DÜSTERE VISION

DÜSTERE VISION

Gefangen hinter schwerem Eisen,
durch schmale Luken schimmert Licht,
doch Sonnenstrahlen sind es nicht,
die an den nackten Wänden kreisen.

Der Schimmer armer Kerzen,
der flackernd um sein Leben ringt,
obschon des Todes Schatten winkt,
erwärmt die eiseskalten Herzen.

Die Sinne scheinen hier genarrt -,
wer hört den Schrei der Flamme nicht,
als sie nach kurzem Sein verlischt ?
Und aller Ohren sind erstarrt.

Der Schrei steht zitternd noch im Raum
und gräbt sich in die Herzen ein -;
die werden wieder bang’ und klein -;
die Hoffnung war ein kurzer Traum.

Und schon beginnen Mauern zu verrücken,
die Deckenbalken sinken drauf -,
der Boden hebt sich drehend auf,
in Augenblicken Leben zu erdrücken.

Oh, welche Kraft lag in dem zarten Schein,
dass er die Quadern auseinander stemmte,
der Decke Sturz alleine hemmte --;
den Herzen Trost und Ruhe für den Stein.

(1962)

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