FREUDENSPENDER

 

FREUDENSPENDER

Im Kloster saß ein Mägdelein,
das war so fromm, das war so fein.
Es wollt’ auf Lust verzichten,
das Jesulein nur sichten.

  Es wurde älter Jahr für Jahr,
und bracht’ es zur Äbtissin gar.
Getröstet hat sie keiner,
nicht einmal ein Lateiner.

  Es wurde traurig mehr und mehr,
  es sehnte sich nach mehr Verkehr.
Vom ewigen Bibel lesen,
kann keine Nonn’ genesen.

Nönnchen war’n von Zeit zu Zeit,
in ihren Zellen auch zu zweit,
doch wollt’ das nicht genügen,
sich tiefer zu vergnügen.

Da hat die Nonne erst bedacht,
was sie im Leben falsch gemacht,
sie stellte die Prognose:
„Ich brauch’ ne stärkere Dose !“

Ein Gläserbläser kam ans Haus,
den fragte die Äbtissin aus:
„Kann er mir etwas blasen,
in Form von einer Vasen ?“

Der Gläserbläser war so kess,
und zeigte der Äbtissin es,
er hatt’ das Ding auf Lager -,
auch er war nicht zu mager.




 

Bild: Im hochadeligen Damenstift Herford, dem ältesten Frauenkonvent im Herzogtum Sachsen, wurde ein gläserner Dildo aus dem 16. Jahrhundert gefunden, welcher der Äbtissin zur Lustbefriedigung der unteren wie auch der oberen Bedürftigkeiten - dort als Likörgläschen - zu dienen vermochte. Er wurde neben dem Wohnraum der frommen Frau entdeckt. Sehr unüblich scheint die Dildo-Benutzung in der Damenwelt des Mittelalters nicht gewesen zu sein, stellte doch der Bischof Burchard von Worms um das Jahr 1000 herum in seinem „Beichtspiegel“ die Frage: „Hast du getan, was manche Frauen zu tun pflegen, nämlich irgendein Werkzeug oder Gerät gemacht, das einem männlichen Glied gleicht, nach dem Maß deines Verlangens, und hast du das mit Bändern festgemacht an der Stelle deiner Schamteile...“

 

 
   

 

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