DIE MUSCHI - GESAGE VOM UNSAGBAREN

Strukturen einer Orchidee
 
 
GESAGE VOM UNSAGBAREN
 
Fast unglaublich, was die Gene
mit der Männer Sinne machen,
dass sie in Verzückung stürzen
beim Anblick ganz normaler Sachen.
 
Muschi, Röschen, Zuckerschnecke,
nennen sie der Weiber Teilchen.
Und sie schwören, dass es duftet
nach Schneeglöckchen oder Veilchen.
 
Und es ist, so schmuck auch immer,
am erstrebten Weiber-Leibchen,
im Gebrauch der groben Kerle,
nicht vielmehr als nur ein Reibchen.
 
Weibchens Becken-Boden-Öffnung-
Doppel-Schleimhaut-Klebe-Schließe,
wissenschaftlich, unverfänglich,
nur „Vermehrungs-Zentrum“ hieße.
 
Tiefer drin, in letzter Höhlung,
liegt das Samen-Auffang-Täschchen,
kaum beachtet und verschwiegen,
ist’s des Lebens Zauber-Fläschchen.
 
Woll'n den Stichpunkt sie bedenken,
bleiben Männer selten nüchtern,
auch ganz gleich wie sie geartet,
wild-verwegen oder schüchtern.
 
Fast unglaublich, was die Triebe
mit der Männer Sinne treiben,
dass sie über’s Weiber-Teilchen
allzeit denken, reden, schreiben.
 
 
 
Man könnte die weibliche Geschlechtsstruktur von Vulva und Scheide profan beschreiben, als Geburtskanal, welcher durch einen Hautläppchen-Klebeverschluss gegen von außen andringende Fremdkörper abgesichert ist, und den Uterus als Samenauffangtasche, für die Befruchtungsausschüttung des Männchens. Doch zahllose Dichter und Autoren unterschiedlicher Kulturwelten haben das weibliche Geschlechtsteil als ein Kleinod, als Blüte, Rose, als Tor des Lebens und als das Paradies der Wonne schlechthin beschrieben. Und J. W. v. Goethe, mit seinem Wort vom „Weiblichen das uns hinan ziehe“, hat jedem edlen Empfinden so tief aus der Seele gesprochen. Doch war diese schöne Minneliedersänger-Haltung kein Allgemeingut ausnahmelos aller Weltkulturen. Schon die nordgermanischen Runen-Steine loben und gedenken einer Hohen Fraue, ein weltweit einmaliges Phänomen. Und die mittel- und westgermanischen Matronen-Steine legen beredtes Zeugnis ab für die Hochstellung der keltisch-germanischen Frauen und Mütter. Die idealisierte Hochschätzung der Frau beschränkt sich auf den Fokus des euro-keltisch-germanischen Lebensraumes. Der Islam hat derlei Blüten nicht hervorgebracht, und auch die fernöstliche Literatur nicht, wenn auch sie von der „Jadequelle“ und ähnlichen netten Umschreibungen des weiblichen Lustzentrums, zu reimen wusste. Lediglich die arischen Perser indess‘ vermochten an die europäischen Hymen dieser Art heranzureichen. Die romantische Verklärung der fraulichen Geschlechtsregion - und der Frau als traditionelle „Heilrätin“ und Heilbringerin in den vorchristlichen europäischen Glaubensformen - scheint aber geistesgeschichtlich gesehen, die Voraussetzung für deren Würde und Achtung als gleichberechtigte Partnerin zu sein -, einer sozialen Akzeptanz welche die Frau als das muskelschwächere Wesen dingend bedarf. 
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