MEINE MATHE-LEHRERIN

 
MEINE MATHE-LEHRERIN
 
Schuld ist nur meine Lehrerin,
dass ich nicht viel geworden bin,
so wie sie damals vor mir saß,
dass ich das Einmaleins vergaß.

Nie konnte ich mich konzentrieren,
tät immer auf die Beine stieren,
und dachte nur, tagaus, tagein,
wie wohlig müsst’s dazwischen sein.

Die Dame hieß Frau Liebetanz,
sie aber übersah mich ganz,
obwohl ich hell in Liebe brannte,
und jeden Tanzschritt von ihr kannte.

Sie tänzelte stets vor mir her,
saß oft auf meinem Pult mal quer -;
dann presse sich der Schenkel Fülle,
verlockend unter dünner Hülle.

Mir wurde heiß, ich wurde rot,
ich dachte nicht ans Pausenbrot -;
ich sah nur wie erschütternd nah,
der Zielpunkt meiner Sehnsucht war.

Schritt meine Lehrerin zur Tafel,
ich hörte nie auf ihr Geschwafel,
ich schaute nur auf ihre Lippen,
mein Herzschlag tobte unter Rippen.

Und setzte sie sich ans Katheder,
mit ihrem engen Rock aus Leder,
schob sich der Saum so weit hinauf,
gab frei, den langen Beinverlauf.

In ihrer Bluse wogten Welten,
ein Hemdchen-Träger fiel nicht selten,
so neckisch leicht zur Seite ab,
die Warze blieb bedeckt nur knapp.

Nur dieses Thema trieb mich um,
ich war nicht etwa wirklich dumm,
nur so ein gar verrückter Tor,
der sich im Weiberrausch verlor.

Ich war ein Narr der sich blamierte,
der Mathe-Fragen nie kapierte -;
an Noten dachte ich zuletzt,
drum wurd’ ich wieder nicht versetzt.

Mein Vater sprach mit Recht zu mir:
„Du bist keine Familien-Zier -,
lachhaft sind Deine Liebesbrünste
und brotlos alle Deine Künste !“


So fing mein Abstieg früh schon an -;
mein Vater schluckte Baldrian -;
ich kam bald vollends unter Räder -,
doch das gestehe ich mal später.
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