WISSEN SIE SCHON ?

 

WISSEN SIE SCHON ?

Ach, Herrgott -, Frau Nachbarin,
da kommt mir gerad’ in den Sinn,
haben Sie schon das gehört,
was mich jetzt am meisten stört ?

Die Frau Lehmann, diese Ziege,
die mit ihrer Kegel-Riege,
trug doch gestern mit den Kerlen,
wieder ihre falschen Perlen.

Sahen Sie ihr kurzes Kleid ?
Dafür ist sie viel zu breit !
Hätt’ ich ihre dicken Waden,
ging' ich damit nichtmal baden.

Die kann keine Röcke tragen,
muss ihr das erst einer sagen ?
Auch die Absätze sind krumm,
na, ich bin jetzt lieber stumm !

Obwohl wir dieses sagen sollten
wir sind ziemlich unbescholten -,
keiner kann uns ernsthaft rügen,
wer das wollte, müsste lügen.

Ich war niemals so verdorben,
als mein Hubert ist gestorben,
hielt ich steng’ die Trauerwochen,
mancher Kerl hat’ vorgesprochen.

Mancher tät mir Liebe schwören,
keinen mochte ich erhören,
bis ich - tief gebeugt im Gram -
diesen reichen Witwer nahm.

Das ist mir nicht vorzuwerfen,
ich will keine Männer schärfen,
von der Sorte bin ich nicht -,
keiner hat mich je erwischt.

Ich halt’ streng auf Etikette,
keiner mich zu schelten hätte;
und wie ich im Hausflur stehe,
schadet keineswegs der Ehe.

Ich will kein Verlangen wecken,
muss doch aber nichts verstecken;
dass ich so mich nie blamierte,
zeigt wohl jede Illustrierte.

Ich kann meine Reize zeigen,
zählte niemals zu den Feigen;
und mein Mann ist länger fort,
er betreibt den Angelsport !

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