ZWERGEN-BLICKE

 
 
 

ZWERGEN-BLICKE

Ich wünschte oft ich sei ein Zwerg,
ich wuselte im Tagewerk,
geduckt in schmalen Bodenfalten,
mein kleines Leben zu gestalten.

Ich könnte frech die Welt betrachten,
auf Großes schimpfen, wie verachten,
und sagen: „Ja, ja, die da oben ...!“
Auch würd’ ich kleine Leute loben.

Ich könnt’ im Kleinen mir gefallen,
brauchte ein Hüttchen, keine Hallen;
gern plantschte ich durch Pfützen bloß,
und wär’ auch sonst bedürfnislos.

Über’n Kleingeist gäb’s kein Grämen,
folglich müsst’ ich mich nicht schämen,
des Kleinen-Mannes Blatt zu lesen,
zu folgen den Bildzeitungs-Thesen.

Nichts wär’ mir würdig und erhaben,
ich könnte wie ein Maulwurf graben,
weil ich die Welt von unten seh’,
tät Höhenluft mir niemals weh.

Am Boden ist die Luft gelinder,
oft wärmend von dem Dung der Rinder;
recht zugig geht’s nur oben zu,
im Grunde hat man meistens Ruh’ !

Zum Klettern gäb’ es keinen Zwang,
ich lief’ bequemen Weg entlang,
und ließe „Die-da-oben“ richten,
auf Arbeit könnt' ich gut verzichten.

Gewählt wird selbstverständlich links,
wen interessiert schon schlechterdings,
wem all das Große-Ganze nütze -,
Hauptsache ist ich krieg’ die „Stütze“ !

Ein Bei-Effekt vom Zwergen-Sein,
man schaut in manches Loch hinein,
mit Schmutz und Müll in den Kloaken,
auf Augenhöh’ mit Kakerlaken.

Doch eines darf ich nicht vergessen,
den Vorteil den ein Zwerg besessen,
und darauf hab’ ich richtig Bock:
Er schaut den Mädels unter’n Rock.

 
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