6. RUNE ehwaz - Ross - (solares Kosmos-Synonym)

 

 

Bei Trelleborg - im schwed. Skåne - fand man einen Pferdeschädel aus der jüngeren Steinzeit, in dessen Stirnnaht ein abgebrochener Feuersteindolch steckt, der bei der Opfertötung abgebrochen sein muss.

 

Das frühjährliche indogermanische Rossopfer

 

ZEITRAUM DER RUNE

 

Manche gottesweisheitlichen Gedichte
beschreiben die Entstehungsgeschichte;
jene Reimreihen des Rigweda besagen,
dass einst der Puruscha in Frühzeit-Tagen,
das Ur-Allwesen, - der kosmische Mann,
als erstes Geschöpf das ROSS ersann.
 
So erscheint das geheimnisumwitterte Pferd
als der runischen Genesis sechster Wert.
Die tierische Schöpfung vertritt es hier
und ist gleichzeitig gottnahes Opfertier,
ist Welt-, Zeit-, Seelen- und Sonnenross,
an den Himmel gesternt als der „Pegasos“.
Dessen Runenwort lautete „Ehwaz“ längst,
„eoh - eor - equus – ecus“, der Hohe Hengst.
 
Will die Sonne vom Wassermann scheiden,
muss den südlichen Fisch noch vermeiden,
bevor sie den Fisch der Göttin“ umfängt,
kommt der Springer ins Frühlicht gesprengt.
Sobald der Himmel Erweckung verspricht,
pranget das Pferd im prächtigsten Licht.
 
Seine Sterne sind flammender Sonnensame,
„Skinfaxi“ - Glanzschopf, so ist sein Name.
Im Lenzing steigt seine Strahlensträhne,
Luft und Lande durchleuchtet die Mähne.
 
Auf dem Ross reitet „Dagr“ ins Jahr hinein,
heller Tag loht herauf im Sonnenschein.
Für den Lichtaufgang jeder Morgenstunde
steht das lichte Pferd in der Runenrunde.
Nun neigt sich die Tages- und Jahresnacht,
der Hengst hat die Helle hervorgebracht.
 
Das Pferd ist Symbol der eilenden Zeit,
ist ein Renner im Ring aller Ewigkeit.
Der Gottheit gilt das Jahr wie ein Tag, -
ein Tag nicht mehr als ein Hufaufschlag.
Und sämtliche runischen Zeitbausteine
soviel wie sechs sausende Pferdebeine.
 
Ist das Dodekaeder ein Bauplan dem All,
dann bilden zwölf Pentagone den Ball.
Zwölf mal fünf ergibt sechzig, - die Sechs.
Die Sechs bezeichnet das Weltengewächs.
 
Das Weltengewächs ist ein riesiges Ross,
das als weises Wesen der Urwelt entspross.
Es galt als Symbol der Gottheit an sich,
die sich wiederergänzte am Opfertisch.
Göttliches, das sich zur Welt verschwendet,
wird im Opfer der Gottheit zurückgesendet.
Der „König der Opfer“, - das Opferpferd,
ist wie die Gesamtheit der Welt so wert.
 
Pegasus, das Quellen-Ross, kündet den Tag,
der sich aus Aurora entfalten mag.
Die Quellen des Lichtes sind aufgetan,
also fängt nun der göttliche Morgen an.
Die Upanishaden die Weisheit vermehren,
die ältesten arischen Lieder belehren:
 
„Die Morgenröte, die den Tag erlaubt,
ist des reinen Rosses geopfertes Haupt,
die Sonne sein Auge, der Wind ist sein Hauch,
der Himmel ist Rücken, Luftraum sein Bauch.
Sein Rachen ist Agnis weitflammender Geist,
sein Leib so im Jahr der Äonen kreist.“
 
Die Rat-Runen raunen den rechten Schluss,
wann das ROSS-FRÜHLINGSOPFER erfolgen muss
Der zeitmeisternde Mond gemahnet zum Mahl,
reif rollt er gerundet zum Ritual.
 
Mit dem fähigen Frisking, dem fehlerfreien,
wird das Werk der wertigen Weihe gedeihen.
Der schiere Schimmel, der schaffende Schein,
der Schöpfer selbst steht am Opferstein !
 
Frisch auf jetzt, ihr frommen Sudgenossen,
die in rüstiger Runde zusammengeschlossen;
zum Feuer der Feier die Scheiter geschichtet,
zum köstlichen Kultmahl die Kufen gerichtet.
 
Im Schlachten, Schmausen, Brauen und Braten
wisst ihr den würdigen Wunsch zu erraten.
So labet die Leiber am leuchtenden Leben,
sein Blut und sein Bein sei euch hingegeben,
 
so wachset und wirket, dem Göttlichen gleich,
und werdet teilhaftig dem Ewigen Reich !
Nun habt ihr den Leib des Lebens empfangen,
hebet das herrliche Haupt auf die Stangen.
 
Uns‘res ragenden Rosses göttlich‘ Gebein,
es festet den First, es heiligt den Hain;
dass darum die dräuenden, dunklen Dämonen
des bannenden Anblickes Stätte verschonen.
 
Das Ross ist das All, das Ross ist die Zeit,
es fliegt wie Flammenschein rasch und weit.
Es rast wie der Lichtreif im himmlischen Rund,
es heilt seine Lichtkraft die Seelen gesund.
 
So ist es ganz sinngleich mit Gottes Segen,
es bereitet aus ragenden Reichen den Regen.
Seiner milden Macht muss es wieder gelingen,
sein Fuß lässt Felsen und Frost zerspringen.
 
Mit dem Huftritt schlägt es die Quellen auf,
und die Flüsse des Frühjahrs fließen zuhauf.
Von Himmeln und Höhen die Flutbäche fallen,
die Fruchtbarkeit weihenden Wasser wallen.
 
Der das Wachstum erweckende, wählige Geist
mit längendem Licht durch die Lande reist.
Gleich dem Leuchtenden Tag, dem Gotteskind,
reitet Bous - Balder sein Fohlen geschwind.
 
Hoch von des Heilsberges sternschöner Stelle
rinnt so wie hienieden des Balders Quelle,
denn die irdischenBerge des Heiles“ tragen
erquickende Quellen seit urfernen Tagen.
 
Der Pholes-Brunnen rauschte, der Baldersborn,
aus dem Fußtapf des Fohlens, dem Füllehorn.
Froh reitet der Frühling zu Nutz und Frommen,
so heißt er die Wasser des Lebens willkommen,
die aus fündigen Falten die Erdfrau spendet,
die das Weitweib Feldern und Fluren sendet.
 
Das Frühjahrs-Füllen flimmert am Firmament,
es beherrscht seinen Himmelsraum als Regent.
Es erfüllt seine frühe Befruchtungsfunktion,
es regiert die Wasser-, die Fische"-Region.
 
Es stampft der verstirnten Ströme Gestade,
es bäumt sich im blanken, blinkenden Bade.
Als Lichtpferd lenkt es das Leuchten hervor,
es zieht seine Zeit vor des Tag-Sieges Tor.
Das Ross weiß das nährende Nass zu befreien,
so befördert es Wachstum und Wohlgedeihen.
 
Das Ross ist das Gute, das Ross ist das Ganze,
im Gipfelgang glüht es mit göttlichem Glanze.
Gilt dann Gottes Gesetz im Zu-Grunde-Gehen,
muss reisendem Rösslein ein Unheil geschehen.
 
Zur Jahres-Lichtgleiche, im Abwärtsschwenken,
wird das feurige Fohlen den Fuß verrenken.
Dann tummeln sich Trug-Disen tanzend im Tal,
sie wünschen dem Traber Verwundung und Qual;
er strauchelt und stürzt im schlimmen Omen
auf fährlicher Falle von garstigen Gnomen.
 
In die flinke Ferse fährt spitzig ein Span,
einer grässlichen Giftviper zehrender Zahn.
Das Gottestier zieht mit entzündetem Bein
unter schweißender, schwärender Wunde Pein.
Nun trottet das Jahrross im taumelnden Trab
und trägt seine Zeit in die Dämm‘rung hinab.
 
Hallt im Herbste des Totenhorns dumpfer Ruf,
hat der Heiland den blutenden, hinkenden Huf.
Auf den Tod ist der Helligkeit Heil versehrt,
Blutighuf heißt dann des Herrgotts Pferd.
„Blodhughofi“ gehört dem sonngöttlichen Fro,
der reine Balder doch reitet den geradeso.
Wird das Jahr zur greisen, grauen Schnurre,
gerät das goldglänzende Gäulchen zur Gurre.
 
Das Ross als das Ganze, das Ross als das God,
bringt Frühlingsbefruchtung und Wintertod.
Im jährlichen Glanzstieg ergehet sein Gruß,
das Erdenweib tritt es mit phallischem Fuß.
 
Dem Tritt muss Segen entschwellend schwappen,
fruchtgebend, glückhaftend sind Rosses Trappen;
drum heftet den Rosshuf für jegliche Fälle
über Türen von Wohnhaus, Scheunen und Ställe.
Hängt hoch auch des Hengstes geheiligten Schuh,
der schützt euch vor Schaden denn immerzu.
Doch sorget, das Hufeisen sinnvoll zu richten,
weist es den Helweg, so hilft es mitnichten.
 
Hinauf zeigt, der Huf heilzaub‘rischer Künste,
nur der wehret Wetter und Feuersbrünste.
Biegt sein Bogen nach unten, - ein Totenmal,
denn abwärts, da trotten die Toten zu Tal.
 
Im Herbst wird der Traber traurig und trüber,
das Pferd bringt die Seelen sicher hinüber,
das goldige Gäulchen, es reift gar zum Rappen,
ein schwarzes Ross trägt des Teufels Wappen.
Das Pferd weiß ins Jenseits die weiten Wege,
sicher setzt es über die Ströme und Stege.
Es jagt mit den Toten zum letzten Gericht,
es führet die Geister vor Gottes Gesicht.
 
Der gänzliche Gaul ist der Gottheit Gespann,
das Pferd pendelt planvoll hinab und hinan.
In des Aufstiegs tagjährlichem Lichtgewinn
heißt es „Skinfaxi“ - „Gulltopp“ im rechten Sinn.
 
Glanzschopf und Goldhaar ward es geheißen,
seine wachsende Fülle will glühen und gleißen.
Doch mit fallendem Licht, im Hinuntersinken,
wenn Schatten und Nächte des Winters winken,
so spendet das Sinnbild der Dunkelheit Samen,
dann ist „Rußmähne-Reifhaar“ des Rosses Namen.
„Hrimfaxi“ - „Skinfaxi“, das Dunkle, das Helle,
sind Tal nur und Berg einer einzigen Welle.
 
Der jährliche Zeitkreis, ein einz‘ger Komplex,
beziffert durch zwei mal Zwölf oder Sechs,
besteht aus zwei Dreien, dem Auf und dem Ab,
Eröffnung-Vollendung, dem Greis und dem Knab‘.
 
Als Dreiheit sind beide vollkommen und gleich,
Geistvater und Glanzsohn im kosmischen Reich.
Fro-Ingvi, der Helle, der heile Erlöser,
und Wodan, ein magisch-mysteriöser.
Für Frühling und Herbst, dem Kommen und Gehen,
müssen Hoffnungsgott und Todesgott stehen.
 
Doch Wodan ist nicht allein Seelengeleiter,
nicht nur des Totenpferd‘s düsterer Reiter,
er ist die gebärende, vergeistigte Sieben,
er ist, was wir fürchten und was wir lieben.
 
Als Geist aller Dinge Stützt er das Ganze,
d‘rum führt er die alles durchdringende Lanze,
d‘rum trägt er den troffenden Ring der Zeit,
d‘rum steht ein achtbeiniges Ross ihm bereit.
 
Das „Beste der Pferde“ sind beide beisammen,
acht Hufe von Schimmel und Rappen herstammen.
Denn alles ist Wodan, das Steigen, das Fallen,
Samtpfötchen des Glückes und Schicksaiskrallen;
nur er kann den achtfüß‘gen Renner reiten,
zweileibig und endlos, so sind die Zeiten.
Die Färbung des „Sleipnirs“ ist fahl und grau,
kreiselt schwarz mit weiß, so wird sie genau.
 
Zwei Zeitkräfte ziehen das Jahr zum Kreise;
zum Glanzgipfel auf geht der Götter Reise,
zu den Wurzeln hinab weist der Weg der Ahnen;
der zweieinige Renner rast über die Bahnen.
 
Zwei Pferde, zwei Mächte, - Minus und Plus,
sich kreuzend verbunden gleich einem Guß:
„Hengist und Horsa“, die hölzernen Zierden,
schirmen vor dräuenden Unheil‘s Begierden.
 
Des Reetdachs Bekrönung, die Giebelzeichen,
schau‘n sie hinaus, müssen Unholde weichen.
Schau‘n sie nach innen, zu’nander gekehrt,
bewirken sie Wohlfahrt dem eigenen Herd.
 
Des Hauses Herd ist sein heimliches Herz,
dieses beschützen vor Schaden und Schmerz
geschnitzte Rosshäupter am Feuer-Rähmen,
auch wildeste Unrast der Funken zu zähmen.
So behüten die Hengste in ihren Bereichen
„similia similibus“ = Gleiches mit Gleichem.
 
Also rätlich reich ist die Rune vom Ross,
der Menschheit und Gottheit mächt‘ger Genoss.
Dem Pferd gebührt Dank und Preis und Würde,
es trug des Höchsten und Niedersten Bürde.
 
Für schwerlichste Aufgaben ist es geschickt.
Es wurde mit Quickborn und Quelle verquickt.
Es wurde ein Merkmal der mächtigsten Minne,
das Symbol eines Segens im saligsten Sinne.
 
Mit der höchsten, heilenden Helle verwandt,
es ward vor den Sieg und die Sonne gespannt.
Schon des Rosses Ahnen einst waren erfahren,
sie trugen die arischen Erzväter-Scharen
aus Stammland und Heimat, dem Ursitz, hinaus,
im rastlosen Räder- und Hufegebraus.
 
Haupt-Helfer war Ehwaz den arischen Herren;
der Springer und Renner brach Feindessperren;
er stampft‘ in den Boden den Bösewicht;
er lieh das Geleite zu Neuland und Licht.
 
Der Mensch hat fünf Sinne - geheiligten Zwecks,
das Ross schien ihm über, - das Ross hat sechs !
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