DRACULA

 

DRACULA

Wenn alles schläft, wenn keiner wacht,
die Turmuhr schlägt die Mitternacht,
dann pocht mein altes Herz so arg,
dann wach’ ich auf in meinem Sarg.
 
Jetzt schwindet mir die Todesruh’,
mir schnürt ein Durst die Kehle zu,
zu lang’ schon lag ich ohne Sud,
die Gier erwacht nach Frauenblut.
 
Ich höhn’ des Kreuzes Sakristei,
wenn mir auch flucht die Klerisei;
ich bin manch’ tausend Jahre alt,
in meines Leibes Urgestalt.
 
Ich hab’ die Zeiten überdauert,
war zugefroren -, eingemauert,
war abgetan, verlacht, verrucht,
doch lebe ich, wenn auch verflucht.
 
Mir steht nach Christenblut der Sinn,
ich flattere zum Friedhof hin,
sprech’ ein Gebet zu meinen Manen,
alle Dämonen sind mir Ahnen.
 
Ich weiß ein Mädchenpensionat,
das ist ein Ballsaal eigener Art,
dort liegen hundert feine Püppchen,
im Leibe leckere, rote Süppchen.
 
Ich ritze sacht, mit scharfem Zahn,
die lange Halsschlagader an,
und sauge wie die Fledermaus,
des ganzen Blutes Kreislauf aus.
 
Wenn letzter Atem weicht der Lunge,
leck’ ich genüsslich mit der Zunge,
die zarten, kalt gewordenen Häute,
das sind mir meine liebsten Bräute.
 
Doch was erzähle ich Dir dies' ?
Deshalb mein Sarg ich nicht verließ,
Du hältst mich auf mit Fragen bloß,
ich bin so durstig -, ich muss los !
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