IN NUBISCHER WÜSTE

Nahe der Piste nach Abu-Simbel - 1991
 
 
IN NUBISCHER WÜSTE
 
In nubischer Wüste -, Gestein und Sand,
unscheinbare Piste, gleichförmiger Plan;
wir rollten vom fernen Luxor heran,
nach Abu-Simbel, im Mittagsbrand.
 
Die Wüste umfängt, die Wüste erdrückt,
es irren die Blicke durch haltlosen Raum,
finden nicht Ruhe bei Bauten und Baum,
nichts hat die grausige Leere bestückt.
 
Und ich sinne über das wüste Rund -,
im Gesichtskreis die Freunde allein,
so ist die Welt ohne trügenden Schein -,
Wüste ist rund um den Freundesbund.
 
Erst Menschentum und menschliche Tat,
sie erwirken aus Wüsten die Stadt,
wo es sinnvolle Order und Ordnung hat,
in des Volkes Verband und im Staat.
 
Es schuf König Ramses am wüsten Ort,
seinen herrlichen Tempel im Fels -,
ägyptischen Reiches farbigen Schmelz,
gebot hier des Pharaos Wort.
 
Wir fanden endlich das lohnende Ziel -,
haben Wunder der Tempel beschaut,
wo Königsmacht ihre Marken gebaut,
und die Wüste belebte am Nil.

 

Ägyptische Pfundnote mit der Tempelfront von Abu-Simbel

 

Der Felsentempel von Abu-Simbel befindet sich in Nubien, im eroberten Negerland des alten Ägypten, am Westufer des Nils, unweit der heutigen Grenze zum Sudan. Der Tempel wurde im 13. Jahrhundert v.0. zum Ruhm des großen Ramses II. durch König Ramses III. errichtet. Die Architekten und ihre kriegsgefangenen Arbeitssklaven meißelten den Tempel direkt in den Kalkstein hinein und drangen bis zu 60 m tief in das Gebirge vor. Der Name des Tempels lautete ursprünglich „Pr-ramssw-Mrj-Imn“, übersetzt lautet es etwa: „Haus des Ramses den [Gott] Amun liebt“. Der Name Abu-Simbel ist eine europäische Lautung des arabischen Abu-Sunbul, einer Ableitung vom antiken Ortsnamen Ipsambul. Der Deutsche Johann Ludwig Burckhardt aus Basel vernahm von Einheimischen im Jahr 1813 die Kunde von dem durch Sanddünen fast gänzlich verdeckten Tempel am Nilufer; das Innere zu betreten war wegen der Sandmassen damals unmöglich. Er brachte die erste neuzeitliche Information davon in die westliche Welt. Die Tempelbauten befinden sich heute nicht mehr an ihrem ursprünglichen Standort. Um sie vor dem ansteigenden Wasser des Assuan-Stausees zu retten, planten schwedische Ingenieure das komplette Heiligtum 64 Meter höher und 180 Meter weiter landeinwärts zu versetzen. Ein internationales Konsortium unter der Leitung der deutschen Baufirma „Hochtief“ wurde von 1963 bis 1968 mit der erfolgreichen Durchführung betraut.
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