ESMERALDA

 

ESMERALDA

Esmeralda, meine Tochter, habe ich modern erzogen,
würd’ ich sagen, dass es gut war, wäre es jedoch gelogen !
Meine guten Anstands-Sitten, wollte sie nicht übernehmen,
nicht zu selten muss ich mich dieses Kindes bitter schämen.

Wenn wir in Lokalen sitzen, nutzt sie nicht die Serviette,
wie ich das - als feiner Mann - gern von ihr gesehen hätte;
immer wischt sie feuchte Hände sich am Unterhöschen ab.
„Lasse das“, sag’ ich gestreng’, „Ich bin mit der Wäsche knapp !“

„Esmeralda“, mahnte ich, „sitz’ nicht so mit breiten Beinen,
Männer könnten leicht von Dir etwas völlig Falsches meinen !“
Doch mein Kind erwidert kess, die Frauenärztin hätt’ geraten:
„Luft muss an den Unterleib, dass die Häute nicht entarten !“

Frauen bräuchten Licht und Freiheit, überall zu allen Stellen,
sonst entstünde leicht Gefahr, dass Mykosen sich gesellen.
„Aber, aber Esmeralda -, weite Höschen, lass’ ich gelten -,
doch die klitzekleinen Dinger, da muss ich wahrhaftig schelten !“

Doch die Tochter will nie hören, alles weiß sie ständig besser;
schmale Slippis, meint sie trotzig, wirken unter Röcken kesser.
„Große Unterhöschen lassen Hüftpartien breit erscheinen,
dieses aber mag ich nicht, das soll keiner von mir meinen !“

Also friert die Tochter lieber, nur um schlanker aufzufallen,
ein Korsettchen, wie die Oma, lehnt sie ab, sich umschnallen.
Auch den Busen lässt Meranda, sicherlich zu locker schwingen,
sollte besser ihre Knospen in die Halte-Schalen zwingen.

Doch sie spottet meiner Sorgen, kratzt’ sich ungeniert die Nase,
wenn ich sag’: „Gibt acht auf Dich, Du erkältest Dir die Blase -;
Deine Bäckchen sind gerötet, viel zu kalt wird Dir das Leibchen,
ziehe Dir ein Röckchen an, wie ein ordentliches Weibchen !“

Lächerlich, im jungen Alter, ist es, Mutters Schmuck zu tragen,
und, um intellektuell zu scheinen, Tantes Brille zu erfragen !
„Esmeralda, Esmeralda -, Du bist noch mein Untergang,
jener Mann, der Dich mal kriegt, der macht einen üblen Fang !“

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