag-Vaters zeigt das uralte Himmels-Heilszeichen der Doppelaxt oder des Doppelhammers, dem schon in deutschen Steinzeittagen höchste religiöse Bedeutung galt (Kupferne Doppelaxt Typ-Zabitz, aus Ende jüngerer Steinzeit - 2.300 - 2.100 v.0). 
 
3. Die urspünglich kreisrunde Rune des solaren Ingwaz-Ingo-Frō meint einfach die Sonne, wie sie weltweit in diversen Zeichen-Kulturen Darstellung fand. Die ersten drei Runen sind offensichtlich als eine demonstrative konzeptionelle Folge zu begreifen: Ur-Idee („Sofia - Heilige Weisheit“) und Himmels-Urvater („Dies-Piter“ - Jupiter / Tiu / Thor) und Erlöser-Geist („Soter / Heilbringer“).
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