WERWOLFSTÖNE

Chinggis khaanii Magtaal (Ode für Chinggis Khaan)
 
WERWOLFSTÖNE
 
Die Seele zeigt sich im Gesang,
ihr Wesen schwingt hinauf zum Klang.
Mit Worten kann man sich verstellen,
der Ton allein mag das Gemüt erhellen.
 
Im Liedgut zeigen sich die Völkerseelen,
in den Gesangesweisen die sie wählen.
Sie offenbaren ihre Grundantriebe:
Überwiegt das Arge oder mehr die Liebe.
 
Menschen mit Herz besitzen Melodien,
wo Güte fehlt wird allzu oft geschrien.
Und die aus tiefster Seele murren,
gefallen sich im wolfsartigen Knurren.
 
Die Primitiven mögen ihr Gedröhne,
urmenschlich-fade Trommeltöne,
nach dem Mammut-Kotelett-Mampfen,
dann monotones Füße-Stampfen.
 
Dampfhammermusik schätzen heute
noch immerzu fast gleichgesinnte Leute.
Wo feine Sinne in den Seelen fehlen,
will man mit Lärmen Trommelfelle quälen.
 
Humba-Tumba schätzen die Banausen,
die allermeist im tiefsten Urwald hausen.
Urwälder wollen in den heutigen Zeiten
sich in Großstadtseelen wieder breiten.
 
Und auch die Steppen kommen wieder,
der Wüsten Krieger haben keine Lieder:
Die Pferde stampfen, Reiter knurren Laute,
was sich in abgestumpften Hirnen staute.
 
Sie huldigen Dschingis Kahn, dem Großen,
dem es gelang, Millionen totzustoßen,
der durch den Frieden vieler Völker stürmte
und manche Schädelpyramiden türmte.
 
Hunnen, Mongolen und Türk-Tataren,
brachten dem Abendland Gefahren.
Mit Trommel- und Reiterpeitschentönen
gibt‘s für hohe Seelen kein Versöhnen.
 
Hört man das kehlige Wolfs-Gebrumme,
meint man, dass aller Geist verstumme,
als lauere die alte Bestie unter Häuten,
erneut den weiten Weltkreis zu erbeuten.
 
Wölfe - Werwölfe - Wolfstöne
 
Der „Böse Wolf“ ist aus dem Märchen wie „Rotkäppchen“ oder „Der Wolf und die Sieben Geißlein“ sehr bekannt. Der Wolf wird immer wieder als wild, reißend, bissig, grimmig und blutgierig bezeichnet. Grimm (1887) bezeichnet ihn als das böseste aller Tiere. In der germanische Edda wird vom mythische Wolf Fenrir gesprochen, dem Götterfeind und Hauptsymbol des Bösen. Er spielt beim periodischen Weltuntergang, der Wolfszeit, eine wichtige Rolle. Fenrirs Kindert, die beiden Sonnen-Wölfe Skoll (Spötter) und Hati (Hasser), verfolgen die Sonne und den Mond, sie sind die Lichtfeinde schlechthin. In den indischen Mythen wird der Wolf ebenfalls als dämonisch bezeichnet. Außerdem sei der Wolf diebisch, betrügerisch und falsch. Den Dämonen haben die Inder Wolfsnamen gegeben. Das Christentum folgt der nordischen Tradition und setzte den Wolf mit dem Teufel gleich. Das Wort Wolf bezeichnet oft nicht nur das Tier, sondern bedeutet in den altgermanischen Sprachen Räuber, Mörder, Würger, verachteter Verbrecher, Verbannter, böser Geist. Vor allem das althochdeutsche Wort „warg“ wurde mit dem Bösen selbst gleichgesetzt. Gesetzlose wurden als „Wölfe“ bezeichnet und der Rechtsspruch „thou art a warg“ erklärte den Verurteilten offiziell zum Ausgegrenzten, der auch gezwungen wurde, in der Wildnis zu leben. Angeblich war es verboten, dem „warg“ Essen oder Schutz zu geben, selbst die eigene Frau durfte sich nicht mehr um ihn kümmern, ansonsten wurde auch sie zum „warg“ (Grimm 1887). Für die Ägypter stellte er den Gott des Totenreichs dar. Die Mongolen sahen im Wolf ihren Ahnherrn, und für die Römer war er das Symbol des Kriegsgottes Mars. Als der germ. Geistgott Wodan-Odin sich in den Augen der Gläubigen immer mehr zum abwehrbereiten Kriegsgott entwickelte, gab man ihm auch zwei Wölfe als seine Attribute bei. Die Verbindung des Wolfs mit Krieg und Tod war nicht immer nur abwertend gemeint, sondern bezog sich auf den ruhmvollen Tod eines Kriegers oder Herrschers. Außerdem wurden die kämpfenden Helden mit wütenden Wölfen verglichen. Spuren dieser Verehrung zeigen sich in den mit Wolf verbundenen Eigennamen wie z.B. Wolfgang, Wolfdietrich, Wolfram, Wolfhart. Verehrt wird der Wolf im römischen Mythos auch als Ernährer von Menschenkindern, nämlich des Romulus und Remus, den Stadtgründern von Rom. Tatsächlich fielen die Römer seit Beginn ihrer Expansionen mordgierigen Wölfen gleich über ihre Nachbarn und Gegner her.
 
Für die Mongolen gilt der in Rotten jagende, blutgierige Wolf bezeichnenderweise als ihr Ahnherr. Als ein Werwolf (von germ. „wer“ = Mann) gilt in Sage und Dichtung ein Mensch der sich in einen Wolf verwandeln kann. Einen derartigen abschreckenden Mythus eilte den mörderischen Rotten der Hunnen und Mongolen voraus. Sie verstanden sich als Abkömmlinge von Wölfen und benahmen sich auch entsprechend, wodurch es ihnen gelang, die verschiedensten Völker zu besiegen und etliche auch schlechthin auszurotten. Schon die hunnischen Reiterscharen Attilas, der „Geißel Gottes“, waren in den asiatischen Steppen gestartet und im 5. Jahrhundert bis über den Rhein gehetzt. Dass in den Weiten des Ostens ungestüme, wölfische Bestien lebten, steht außer Zweifel. Über Jahrtausende griffen mongolide plündernde und massenmordende Stämme das Abendland und den Orient an. In der Antike kamen die Skythen, es folgten die Hunnen, Awaren, Ungarn, Mongolen und Osmanen bzw. Türken. Die „Grauen Wölfe“ (türkisch: Bozkurtlar oder Bozkurtçular) ist die Bezeichnung für türkische Rechtsextremen Mitglieder der „Partei der Nationalen Bewegung (MHP) oder der „Partei der Großen Einheit (BBP). Sie haben in der Vergangenheit und besonders in den 1970er Jahren zahlreiche Gewalttaten und Morde begangen. In der BRD wird die Partei durch drei Dachorganisation vertreten, denen bundesweit rund 303 Vereine mit mehr als 18.500 Mitgliedern angehören.
 
Aus den gemäßigten Steppen und Wüsten Innerasien stammen die Massen verschiedener Nomaden- und Reitervölker wie die Hunnen, die Türken, die Uiguren, Tataren, Mongolen. Zwischen 1200 und 1300 unterwarfen diese Völker das gesamte Asien nördlich des Himalajas zwischen dem Kaspischen Meer und China. Mongolen kamen ursprünglich aus dem Gebiet südöstlich des Baikalsees. Um das Jahr 1200 einte sie Dschingis Khan. Seine monströsen Kriegszüge machten ihn zum Herrscher über Inner-, Ost-und Vorderasien sowie Osteuropa. Von 1236 bis 1241 unterwarfen seine Horden Russland („Reich der Goldenen Horde“), 1256-59 Persien und Kaukasien. Von 1215 bis 1280 eroberten sie Innerasien bis nach China. Ihre Herrschaft über China brach erst 1368 zusammen. Bereits 1359 gründete Timur-i-leng (der Lahme) ein neues Mongolenreich, das Persien, Mesopotamien, Kaukasien, Innerasien mit seiner Hauptstadt Samarkand umfasste. Das Reich zerfiel 1405.
 
Über den Ursprung der eigentümlichen hunnisch-mongolischen Brummlaute, des Kehlgesangs, kann klar gesagt werden, dass er bei den Türkvölkern in Zentralasien liegt, nämlich in der Altai-Region, der heutigen Republik Tuva und der Mongolei. Kehlgesang ist bis heute unter Mongolen, Oiraten, Uyguren, Kakassen, Kalmücken, Tuvinern und Bashkiren verbreitet. Der bedrohlich wirkende Kehlgesang erhielt seine Inspiration aus obertonreichen Naturgeräuschen, den Tierlaute wie Wolfsgeheul und Pferdegewieher. Imitiert wird auch das Pfeifen der Winde, das Echo der Berge oder das Rauschen der Flüsse. Umgedreht werden Lieder bis heute eingesetzt, um auf die Tiere Einfluss zu nehmen. So wird etwa in der Westmongolei Kehlgesang zum Anlocken von Yaks verwendet. Andernorts existieren Stücke, die Kühe zum Kalben oder Stuten zum Säugen bringen sollen. Die extremen Temperaturschwankungen und herben Witterungsbedingungen in den tatarischen Regionen macht die Hypothese der Entstehung des naturimitierenden Kehlgesangs durch die zwangsweise Naturnähe dieser Völker plausibel. Die Entwicklung einer Instrumentalkultur konnte sich wegen den Schwierigkeiten des Transportes zu Pferde, mehr aber noch wegen der exzessiven Hingabe zur Jagd und dem Kriegshandwerk, kaum ergeben. Heute freilich werden Instrumente bei den Folkgruppen eingesetzt. Da sich auch so gut wie keine Schriftkultur im türktatarischen Nomadentum entwickelte, waren es die Kehlkopfsänger welche Heldengesänge über Dschingis Khan, Hochzeits-, Lob- und Klagelieder und Episoden der „Geheimen Geschichte der Mongolen“ in den Jurten darboten. Noch heute liegt die Analphabetenrate in der Mongolei bei fast 40 %.
Pin It