MEINE SCHWESTERN

 

MEINE SCHWESTERN

Stellt euch vor, mir träumte gestern,
ich sei eine von neun Schwestern -;
wir lebten fromm und separat,
in einem Nonnen-Pensionat.

Ich sah an meinem Leib hinunter,
das machte mich mitnichten munter;
ich schien mir sicher -, ganz genau,
nie vorher war ich eine Frau !

Wo früher die Brustmuskeln prangten,
zwei weiche, glatte Zipfel wankten,
die wippten planlos hin und her -,
das störte mein Empfinden sehr !

Und plötzlich spürte ich den Drang,
zum eiligen Toilettengang,
ich griff nach meinem Pillerhahn,
da fing für mich die Krise an.

Nichts war da mehr, ich griff ins Leere;
ich schwöre euch - bei meiner Ehre -,
ich war geschockt in dem Moment,
so ratlos wie mich keiner kennt.

Mir schoss es durch Gehirneswinkeln,
ich könnte also nie mehr pinkeln,
dann mochte ich mich etwas fassen:
„Ich muss ja nur das Trinken lassen !“

Ich sah mich um in meiner Kammer,
es klemmte eine Wäscheklammer,
zwischen den Seiten einer Bibel -;
ein Kruzifix hing hoch im Giebel.

Ich wollte gerad’ die Bibel lesen,
d’rauf konzentrierte ich mein Wesen -;
die Tür’ ging auf, beim Kerzenschein,
acht Weibchen sprudelten herein.

Sie riefen: „Du bist unsere Neue,
und hoffentlich nicht so ne Scheue !“

Sie waren sämtlich splitternackt -;
oh Gott -, da hat es mich gepackt !

Das war ein Fummeln und ein Kosen,
ein Sinnenfest der Sittenlosen,
ein Schlecken, Schlürfen und Belecken,
an den geheimsten Körperecken.

Natürlich war auch ich beflissen,
ich fühlte mich voll hingerissen -;
nie war erfüllter all mein Streben,
als hier bei solchem Klosterleben.

Dann kam die Schwester Oberin,
der Tugend-Lehren Meisterin --;
sie mahnte uns: „Es ist schon spät,
denkt auch noch an das Nachtgebet !“

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