Hoffnung am späten Morgen

 
Lieber Gerd,

Worte, eben geschrieben für Menschen, wie wir es sind.
Sie sprechen bewusst aus dem Sein in der ODINGschen Spirale heraus.

 
Hoffnung am späten Morgen
 
Ach könnt bloß die Zeit mir beizeiten das Zeitliche weiten.
Und könnt mir die Sprache versprechen, nie Versprochenes zu brechen.
Dann wäre los im Raume ich —  Richtung wär räumlich in Allem.
Aus mir heraus und in mich hinein wäre alles gesprochene Sein.
Und ein Fest auf Erden alles gezeitigte Werden.
 
Doch die Zeit vermisst Worte, wie der Gedanke inwendige Orte.
Dieses Maß ist so vermessen, das Vermaßte nachher zu vergessen.
Misst Dinge, die nicht sind, mit Gefühlen — Zeit, die nicht ist, mit Kalkülen.
Und auch Festen, die stehen, nur weil Gedanken verfestigt sie sehen.
 
Daß so die Seele mit der Welt sich streitet, ist gewiss.
Ach wärs doch das Gewissen, das Gewusstes wissend mir misst.
Wärs doch die Ahnung, die ahnend das bis hier Geahnte mir hisst
als Raum in unaussprechliche Zeiten hinein.
Dann — nur dann wäre ich wieder mein.

Susanne
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