VOR-URTEILE ?

 

VOR-URTEILE ?

Man hört so viel von „Vorurteilen“,
drum sollte man dabei verweilen,
und einmal ganz genau bedenken,
wer will uns neues Urteil schenken ?

Die gern von „Vorurteilen“ reden -
das Herkömmliche krass befehden -
die sind bestrebt uns umzumodeln,
mit uns in „Neue Zeit“ zu rodeln.

Was sind das nur für Besserwisser,
die ganz „korrekten“ Flaggen-Hisser,
die pur die neue Weisheit soffen,
am ganzen Leib vom
„Gutsein“ troffen ?

Ich mag darüber müde Lachen,
da wollen die uns glauben machen,
sie hätten gerad’ das Rad erfunden,
an ihnen würd’ die Welt gesunden.

Kaum war die Zeit wie heute krumm,
vorgestern war’n die Leut’ nicht dumm,
auch davor waren sie nicht dümmer,
und ihre Einsichten nicht krümmer !

Wir wissen jetzt von Technik mehr,
wir haben viel mehr Stadt-Verkehr -;
doch wuchsen einstens Wissensgaben,
die wir heut’ längst vergessen haben !

Was wir heut’ „Vorurteile“ nennen -
wohl viel zu oft als falsch verkennen -
legt mancher weg als „alten Hut“ -,
doch war's einstmals Erkenntnis-Gut.

Das galt als das Erfahrungs-Heil,
ganz falsch ist nie ein „Vorurteil“ !
Es mag nur falsch gedeutet sein,
und heut’ verlästert, hundsgemein !

Das „Vorurteil“ ein Urteil ist,
das noch mit alten Maßen misst -;
wer meint, die seien närrisch, starr,
ist meist ein neuzeitlicher Narr !

Oftmals ist's „Vorurteil“ Instinkt,
der uns aus tiefsten Gründen winkt -,
der schöpft aus eigener Erfahrung,
erlebtes Leben gab ihm Nahrung.

So prüft das „Vorurteil“ genau,
macht keinesfalls vor ihm Kotau -,
doch ebenfalls auch keinen Diener,
vor jedem Jetztzeit-Jakobiner.

Die „Vorurteile“ wär’n zu prüfen,
ob sie nicht wahre Einsicht schüfen;
auf dass uns nimmermehr verderbe,
das einsichtsreiche Ahnen-Erbe !

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