DIE BEWERBUNG

 

DIE BEWERBUNG

Hier ist die ernstgemeinte Zuschrift,
aus einem frommen Herren-Stift:

„Hol' mich hier raus aus meiner Klause,
ich bin auch wirklich kein Banause.

Zwar bin ich ziemlich impotent,
doch bibelfest und eloquent.
Noch bin ich Jungmann, ohne Schuld,
drum hab' im Bett mit mir Geduld.

Ich weiß es wohl, es gibt zwei Sorten,
verschieden an geheimen Orten,
man nennt sie den „Geschlechtsbereich“,
beim Manne hart, beim Weibe weich.

Das weiß ich theoretiglich -,
doch vor der Praxis fürcht' ich mich !
Wenn Du mir Deinen Zuschlag gibst,
auch meinen Herrn Herz-Jesus liebst,

dann würde ich mich Dir gesellen,
von meiner Klosterzell' mich trennen.
Ich könnte das vor Gott vertreten,
wenn wir zehn Mal am Tage beten.

Und wenn vom Spätherbst bis zum Maien,
wir züchtiglich uns stets kasteien,
nur Trockenbrot und roher Fisch,
darf täglich frisch auf unsern Tisch !

Und denk' an's sechste Heils-Gebot,
Sex darf nur sein in höchster Not,
erst wenn sich Bürgerzahlen beugen,
dann darf man neue Kinder zeugen !

Ein weiteres Wort ich nicht vergeude,
Du hättest sicher an mir Freude,
ich bin so rein wie weißer Schnee -;
Gott helfe mir -, ich sag' ade !“


Bruder Frömmelinus

 

PS: Institut „Machdeinglück-mit-Jesus“ gibt bekannt: Die Branche Partnervermittlung ist ein hoch sensibles und seriöses Thema. Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen sind dazu unverzichtbare Grundvoraussetzungen. Der obenstehende Bewerbungsbrief erreichte uns aus einer Klosterzelle, um an heiratswillige katholische Thai-Frauen weitergeleitet zu werden. Die Erfolgsquote unseres Institutes liegt bei 99,97 %. Haben Sie Vertrauen, wir können auch Ihnen helfen !

 

Bild: Adolph Friedrich Erdmann von Menzel (1898-1904) - Vier Mönche

Pin It