LIEBE IST DES TEUFELS

 

LIEBE IST DES TEUFELS

Ich will dir eine Kunde schenken,
die ich mit Sorge lang’ bedacht’,
will dich auf einen Leidgrund lenken,
der Unheil bringt in einer Nacht.

Entflammt dein Herz, beginnt die Not,
bist du verliebt, nimm dich in acht,
wer nackt sein brennend Herz hinbot,
entblößt’s für jede Niedertracht.

Der Teufel hat die Lieb’ erfunden,
ein Unhold hat die Lieb’ erdacht,
an Liebe kann kein Mensch gesunden,
die Liebe ist’s, die töricht macht !

Der Liebende zum Bettler wird,
zum Narren, den man gern verlacht,
in dessen Hirn ein Trugschluss klirrt,
der schleichend sich verhundertfacht.

Je mehr du liebst bist du verloren,
im Liebesrausche wächst die Fracht -;
aus Liebe wird nur Leid geboren,
vergeht dein Herz im Kerkerschacht.

Ein liebend’ Herz liegt in der Qual -
der Folter Flammen sind entfacht -
es wird gepeinigt, Mal um Mal,
von hundert Quälgeistern bewacht.

Drum flieh’ die Liebe wer es kann,
ummäntelt sie sich auch mit Pracht,
wen sie in’s Netz des Wahnes spann,
den hat sie fast schon umgebracht !

 

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Im spätheidnisch-eddischen Sonnenlied heißt es:

Zum Fall hat viele die Liebe geführt;
viel Schmerzen schufen die Frauen,
befleckte manche, die der mächtige Gott
doch so schön geschaffen.

Schwertbrüder waren Swafudr und Swarthedin,
mochten nicht ohn’ einander sein.
Eines Weibes wegen wurden sie sich feind,
Die stand ihnen zum Sturz bestimmt.

Alles vergaßen sie über dem Glanz der Schönen,
Scherz und schöne Tage,
sie schlugen alles sich aus dem Sinn,
bis auf der Lieben lichten Leib.

Da wurden ihnen düster die dunkeln Nächte,
sie schliefen den süßen Schlaf nicht mehr.
Aus diesem Harme erwuchs der Hass
zwischen Bundesbrüdern.

Allzu oft wird Unenthaltsamkeit
grimmig vergolten.
Den Holmgang gingen sie um das holde Weib
und lagen beid’ im Blute
.

 

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