DIE WELTGESETZE

 
 
 
Friedrich Hebbel (1813-1863) Dramatiker und Lyriker
 
 
DIE WELTGESETZE
 
„Kleinstes ist so wie das Größte !“
Das ist der Weisheit höchster Schluss,
der Kosmos bis zur Körper-Zelle
den gleichen Regeln folgen muss !
 
Plus und Minus muss es geben,
gut aufeinander abgestimmt,
dass sie sich die Waage halten,
und keiner einen Vorteil nimmt.
 
Der Dualismus baut die Spannung,
aus der Bewegung sich erhält,
Frieden kann es drum nicht geben,
der herrscht in der Toten Welt.
 
Ein Dualismus der Ergänzung
will dem Ganzen dienlich sein,
er regelt förderlich die Spannung,
ist nie ein Widerpart der Pein.
 
Die Trinitäten schaffen Leben -,
Drittes kommt aus Zwei‘n hervor,
aus Dualem sprosst das Leben,
erschließt sich aller Zukunft Tor.
 
Da sich Ergänzendes und Gleiches
zu einer Kraft zusammenballt,
formt sich daraus, zum Heile aller,
der freien Bürger Allgewalt.
 
Wenn Ungleiches zu Ungleichem,
im Widersinn zusammenstößt,
wird das Zusammensein der Teile
ihres Gemeinschaftssinns entblößt.
 
Alles Lebendige braucht Grenzen,
das Grenzenlose löst sich auf.
Wird Fried‘ erbeten gegen Freiheit,
fürwahr, das ist ein schlechter Kauf.
 
Verliert ein Organismus Kräfte,
zum Lebenswillen eigener Art,
verliert er Werdesinn und Zukunft;
nur wer sich wehrte bleibt bewahrt.
 
Fremdkörper gilt es abzustoßen,
das ist gesunder Zellen Pflicht;
wer nicht kämpfen will auf Erden,
verdient das Überleben nicht !
 
Wer Fremdekörper nie beherrschte,
dem werden fremde Körper Herr,
und Weltgesetzen widerstreitet,
tritt ab mit albernem Geplärr‘ !
                                                                                                                                                                                                   
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