HOCHSEEFISCHER

 
 
HOCHSEEFISCHER
 
Seefahrt tut Not -, die Leinen los,
die Reise beginnt ins Nordmeer rauf,
ich bin ein muntrer Kochsmaat bloß,
rund um mich her ein wüst’ Gesauf’.
 
Kein braves Volk haust hier an Bord,
die Schleppnetzfischer, hart und stur,
frönen auf Marschfahrt einem Sport,
dem Saufen, Saufen, Raufen nur.
 
Am roten Felsen geht’s vorbei
darüber glänzt das Morgenrot,
bald schon beginnt die Plackerei,
den Fischschwarm zeigt das Echolot.
 
Bei Island wird das Wetter mau,
der Steven stampft auf Nordnordwest,
wo steht der Rotbarsch, Kabeljau ?
Jetzt wird der Männer Seele fest.
 
Südwester her -, ins Ölzeug rein
und drüber noch den Friesennerz,
Maschinen brüll’n, die Böen schrei’n,
es brist eiskalt im frühen März.
 
Das Fangschiff kurvt im Fanggebiet,
in rauer Dünung rollt die See,
dann ist’s so weit, dass es geschieht,
das Schleppnetz fällt querab auf Lee.
 
Gut scheint der Fang, die Beute schwer,
durch Klüsen stürzt der weiße Gischt,
und Männerkraft entreißt dem Meer,
was tödlich eng ihr Netz gefischt.
 
Längsseits der Reling, in der Reih’,
müh'n sich die Macker, Mann um Mann,
sie ziehn mit bloßer Hand herbei,
was ihre Winsch nicht leisten kann.
 
Dann klatscht der Segen auf das Deck,
es quirlt und zappelt wild im Netz,
ein Jubel läuft von Bug bis Heck,
das Meer lohnt Härte und Gehetz’.
 
Nach Bremerhaven geht’s zurück,
am Kai winkt manche blonde Maid.
Seefahrt tut not als Männer-Glück,
mit Mut und Kraft zur Jugendzeit.
 
 
Foto: G. Hess als Kochsmaat auf dem Seitentrawler „Hanseat“ / Bremerhaven, 1966
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