MEINE „PUTZE“

 

 

MEINE „PUTZE“

Ich lebe ganz allein im Haus,
und komme vor die Tür kaum raus;
meist sitze ich am Rechner still,
weil ich die Welt erfahren will.

Ich hab’ zu schreiben und zu lesen,
weniger liebe ich den Besen;
das Putzen ist nicht so mein Ding,
die Reinigung gilt mir gering.

Es geht ja aber doch der Dreck
niemals von alleine weg -;
ich musste einen Ausweg suchen,
da hilft kein Jammern oder Fluchen.

Und da kein Weib sich mir erbarmt,
bin ich auch keineswegs verarmt,
denn das Teuerste im Leben,
ist der Damen Luxus-Streben.

Jetzt leiste ich mir eine Putze,
es ist die Nachbarin Frau Lutze,
die gerne mir zu Diensten ist,
sie kennt mich ja als Humanist.

Sie kriecht auf meinen Böden rum,
macht sehr adrett den Rücken krumm,
und gönnt mir manchen tiefen Blick,
in ihres Lebenslaufs Geschick.

Erzählt von ihrem Ehemann,
der so gut wie gar nichts kann -,
dass er so kalt sei wie ein Lurch,
er sei bei ihr schon „unten durch“.

Da liefe leider längst nichts mehr,
das mache ihr die Arbeit schwer,
denn auch ne Putze brauche Liebe,
das seien ganz normale Triebe.

Wenn sie sich so beim Putzen bückt,
tief in die Dielenritzen blickt,
um jedes Stäubchen zu entfernen,
kann ich von ihr vieles lernen.

Ihr Leben war stets sehr bewegt,
es hat mich ordentlich erregt -,
und bei gewissen Schilderungen,
wär’ ich fast schon aufgesprungen,

um sie ganz spontan zu trösten,
denn ihre Sorgen, die entblößten,
machen mich schon sehr betroffen -;
sie ist halt recht vertraut und offen.

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