DAS RUNENLIED - Eröffnung und Anriss 1. bis 4. Rune

 
 
 
 
DAS RUNENLIED
 
Der germanische Mythos
 
aus aryanischer Geisteswelt von Island bis Indien.
 
 - Die Gotterkenntnis aus der wir kommen -
 
7991 n.M. - 1991 n.0
 

Die folgende Runenerkenntnis basiert auf meiner Findung des rechts-beginnenden Verständnisses der 24 Ur-Runen als luni-solares Kreisschema der 24 jährlichen Mondstände, aufgrund des Studiums und der Zusammenschau von altnordischen Texten, dazu der Betrachtung des bronzezeitlichen Felsbildbestandes Skandinaviens, der volkskundlichen Darlegungen, wie jene der Gebrüder Grimm, Wilhelm Mannhardts, Karl Simrocks, Otto Paul Herrmanns, den germanistischen und skandinavistischen Schriften von z.B. Franz Rolf Schröder, Karl Hauck, Willy Hartner, sowie insgesamt der Religions- und Geistesgeschichte der auf die Runenschöpfung möglicherweise einwirkenden antiken Kulturkreise. – Auf meinem Weg zu den Runen wurde ich zu Dank verpflichtet gegenüber einer Vielzahl von Menschen, die mir mit Hinweisen und aktiver Hilfe Unterstützung schenkten, in erster Linie meiner tüchtigen Ehefrau Elke -, und Dr. Kurt Kibbert, dem Runenfex und Frühgeschichtswissenschaftler, für 13 lehrreiche Jahre der Freundschaft. Seinem ehrenden Andenken widme ich diese Arbeit.

 

 

Auszug aus dem Schreiben des germanistischen und skandinavistischen Mediävisten - einem der führenden Runen-Fachwissenschaftler unserer Zeit - Professor i.R. Dr. Klaus Düwel vom 23. Januar 1994: „Ich bezweifele nicht, dass die von Ihnen vorgelegte Lösung zur Reihenfolge des älteren Futhark in sich stimmig und wohl auch richtig ist….“ Prof. K. Düwel gibt darüber hinaus zu Bedenken, dass der im strengen schulwissenschaftlichen Sinne anzustrebenden Beweisbarkeit Schwierigkeiten entgegenstehen könnten. Aber jede wissenschaftliche Sichtweise ist nicht mehr als ein vorgestelltes Modell der möglichen Wahrheit, welches als Indizien-Zusammenstellung, fortwährender Prüfungen bis zur letzten relativen Sicherheit zu unterliegen hat.

 

Copyright © Gerhard Hess - 7093 n.M.

 
 
Dass du nicht enden kannst, das macht dich groß,
und dass du nie beginnst, das ist dein Los.
Dein Lied ist drehend wie das Sterngewölbe,
Anfang und Ende immerfort dasselbe,
und was die Mitte bringt, ist offenbar
das, was zu Ende bleibt und anfangs war.
Du bist der Freuden echte Dichterquelle,
und ungezählt entfließt dir Well auf Welle.
Nun töne, Lied, mit eigenem Feuer !
Denn du bist älter, du bist neuer.
 
J.W. v. Goethe
 
 
Die eddische Seherin Völuspa
erklärt’ wie die weltliche Werdung geschah -
im nordischen Lied, mit stabendem Reim -
als Mischung von Nifl- und Muspelheim.
Nach Auðhumblas Urkuh-Materie-Geburt,
aus dem Ur-Zwitter Tuisto der Ymir wurd’.
Seinem erzeugenden Schwitzen zum Lohn,
erwuchs ihm sechsköpfig der Urzeit-Sohn,
wie auch im uranfänglichen Schwunge,
die nötige Paarung, Mädchen und Junge.
Der Asengeist blieb nicht lange versteckt,
er ward aus dem Salz der Erde geleckt,
in schöner Gestalt des Buri, des Buriz,
erhoben sich Weisheit und Menschenwitz.
Aus ihr wuchs asische Götter-Erkennung,
mit hoch bedeutsamer Namensnennung.
Es folgte dem Buri der Borr als Gemahl,
auf die Bestla fiel seine minnige Wahl.
Deren Kinder waren, in folgender Reihe,
Odin, Vili und Vé - Geist, Wille und Weihe.
Diese opferten Ymir zur All-Erschaffung,
über Ginnungagap der Urzeit-Klaffung.
Drei Welten-Bereiche wurden erdacht,
der Tag überglänzte die Urzeit-Nacht.
Unter Menschen-Mitgards gastlichem Rund,
die Höhlen der Hel im garstigen Grund.
Doch hoch über allem herrscht Asgards Licht
und des Idafeldes Götter-Gericht.
Noch höher waltet die Schicksals-Macht,
als drei riesische Urzeit-Mütter gedacht.
Es spenden den Welten Harm oder Huld,
die Nornen Urd, Werdandi und Suld.
Sie knüpften des Fatums Faden-Geschlinge,
sie ritzten die Runen zum Zeiten-Ringe,
deren Geheimnis kein Lichtgott erkannt’,
die Odin zu finden und deuten verstand.
Odin-Wodin, das Od, ist in dir und mir,
dem Weltgeist teilhaftig sind alle wir !
Doch der nur vermag ihn zu erschließen,
aus dem nur wird er zum Heile sprießen,
der Wille zur Wahrheit im Herzen hegt,
die Lügen-Dämonen von dannen fegt,
kein Knecht des Götzen Mammon wird,
und treu sich selbst bleibt -, unbeirrt !
 
Es entrollt sich der raunende Runenring
mit der Gaia, der Maja, dem dunklen Yin.
Aus der Amme Auðhumbla, dem ODALSGRUND,
unsrer Ahnenheimat - dem Muttermund,
der Lebensschlange, der ersten Schlinge,
dem dämmernden Anfang der irdischen Dinge,
 
Gebieret sich Yang, das uranische Licht,
dass erglühenden Glanzes der Tag anbricht.
Dyaus-pitar, Zeus, Donar, der Himmelsvater,
Ahura-Mazda, Varuna, der weiseste Rater,
Tuisto, Janus, Zervan-Chronos, die Zeit,
er ist Anfang und Ende der Ewigkeit.
Der erste polare Erreger, Beweger,
er ist die Zweiheit, - der DOPPELAXTTRÄGER.
 
Aus waberndem, wirbelndem Ur-Äthermeer
sprang ein Lichtgedanke, ein Feuerspeer.
Der trägt des Vaters strahlendes Heil,
als ING-LING, als Sohn und bester Teil,
den lichtfremden, fernen Gründen entgegen,
schlummernde Keime erweckend zu regen.
 
Als drehende Drei, als rotierendes Rad,
geht Helios den hehren, erlösenden Pfad.
Hor-Apollo und Mithra sind Namen nur
auf des ewig-einzigen Heilbringers Spur.
Er reicht‘ mit liebendem Strahl so tief
in den Muttergrund, da die Quelle schlief.
 
Vier Ströme des Lebens perlten an‘s Licht,
dass sich Wasser mit Feuer zusammenmischt‘.
Und wie sich die Stoffe verbinden, verweben,
da ordnet sich frühestes, grünendes Leben.
 
Dem zarten Beginnen von Kraut und Lauch
folgt der ragende Baum und breite Strauch.
Wasser und Pflanzen sind innig verbunden,
als doppelter Sinn in der Rune gefunden.
LAGU und LAUKA, in frühjährlicher Zeit, -
die Beschwörungsformel der Fruchtbarkeit.
Vier Milchbäche aus dem Euter der Erde
entrannen der Urkuh, dass Wachstum werde.
 
Drei - ist die Idee von Feuer und Geist,
die Körperhaftes ins Folgende verweist.
Wasser und pflanzlicher Leib, - die Vier,
wird auch zum Symbol der Materie hier.
So wächst in der folgerichtigsten Weise
Lache und Lauch, das Getränk und die Speise,
in dem sich nun richtenden Urzeit-Revier,
vor folgender Werdung von Mensch und Tier.
 
Die ersten vier Stäbe im runischen Reigen
wollen die Wurzeln der Welten erzeigen.
Titanische Mächte festsetzten das Maß:
ERDE und AER und FEUER und NASS.
Aus gebärender Erde, dem Grundelement,
haben zweierlei Dünste sich abgetrennt:
 
Feuchtes und Trock‘nes, vereinigt zur Luft,
das Feuchte die Erde zurück sich ruft,
das Trockene, nach des Leichteren Weise,
erhebt sich ätherisch zum Feuerkreise.
Der stoffwechselnde, ewige Fluß der Dinge
reiht die Ur-Prinzipien zum Bild vom Ringe.
 
Im Wandlungsprozess von Weichen und Werden
wird Feuer zu Wasser und Meer zur Erden;
doch keine Richtung ist rechter, ist reiner,
„Der Weg nach oben und unten ist einer !“
 
Die höchste Ebene des Verständnisses kennt
Gleichsetzung von Gottheit und Element.
Hier scheinen Gedanken zu Runen geronnen,
die ionische Schulen auch einst gewonnen.
 
Den Stoikern schien die Gottheit an sich -
wohl bildend, besamend und schöpferisch -
als feuriger Dunst, als pneumatische Kraft,
aus denen sich Feuer und Wasser entrafft.
Ein Wasseranteil bleibt seinem Wesen treu,
ein zweiter, der bildet zur Erde sich neu;
und aus der Luft allerfeinsten Verdünnung
gerät die Gestirn- und die Feuer-Gerinnung
So teilen sich äus des Urstoffes Grenzen
„Wasser-Erde-“ und „Luft-Feuer“ Potenzen.
 
Von Philosophie und Physik der alten Zeit
liegt die runische Lehre nicht allzuweit.
Wissen wir von der Weltwerdung wirklich mehr ?!
Da fällt uns die fähige Antwort schwer.
 
Aber was auch gelehrte Griechen gefunden,
an die Anschauungen der Antike gebunden,
der wissende Veda wies vordem doch schon
jene tiefe, vertraute Theologie-Tradition,
dass das Brahman aus sich den Beginn gebar,
was in stufen-steigenden Sprüngen geschah.
 
Es verwirklichte sich so Schritt um Schritt,
und es bildete Baustoff der Welten damit.
Die Elemente als Gottes Erscheinungsformen,
sie wandeln sich nach natürlichen Normen:
 
Im Anfang war „Akaca“, allvorhandener Raum,
die Gottheit gähnte im glanztrunk‘nen Traum.
Aus Licht-Luft lösten sich Äther und Wind,
die Allvaters allzeugender Atem sind.
 
Weltgeist aber wuchs, aus Windes Verbleib,
zur entfaltenden Flamme, zum feurigen Leib.
Und wie er strömte im stoffwechselnden Soge,
da verwandelte er sich zur wallenden Woge.
Aus dem Wasser dann wurde die Offenbarung
der nützlichen Erde, der erdigen Nahrung.
Galt Gott doch nie in der Ferne thronend,
Gott wirkt in sämtlichen Stoffen wohnend.
Nach Einsichten einstiger deutender Denker
galt er als der Dinge tiefinnerster Lenker.
 
Im gewendeten, stufigen Werdezwang
erfolgt auch der endliche Untergang.
Die Gotteskraft zieht sich wieder zurück,
so wogt das pulsierende Weltengeschick.
 
Das All löst sich auf zum Ätherreich,
Wege des Auf- und des Abbau‘s sind gleich.
Die einstige Antwort auf ewige Fragen
verdient noch Betrachtung in unseren Tagen.
 
Vergingen auch seitdem vieltausend Jahre,
unüberwindbar währet das Wahre !
Die kosmologische Kombination
der reifen rigvedischen Religion
erahnte das All als von atmender Art,
gleich den wissenden Weisen der Gegenwart.
 
Es wuchs hervor aus des Weistumes Wesen,
aus überliefertem Wissen zusammengelesen.
Es ringten sich ein die blühenden Ranken
der aryanisch-iranischen Gnosis Gedanken,
die geistigen Grenzen spannten sich weit,
da im zündenden Hoch hellenistischer Zeit.
 
Die Ideenfunken flossen im Urflammenstrom,
daraus türmt‘ sich der runische Feuerdom.
Ein teutonischer Gottes-Sucher - Gott-Treuer
erriet das zum Himmel auf ragende Gemäuer.
 
Inmitten des Schutzes schimmernder Steine
erstrahlet die köstliche Schale im Scheine:
Der Gral, mit ureigener Geistglut gefüllt,
ihm entsteigt uns‘res Volkes Gottesgebild‘.
Den Runendom durchhallt das heiligste Lied,
jeder einzelne Ton aus den Urzeiten zieht.
 
Der Runen-Skalde reihte die rechten Riegen,
er war fähig, die Fugen trefflich zu fügen.
Aryanischen Allgeistes Töchter und Söhne,
Weisheitsfunken, Bausteine, würdige Töne
aus edlem, uraltem Gebein und Mark,
wohl weit über viertausend Winter stark.
 
Und der zum Zeitkreis geringelte Runenbau
steht auf dem Grunde der geistigen Schau.
Von Erkenntnissen jener Weltalter-Spanne,
die da zagte im cimber-teutonischen Banne.
So weit reicht die Regel der Reihe zurück,
doch der Stäbe Spur lenkt weiter den Blick.
 
Der Geistesgigant, der die Runen uns gab,
sah auf eine Welt voller Weisheit hinab.
Er schuf ein System von umfassendem Sinn,
eine Harmonie der höchsten Gedanken darin.
Er erwog die wichtigsten Wissensquellen,
er durfte die Stäbe nicht anders stellen:
 
Es kann die Eins nur das Allgebärende sein,
mit Zwei senkt der zwiefache Gott sich ein.
Die Drei meint den männlichen Feuergeist,
die Vier auf weibliche Wesenheit weist.
Wer solch sinnvolle Folgen fand und fügte,
den Gesetzen vielfältigster Kreise genügte.
Was der Meister in eigener Zeit gefunden,
hat er mit ältestem Weistum verbunden.
 
Solchen Zahlenanstieg im Zeichenreigen
will das platonische Dreieck“ erzeigen.
Die göttliche Natur besteht aus Dreien,
es wächst das Dritte hervor aus Zweien.
 
Als „Geburtsdreieck“ wird angenommen
ein rechtwink‘liges - das scheint vollkommen.
Seine waagerechte Basis weist die Vier;
die Vier meint die Mutter Materie hier,
den gebärenden, uranfänglichsten Sprung,
den ihrem Selbst entspringenden Schwung.
Die senkrechte Kathede versinnbildlicht,
da sie von drei Längeneinheiten spricht,
jenes ideell - intelligible Musterbild,
das als Logos, Gott-Sohn und Gott-Vater gilt.
 
Die Hypotenuse mit fünf Einheiten
muss sich zum All der Schöpfung erweiten.
Denn ihr Viereck entspricht als Resultat
der Summe von A- und von B-Quadrat.
Aus „pente“, der Fünf, kommt „panta“, das All,
die sichtbare Schöpfung, - der Weltenball.
 
Das Gewordene, das Abbild, das Erzeugte,
das Greifbare - Fassbare, das Eräugte.
Dies galt als das Kind der Magna Mater,
beherrscht und geregelt vom Gottes-Vater.
 
Der Sprössling zwischen Eins und Zwei
gleicht ohne Trug doch schon der Drei.
Es entspricht im logischen Labyrinth
die Drei, das geistige Feuer-Kind,
urmenschlicher Fünf, der Schöpfungswelt,
die durch Materie und Geist erstellt‘.
Sechsendig gleicht das All dem Stern,
die Einundzwanzig trägt Drei im Kern.
 
Die weibliche Vier meint Mutter Eins.
Der Sohn ist ohne den Vater keins.
Drei ähnelt Zwei, und Zwei ist Drei,
wer nennt das Runen-Hexerei ?
 
Der Plutarch setzte ins Dreieck schon
Isis, Osiris und Horus, den Sohn.
Isis - der Ort, wo die Schöpfung geschieht.
Vater Osiris - das zeugende Glied.
Horus, die Sonne - das Himmelslicht,
ist die gute Welt und die Zuversicht.
Die Drei fasst fähig und fokushaft
die göttlich waltende Werdekraft !
 
 
 
(1. bis 5. Runen werden im Anschluss besprochen)


PS: Die zum vollen Verständnis des „Runenliedes“ nötigen Quellenangaben, Festdaten und Zeichnungen sind in einer schriftlich niedergelegten, bisher unveröffentlichten Arbeit, enthalten.

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