SO ODER SO ?

 
 
 
SO ODER SO ?
 
Nur einem Herren kann man dienen,
nur einer Liebe ganz gehören -;
in einer Richtung laufen Schienen,
auf einen Gott nur, gilt‘s zu schwören.
 
Und jeder muss einmal entscheiden,
auf welcher Seite will er stehen -,
zum Scheine kann er wohl auf beiden,
Fähnchen nach dem Winde drehen.
 
Zahllose „Götter“ gibt’s auf Erden,
die in den Menschenhirnen spuken,
die wohl in Nöten und Beschwerden
eröffnen ihre Himmels-Luken.
 
Doch keiner sollt’ sich übermessen,
nur seinen Himmels-Ausblick loben,
denn ob die Wahrheit er besessen,
erfährt er absolut erst droben !
 
Neid und Not gibt es hienieden,
der Mensch muss Position beziehen -;
erst nach Kriegen kommen Frieden,
mit sklavischem vor Siegern Knien.
 
So lang‘ die Macht-Parteien ringen,
im jeweiligen Völker-Streiten,
muss jeder sich zum Standort zwingen,
wo ist sein Platz, auf wessen Seiten ?!
 
Dramatisch macht es erst die Religion,
da Christentext ein Hirn verschränkt,
steht Gottesglaube wider die Nation,
wird‘s leicht zum Selbst-Verrat gelenkt.

 

 

DIE „BEDENKENTRÄGER“
 
 
Immer und immer aufs Neue muss sich der Mensch in den Wirrnissen seiner Zeit entscheiden, auf welcher Seite er Stellung beziehen will. Dramatisch wird für ihn diese Entscheidung, wenn sein Gottglaube ihm suggeriert er müsse sich gegen andere hohe Werte auf der Werteskala der Menschheit stellen, nämlich seine individuellen Lebensinteressen oder die seiner engeren Gemeinschaft oder sogar seiner Nation. Solche Fälle sind allein dort in krasser Form möglich, wo die Religion willentlich und erklärtermaßen in ihrem Grundlagenkodex die Nation im Sinne eines Volkserhaltungsrechtes verneint, wie es im Christianismus deutscher Ausprägung gegeben ist. In keiner anderen Religion klafft der Anspruch zwischen „religiöser Moral“ und „völkischem Selbsterhaltungsbedürfnis“ so weit auseinander. Undenkbar wäre beispielsweise im türkischen Islam, oder im japanischen Tennō-Shintoismus oder im indischen Hinduismus oder im jüdischen Mosaismus, dass Menschen im größeren Umfange auf die Idee käme, in Friedens- oder Kriegszeiten - wegen „moralischer Bedenken“ - auf die Seite des Landesfeindes überzugehen, wie es in Deutschland grundsätzlich denkbar ist und im Zeitlauf vor und während des Weltkrieges II. geschah. Das Ausmaß des die Fronten schwächenden Verrats seitens deutscher „Bedenkenträger“, bis in die höchste Generalität hinein, ist geradezu ungeheuerlich. Winston Churchill sprach mit ironisch-verächtlichen Unterton davon, dass ihm deutsche Verräter während des Krieges geradezu die Türen eingelaufen hätten. Ich werde mich hüten, die namentlich wohlbekannten „Verräter von Volk und Vaterland aus Religion“ pauschal und kategorisch zu schmähen, wenn auch der von ihnen verursachte Schaden kaum zu hoch veranschlagt werden kann. Jeder Mensch besitzt eine Wertetafel im Kopf, die ihn zu seinen Handlungen veranlasst. Das sei ihm aus freiheitlicher Sicht unbenommen, aber eine Beschau der verhängnisvollen „Bedenkenträger“ bzw. „Volksverräter“ gehört zur Aufarbeitungsarbeit der deutschen Geschichte.
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