DES NACHTS

 
DES NACHTS

Wie kam ich nur an diesen Ort,
so fern von meiner Heimat Port ?
Stand nächtig da im Seelenschmerz;
die Kälte kroch mir bis ans Herz.
Ein naher Hag lag schwer im Dunst -,
dahin, des lichten Tages Gunst. -

Es mocht’ kein froh’ Gemüt gedeih’n,
mir lief ein Zittern durchs Gebein;
das Böse fühlt’ ich greifbar nah’,
ich stand umlauert von Gefahr.
Durch Nebel zog ein Klageton -
der dumpfen Stille wie zum Hohn -,

ein fernes, hohles Jammerlied
klang aus den Wassern hinterm Ried.
Bleigrau und eklig gingen Wellen,
und drüber wogten die Gesellen -,
entstiegen, grauenhaften Schächten -
die Geisterscharen aller Schlechten.

Es rankt’ das Böse, wob die Wut,
auf menschlich heile Lebensglut.
Die pure Angst kroch mir ins Mark,
ich machte mich mit Worten stark:
„Wenn nächtig auch das Arge braut,
einmal der Morgen wieder graut !“


Bald ringt sich Helligkeit mit Leben,
doch wird dem Bösen nie vergeben;
bricht Sonnensinn durch Morgenlüfte,
weist er die Geister in die Grüfte.
Sie müssen heim in ihre Gründe,
zum Strafort ihrer tiefen Schlünde.

Mit Krallenhänden, scharf geschliffen,
unzählige Ängste nach mir griffen,
zerwühlten mein Gedärm und Hirn,
es tropft’ wie Eis von meiner Stirn.

Noch rang ich an der Geisterfront,
da stieg der Tag zum Horizont,
ein junger Morgen hob das Haupt,
der siegreich an das Gute glaubt’.

Mir fiel die Angst, es kehrt’ der Mut;
das Licht macht’ alles wieder gut !
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