GAUMEN-GÖTZE

 

GAUMEN-GÖTZE

Heiliger Sardellen-Kopf -
hängend an den Gabelspitzen -
Dich verlangend harrt mein Kropf,
auch der Magen will besitzen.

Deine himmlisch leeren Blicke,
treffen meine Seele ganz,
dass sie giert mit Katzentücke
nach des Fisches Rumpf und Schwanz.

Ölverklärter Silberschimmer
flort auf Deinen seligen Zügen,
die sich, ach, so milde immer,
meinen Zähnen willig fügen.

Erinnerst Du mit kleinen Gräten:
„Nichts ist göttlich ohne Strenge“,
und ich soll auch zu Dir beten -,
falt’ ich meine Zungenlänge.

Lange währt Dein reicher Segen,
ach, Du gibst mir tiefe Kraft -,
nicht allein des Gaumens wegen,
da der Darm noch Gnade rafft.

Ewig Dich und anderes Feine,
mag ich lieben und verehren -;
soll doch fremder Götzen Scheine
niemals meinem Glauben wehren !

(1963)

 

„Man kann auch zum Kopf einer Sardine beten, wenn man fest daran glaubt.“

Japanisch

 

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