PHRENOLOGIE

 

PHRENOLOGIE

Die Seelen-Od-Kraft aus dem Ur,
ruft sich hinab in die Struktur,
hebt sich ein Kindlein aus dem Teich
und mündet ein ins junge Fleisch.

Im Zellen-Meer die Seele weilt,
wo sie an jeder Faser feilt,
als allen Wachstums Hauptgewalt,
formt sie der Dinge Grund-Gestalt.

Dem Kenner bricht sich jedes Sigel,
  der Mensch ist seiner Seele Spiegel.
Es schaut bis in den tiefsten Kreis,
wer Zug um Zug zu deuten weiß.

Nach Maß und Zahl die Seele baut,
die Formel aus dem Antlitz schaut,
also, dass des Charakters Bild,
im Gleichnis seiner Kopfform gilt.

Drum ist die Kunde wohl gesetzt,
dass selten ihr Gesetz verletzt -,
in Regel formt sich das Gesicht,
weil Äußeres dem Kern entspricht.

Es liest die Form sich wie ein Buch,
nie steht im vollen Widerspruch,
die Schale mit dem Seelen-See
so heißt der Lehren Resümee.

Denn alles ist durchtränkt vom Od,
sei es lebendig, sei’s auch tot,
es prägt die Seelen wie den Leib,
der Kreatur und Mann und Weib.

So ist dem Eindruck wohl zu trau’n,
den Mitmensch’ sorgsam anzuschau’n,
was er des Merkmals mag verkünden,
mit Kennerblick ihn zu ergründen.



 

Die Phrenologie (gr. phrenos = Lehre von Geist / Gemüt) ist eine von dem Arzt und Anatom Franz Joseph Gall (1758-1828) begründete topologische Lehre über die geistigen Eigenschaften des Menschen, welche sich auch in Schädel- und Gesichtformen widerspiegeln. F.J. Gall lehrte: „In jedem menschlichem Gehirne gibt es Dreiunddreißig Organe und Eigenschaften, ausgeprägt in ihrer Art, verschieden in der Größe, aber natürlich, gleichmäßig, gekennzeichnet und gleichbleibend. In manchen Köpfen sind sie groß, in anderen klein, aber alle haben sie und haben sie alle. Sie wirken verschieden, einzeln und gemeinsam. Und daher gibt es verschiedene Charaktere.“ Daraus hervorgegangenen ist die Kraniometrie (Lehre von der Schädelvermessung). Die Phrenologen versuchen Talente und Fähigkeiten eines Kindes ab dem sechsten Lebensjahr zu bestimmen, beispielsweise zur Diagnose für die Berufswahl. -- Ein bedeutender Phrenologe war Carl Huter (1861-1912), der die Psycho-Physiognomik entwickelte, mit der er darlegte, es bilde sich die Charakterisierung des Erscheinungsbildes eines Menschen nach der jeweiligen Ausprägung der sog. Keimblätter: Bewegungs-, Empfindungs- und Ernährungs-Naturell. Carl Huter zeigte in seiner Lehre u.a. anhand welcher körperlichen Merkmale die geistige Entwicklung eines Menschen ablesbar ist. -- Ernst Kretschmer (1888–1964) zeigte mit seiner Typenlehre auf, dass die Körperform des Menschen in abhängigem Zusammenhang steht mit seinem Naturell und insbesondere mit geistigen Krankheitsneigungen. Je nach Konstitutionstyp (Körperbautypen: Pykniker, Athletiker, Astheniker bzw. Leptosome) zeigen sich absolut differierende Krankheits-Symptome bzw. Psychosen.

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