WEIB UND SCHLANGE

 

 

WEIB UND SCHLANGE

 

In den Gründen haust die Schlange,
im schlangengleichen Zeitengange,
neuert sie doch nur ihr Kleid -
vor dem Alter niemals bange -,
ewig dauernd, gleich der Zeit !
 
Schlangen kennen Mutters Klüfte,
geheimer Spalten tiefste Grüfte,
wissen dunklen Rätsel-Ort -;
fern der klaren Himmelslüfte,
hüten sie ein Zauber-Wort !
 
Erfuhren es vom Kraut-des-Lebens -
Wunschtraum allen Erdenstrebens -,
das die Urzeitschlange stahl;
drum ist Suche längst vergebens,
ob auf Gipfeln, ob im Tal !
 
Erdenmutters Schlangenwesen,
lässt die Zeit aus sich genesen,
ewig häutet sich der Tod,
lässt das Leben nie verwesen -,
dauerhaft bleibt keine Not !
 
Wenn sich neu das Alter häutet,
frisches, starkes Leben läutet,
steigt ins trockne Holz der Saft,
wird das Werden jung gedeutet,
siegt der Erde Schlangen-Kraft !
 
Wie der Schlange Körperwellen,
vorwärts ringeln, oder schnellen -,
nie gezwungen in ein Joch,
mag sich Weibersinn verstellen,
immer schmiegsam, kraftvoll doch !
 
Schlangen tragen Tod und Werde,
selbst im Leib wie Weib und Erde;
töten kann der Nattern Gift -;
aber mancherlei Beschwerde,
heilt des Schlangenserums Drift.
 
Ordnung gründet’ Gott im Himmel,
der auf Tages Sonnen-Schimmel,
und dem Rappen-Ross der Nacht,
reitet über’s Weltgewimmel -;
hat die Regeln eingebracht !
 
Hat das Licht-Prinzip begründet,
so den Sonnen-Sinn verkündet,
will der hellen Wesen Schutz -;
Lehren die das Licht gezündet,
sind zu allem Aufstieg Nutz !
 
Weib und Erde woll’n gebären,
mütterlich die Kindlein nähren -,
Schlangenkraft wird frei geschenkt;
ungezügelt wildes Gären,
wuchert weithin ungelenkt !
 
Abgründig im wahrsten Sinne,
wirkt der Erde Schlangen-Minne,
wie das große Schlangen-Weib -
ähnlich einer ewigen Spinne -,
webt aus purem Zeitvertreib !
 
Ohne Ziel wär’ dies' Gebären -
Schlangen-Weibes Lebens-Lehren -,
wenn sie planvoll nicht erneut -,
wollt’ allein sie sich vermehren,
weil das Wachstum sie erfreut !
 
Beide Geister soll'n sich binden,
ihren Sinn zusammenwinden:
Schlangenkraft und Adlerblick -;
wenn sich Erd’ und Himmel finden,
reift hinauf das Heils-Geschick !
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