8. RUNE tiwaz - Tius/Ziu/Tyr - Himmelsvater (Prinzip kosmischer Kontinuiät)

Ackerbearbeitung in nordischer Bronzezeit

 

ZEITRAUM DER RUNE 

 
Mit folgender Rune, - der achtbaren Acht,
ward des Himmelsherren und Vaters gedacht.
Der Achtstrahlen-Stern ist sein Ideogramm,
des abstrakten Gottbildes uralter Stamm.
 
Gottes Ur-Prinzip ist der lebendige Aer, -
als Körper des Aer galt das Oktaeder,
d‘rum schätzte der Herr als trautesten Thron
für die heiligen Hallen sein Oktogon.
 
Oft ist des Sakralbaues Achteck zu finden,
diesen Umstand mögen die Runen begründen.
Und ein göttliches Maß der Tonfolge traf
das Harmonie-Intervall der hehren Oktav‘.
 
Die Weisen der Veden und der Upanishaden
bewegten sich früher auf diesen Pfaden.
Ihre lauteren Lehrstücke und ihre Lieder
teilten das All in acht kosmische Glieder.
 
Und die Jünger des Mithras waren gerufen
zu erklimmen die himmlischen Leiterstufen.
Durch die sieben Tore sollten sie gehen,
erst mussten die irdischen Leiber verwehen;
haben Seelen das achte Tor durchschritten,
so haben sie Teil in göttlichen Mitten.
In achter Sphäre, - nur Geist noch und Licht, -
da steh‘n sie vor Gottes Angesicht.
 
Zwölf Runenpaare das Jahr gestalten,  
die Acht ist dreimal darin enthalten:
Gott lebt in allen drei Jahreszeiten,
der Herr kreist in allen Ewigkeiten !
 
Wer seinen hochheiligen Namen nennt,
der spricht vom funkelnden Firmament:
„di - daivos - deva - deus – theos“, das Got,
„Sius - Zeus - ZIU - TIU – TYR“ besieget die Not.
TIWAZ - TIW, TINGSUS, der Erste im Rat, 
im römischen Mars die Entsprechung hat.
 
Muss Gott doch im „Widder“ ein Kämpfer sein,
triumphieren soll ja der segnende Schein.
Die Erdmutter lag in des Argen Haft,
unter grausen Gewalten der Gegenkraft.
 
Der dunkle Drache, der einst sie gezwungen,
den hat der Lichtgeist nun niedergerungen.
Der Fenriswolf, jene Finsternismacht,
sie wird gebunden, dann ist es vollbracht.
 
Riefen einstmals die Krieger ins Kampfgebraus‘
alle fähigen Ritter zum Ringen hinaus,
so hielten sie ziemliches „Zeter“-Geschrei;
denn in trotziger Zwietracht ist Ziu dabei; -
„Tiodute“, „Zioter“ - der Ruf zu den Waffen,
mit göttlicher Hilfe des Recht zu beschaffen.
Mit dem Streitgott hinaus zum Strauß und Siege,
der trefflichste Helfer ist Tiu im Kriege.
 
Die Menschen sehen, sie sinnen und fragen,
sie gaben sich Antwort in Mythen und Sagen,
von Lichtes Urfeind in Schreckgestalt,
vom sieghaften Kampfe der Himmelsgewalt.
 
Die heilenden, hellen, heroischen Götter
zertrümmerten ihre dämonischen Spötter.
Dem Eistroll, der Ströme und Sonne geraubt,
dem schlugen Indra wie Donar aufs Haupt
Tarhu - Teshub im Wetter- und Wagenkrachen          
überrollten Illuyanka, den Winterdrachen.
Der Streitwagen Gottes, - wildstier-bespannt,
durchrattert‘ im Frühlingsgewitter das Land.
Es traf doch den Dämon der donnernde Blitz,
es warf ihn hinaus aus dem Wintersitz.
Zur Frühzeit des Tages und Jahres gedacht,
jener Krieg mit der widergöttlichen Macht.
Ammmon-Re seinen Kampf mit Apophis besteht, -
Zeus zwingt den Typhon und Horus den Seth.
Und Marduk, Taranis und Jupiter ringen,
den einzigen, ewigen Feind zu bezwingen.
 
Zarathustra tat einst seinen Jüngern kund:
Der Lichtfeind haust zwar im grausigen Grund,
doch gieret er nicht nur nach Himmelsschein,
er greift auch ins menschliche Herz hinein.
D'rum sei Euch zur raschen Rüstung geraten:
Übt helle Gedanken und Worte und Taten.
Dann soll Euch der Dämon tückisch bekriegen,
dann werdet Ihr siegen !
 
 
 
Gott ist das geistige, gute Prinzip,
das naturreligiöse Gleichnis doch blieb:
Schimmerndes, schirmendes Himmelsgebäude,
gibt es nicht Gottesgewissheit und Freude ?!
 
Also zeigt uns‘res Hochgottes Runogramm
das Gewölbe mit seinem Säulenstamm.
Die Irminsul galt einst als Unterpfand
für des IRMINGOTTES treu ordnende Hand.
 
 
Bronzezeitliche Spange von Vennebo / Schweden
 
 
Die Säule als Sinnbild der All-Erhaltung,
gleicht im Zagel der zeugenden Gestaltung.
Der Gott, der den Himmel zur Höhe gehoben,
der lässt ihn drehen und dauern dort droben.
 
Wer sollte der Sterne Kreistanz begreifen,
wer wollte wissen - dies Wendeln und Weifen ?
Wie weit wird es währen, wann wird es enden,
dies' weihende Walten, dies' Weben und Wenden ?
 
 
Mittelalterliche Haithabu-Fibel mit Weltstütze
unter Sternen-Himmelsglocke
 
 
Hält der Himmel als Zelt, Haus oder Halle,
so gestützt wird er sicher in jedem Falle.
Und sind seine Säulen aus Erz und aus Stein,
selbst sie wären Gottes Gestalt und Gebein.
 
Und stemmte den Himmel ein einziger Ständer
zu tragen des Weltraumes Wat und Gewänder,
den micheligen Mantel, den prächtigen blauen,
aus dem unzählige Lichtaugen niederschauen,
erhielte den Himmel nur ein einziger Mast,
und auf ihm läg‘ des luftigen Leibes Last,
die himmlischen Heime der Wasser und Feuer,
solch ein hoher Träger, - ein heiliger, treuer,
der wäre dem Weltgeist so engstens verwandt,
den erhielte die Gottheit mit eigener Hand.
 
Die Nabe, um die sich der Nachthimmel dreht,
in der die Allstütze wie eine Achse steht,
liegt im fernesten First, im Firmament,
in des schimmernden Scheitels einzigem End‘,
dort unter dem Nordstern, dem Nabenstern,
der Himmels-Kappe, -Kapelle, -Kopf und -Kern,
müsst‘ sich der Maßbaum zur Mitte strecken,
der Pfahl, der Pfeiler zum Pol hinrecken.
Und wär‘s auch Tyr-Wodans Lanzenschaft,
es trägt unser Weltdach, der Gottheit Kraft.
 
 
Eine der echten altsächsischen Irminsulen,
die von den Fulda-Kloster-Mönchen
als Trophäe verschleppt, zur Krypta-Säule
unter der Michaelskirche eigebaut wurde.
 
 
Doch wie diese Kraft ihre Schöpfung erhält,
dass die drehende Decke nicht niederfällt,
das weiß nur sie, und sie waltet zum Wohl,
des Irmin-Gott‘s Säule ist nur sein Symbol.
Die Irminsul trug nur „gleichsam“ das All,
sie war Weitgottes Abbild und Widerhall.
Die Vorfahren wussten wohl zu vergleichen
das Echte und seine Erinnerungszeichen.
 
Vielleicht gleicht die Himmelsstütze dem Speere,
dessen Schaft ragt über die Länder und Meere,
im Nordstern blitzt seine blanke Spitze,
darüber hat Gott seine herrlichen Sitze.
 
Wer hätt‘ nicht erkannt oder davon gehört,
dass mimisches Denken die Mythen betört‘ ?
Es erwies sich so oft, dass die Ordnung beruht
auf Speeresspitzen, auf Eisen und Blut.
 
Unser Himmels-Herrgott selbst ist der Halt,
die Stütze gleicht göttlicher Wohlgestalt.
Der Pfeiler, der zur Höhe hinragend weist,
des lichtvollen Reiches Regenten preist,
verschmolz im frommen, bildseligen Schauen
mit heiligster Hoffnung und Gottesvertrauen.
 
Die Säule als Sinnbild der saligsten Macht,
auf ihr ruht des drehenden Raumes Fracht.
Als Mastbaum dient sie dem Erdenschiff,
eines urgrauen Gleichnisses sinniger Griff.
 
Hockt der Mensch nicht zu wahr in einem Boot,
lenkt der Gotteswind nicht zu Heil oder Not ?
Wenn Stränge zerreißen, die Stange zerbrach,
wer könnt‘ da noch retten vor Tod und Schmach ?
Treibt den irdischen Kahn ein himmlisches Segel,
befiehlt ihm des göttlichen Fahrplanes Regel.
 
Ist zwar Ziu unfasslich wie Raum und Zeit,
im Symbol wird ihm scheinbare Leiblichkeit.
Als Zentralsäule ist er des Raumes Erhalter,
als zirkelnde Kraft, der Zeitengestalter.
 
Um die Gottes-Achse dreh‘n sich die Weiten,
das Hoch und das Tief der ziehenden Zeiten,
der Winter, der Sommer, Lichtfülle und Dunkel,
der sonnige Glutrausch, das Sternengefunkel.
 
Die Zeit ist ein flutendes, ebbendes Ding,
sie schwingt sich im Kreise zum einigen Ring.
Mit Mond und mit Sonne dreht sich das Jahr,
es umrollt das reisige Licht-Riesen-Paar
den Maßbaum der Mitte hinauf und hinab,
sie umwinden im Wechsel den Welten-Stab.
 
Im Schneckelweg wandelt Werden und Weichen,
es wirbelt die Zeit im Erblühen - Erbleichen.
Es reifen die Ringe, es wachsen die Wellen,
die dem Lebenszentrum der Mitte entquellen.
Um endlich im schrumpfenden Abwärtswinden
zum Urquell des Antrieb‘s zurückzufinden.
 
Ein Zeichen zeigt sicher dies Zeitenpendel,
die Zweier-Spirale, der doppelte Wendel.
Ob man Sonnenweg oder den Mondwechsel meint‘,
„Krumm scheint der Pfad aller Ewigkeit !“
 
Irminsul-Kapitell der Dom-Krypta St. Peter und Paul
in Zeitz, erbaut 968
 
Ein Ur-Sinnbild Gottes, die Dopelspirale,
die Lebendigkeit atmende, quicke, vitale,
sie spricht vom höchsten Wesen und Wille,
von Steigen - Sinken - Sprießkraft und Stille.
 
Gottes Lichtaugen rollen in kosmischer Runde,
durch flammendes Blau und finstere Stunde.
Seine Lichthände segnen das Kommen und Gehen,
das Abschiednehmen, das Wieder-Erstehen.
 
Seine Arme umspannen der Welt-Zeiten Lauf,
sie schlingen sich wohl hinab wie hinauf.
Sie entzünden Lichter und löschen sie wieder,
sie regeln das jährliche Hoch und das Nieder.
 
Die göttlichen Arme, sie leisten die Zeit,
sie gewähren des Lebens Beständigkeit.
Tius Körper ragt als des Raumes Garant,
sein Armpaar befehligt dem Zeiten-Verband.
 
Im Raum-Zeit-Symbol, das die Ahnen empfahlen,
zur Irminsul einten sich Stamm und Spiralen.
Gottes Bildlosigkeit fand da Überwindung
in höchster, heiligster Gleichnisverbindung.
 
Der Schaft ist vom Himmelsrund überdacht,
Spiralen und Stütze, im Sinnbild der Macht.
Der Zeitweg gezwirbelt nach zweien Seiten,
so liebt es der Herr, seine Lichter zu leiten.
 
Das Bild des Weltbau‘s war ganz allgemein,
danach schuf man Schmuckstück und Totenstein.
Dies Prinzip konnt‘ ja Pole zusammenhalten,
dann umfasst es als Fibel auch Mantelfalten.
Als Totenmal wollt‘ man die Weltsäule sehen,
sie galt als Gewährschaft für‘s Auferstehen.
 
Doppel-Wendel meinen der Welt Wohl und Weh‘,
reich zeigen sich Zeugnisse dieser Idee.
Gleiche Antworten fanden auf urfirne Fragen
die Altvordern einstmals in Steinzeittagen.
 
Des Himmelskönigs Kennbild, der Hammerkopf,
zweiseitig verziert durch den Zirbel-Zopf.
Ein Wirbel entweicht dem Schaftloch nach oben,
der andere windet hinab sich von droben.
 
Der Sinn der Spiralen, die sich dort drehen,
trotz Jahrtausenden sicher noch zu verstehen:
Der Hammer zertrümmert, kann töten, zerteilen,
er kann auch bei Werk und bei Weihe verweilen.
So vertritt er gar trefflich das Gotteswesen
und das ewige Sterben und Wieder-Genesen.
 
Davon flüstern die Felsbildertafeln der Frühe,
was sie melden, versteh‘n wir mit mancher Mühe:
Vor der Ur-Irminsul liegt geopfert der Farren,
jene Zeit sah Gott noch im Stierbild verharren.
 
Schon hat der Gott-Stier die Tötung erlitten,
der Todesdämon ist von hinnen geritten.
Eines Menschheitsgedankens ur-mächtiges Mal,
der Gottheit Not und ihr Tod am Weltenpfahl.
Ein zweites Felsbild des Nordens will zeigen
jener Doppel-Spirale jährlichen Reigen,
den Gott allen Seins als Herrn beider Seiten,
dessen Arme den Kahn und das Rösslein geleiten
zum Frühlingserwachen und herbstlichen Sterben;
ihre Sinnbilder wollt‘ uns die Urzeit vererben.
Noch heute sind so, wie in steingrauen Jahren,
als Boten Schiff wie auch Pferd zu erfahren.
 
Der Himmel ist weit, die Erde befreit,
dies sind festliche Tage der „Hohen Zeit“.
Der göttliche „Widder“ findet die Braut, -
wer ahnt das Geheimnis, das niemals geschaut.
 
Die Höhen singen, die Täler schwingen,
wenn Gott und wenn Göttin zusammenklingen.
Neun Monde darauf, so ist es beschworen,
wird die heilige Dreiheit von neuem geboren
Neun Monde darauf, so ist es gewiesen,
wird des Erlösers Erscheinung gepriesen.
 
Der Thor und der Tyr sind wie Türe und Tor,
die gleiche Gottheit im himmlischen Chor.
Der große Eröffner, die Schlüsselgewalt,
jene gleißende, glühende Vatergestalt.
 
Ein einziger strenger Segner und Sieger
mit den Funktionen von Herrscher und Krieger.
Wer vermag wohl, Mars von Jupiter scheiden,
der höchste Himmel gehört ihnen beiden.
 
Und beiden gehört auch der rächende Strahl,
der da niederblitzt aus dem Wolkensaal.
Als wirbelnder Hammer, als zuckende Lanze,
herausgeschleudert aus himmlischem Glanze.
 
Sie fällen den Frevler, erfassen den Feind,
der dem Recht sich entgegenzustellen meint.
Doch Hammer wie Lanze zeigen zwei Seiten,
sie können Vergehen und Werden bereiten.
Sie wissen zu weihen, sichern den Segen
und schaffen, den Schoß der Mutter zu regen.
 
Im Frühlingsgewitter, da wirft er zu Tal
seinen Speer oder Hammer, der Himmelsgemahl.
Der Herr, der die Erde so brünstig begehrt,
mit solcher Pflugschar die Scholle durchfährt,
er ist auch der volltreue göttliche Bauer,
der den Acker behütet in achtsamer Dauer.
Wenn auch der Dämon den Erdschoß versiegelt‘,
der Herr hat ihn stets von neuem entriegelt.
 
Das Eröffnen ist jetzo der Gottheit Wille,
so heißt sie und ihr Monat, der Aprille.
Jener Lichtkämpfer, der dem Drachen droht, -
nie beugt‘ er den Nacken vor neuem Gebot;
wohl wählt‘ er sich manchmal ein neues Kleid,
doch wir noch kennen ihn kampfbereit.
 
Auf hellem Ross reitet mit Rad und mit Speer
seit Jahrtausenden „Ritter Georg“ daher.
Er regiert in Kalender und Runenquelle
ohne Zweifel auf selbiger Zeitenstelle.
Georg heißt Landmann, der Bonde, der Bauer,
kein Wort träf‘ den Frühjahrs-Herrgott genauer.
 
Der himmlische Herr, der herrliche Himmel,
ein unfassliches Feuer-Funken-Gewimmel.
Der mächtige, nächtige Himmels-Dom
ist umtanzt vom stetigen Sternen-Strom.
 
Und selbst wenn er wildeste Wolken rollt,
im Dunkel mit drohendem Donner grollt; -
herrscht er auch herrisch und ungeheuer,
nie geizt er mit grellem, flammendem Feuer.
 
Der gleißende, himmlische Glutenball
gleicht sonnigem Sohn, des Vaters Vasall.
Und wurde der Himmel als Vater benannt,
galt ihm der Sonnengeist wesensverwandt.
 
Dies wollen die würdigen Bildwerke sagen,
die Figuren, die Formen der Sonne tragen.
Ob Zeus, ob Jupiter, Thor und Taranis,
Sonnenräder begleiten sie ganz gewiss.
Auch der Runenmeister musste erklären:
Vater und Sohn sind beisammen zu ehren !
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