NIXE UND KRAKE

 

NIXE UND KRAKE

Ihr kennt ja meine Nixen-Reime,
glaubet nimmer, dass ich schleime,
ich hielt die lesbische Verbindung,
für 'ne alberne Erfindung.

Ich bin durchaus ein Moralist
und weiß sehr wohl was Anstand ist -,
das Lesbiertum ist fast pervers,
drauf mach’ sich Sappho ihren Vers.

Ich mochte solches Tun nicht loben,
das finde ich durchaus verschroben,
denn was `ne Lesbe auch ersann,
ein Kerl ganz sicher besser kann.

Der nächste Stuss von dem man hörte,
war, dass ein Krakenmann betörte
die junge, hübsche Menschen-Maid,
zur somnambulen Vollmondzeit.

Der Vollmond wär' kein Argument,
wenn eine Frau mit Kraken pennt;
doch sage ich’s mal unumwunden:
Wie gut sind Frauchen oft zu Hunden.

Das Weib hat einen Trieb nach unten,
der treibt's zuweilen hin zu Bunten,
gerad’ so wie Modefarben locken,
erwählt’s die Männer bis zu Socken.

Gesagt getan -, ich bin „normal“
und predigte am Strand Moral.
Ich wollte lauthals Flagge zeigen,
gegen das „sittenlose“ Treiben.

Ich sage stolz, mir ist’s gelungen,
mit Worten hab’ ich sie bezwungen,
man nahm sie an, die Tugendlehren,
die Sünder konnte ich bekehren.

Die wilden Pare trennten sich,
auch der zerknirschte Tintenfisch,
zog seine Fangarme zurück -;
die Nixe wurd’ zum Einzelstück.

Das Nixlein schwamm am Ufer lang,
und Kraki barg sich unterm Tang.
So ist’s ja oft -, Trauer verbindet,
’ne neue Paarung schien begründet.

Da sagte ich: „Ihr seid entzücklich,
bleibet fromm und werdet glücklich,
gern gebe ich Euch meinen Segen,
des gesunden Anstands wegen.

Bleibt doch getreu der eigenen Art,
was Ärger und Enttäuschung spart,
Ihr seid vom Ursprung Wasserwesen,
nur eigene Art hilft Euch genesen !“


Da gaben sie sich einen Kuss,
Undinchen mit dem Oktopus -;
sie waren glücklich miteinander
und schwammen fürderhin selbander.

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