9. RUNE sowilo - Sonne/Sonnenheld, lat. Sol invictus (Siegeprinzip)

Ölbild von Georg Poppe, 1936

 

ZEITRAUM DER RUNE 

 
Lingam und Yoni - ineinander-gesenkt,
„Eiche“ und „Birke“ quirlend vermengt,
da muss aus dem heiligen Feuerdrehen
die Neun - der neue Funke - entstehen,
das OSTERFEUER, - des „Widders Lamm“,
die „reine Flamme“ aus „Hohem Stamm“,
Ignis - Agni - Agnus Dei - Ingvi-Fro,
Himmelsfeuer - Surya - Sol - SOWILO.
 
Die Neun ist doch potenzierte Drei,
da ist Gott-Vater, Gott-Jüngling dabei.
Dieser Rune Sinn, ihr Zahl-Wert weist:
vollkommene Kraft von Licht und Geist.
 
Als halbes Zeichen zeigt sie sich zwar,
der Wissende weiß sie als SWASTIKA,
laufendes, loderndes, lebendiges Licht,
das Sieg über Tod und Teufel verspricht;
rollendes, rührendes, rettendes Rad
auf der Vollendung Gipfelpfad.
 
Die Sonne ist sichtlich ein Schimmer-Schild,
ein eräugbarer Abglanz vom Gottesgebild‘.
Lichtgeist, der hinter dem Sichtbaren thront,
in wohltätig - feurigen Fasern wohnt,
erweist seine Liebe im leuchtenden Leibe,
in kreisender Kugel, - erscheinender Scheibe.
 
Durch sie wird doch weltlichen Wesen jedwede
Wuchswirkung, Wärme, Wohl und Wähede.
Wär‘ es nicht witzlos, den Weisen zu wehren,
die Sonne als göttliches Gleichnis zu ehren ?!
 
 
Wenn nach durchraunter, durchnusterter Nacht
am Ostsaum das Ostergestirne erwacht,
die ersten Strahlen der Siegsonne blitzen,
flätige Flammpfeile flerren und flitzen,
dann fassen die Burschen die Brenne-Bänder,
Glanzstreifen treffen die Zündelständer,
der Näber neigt sich auf‘s bastige Brett,
der Eichtribel senkt sich in Birkmutters Bett.
 
So wie es der Bat und das Brauchtum gebeut,
erblüht nun der Siegbrand neunmächtig erneut,
im Feuertwirl tanzt schon ein fadiger Dunst,
dann barzt sie hervor, die bliezende Brunst.
Was dem Birkenbarm, dem Baumschoß, entspross,
ist Eichvaters Sohn, der Licht-Siegegenoss,
ist Ingo, ist Agni, der eifernde Eine,
er wurde erbracht, - dieser flammende Feine,
seine Stärke zu „Nutz und Frum“ zu bestallen
auf sämtlichen Herden in Hütten und Hallen
Das jährliche Siegheil lacht in den Lohen,
der sonnige Segen des hilfreichen Hohen.
Wohl ist er zu weih‘n und zu wigen gewillt,
heilhaften Holmgang, den Hader, die Hilt.
Die siegreiche Sonne jubelt beschwingt,
hinauf ins Frührot, - sie singt und springt.
Glühend und glücklich will sie sich zeigen,
und die Redlichen ringen den Sonnenreigen.
 
Es erklärt das norröne Runengedicht:
Sol - ist die Sonne der Lande Licht,
da ist es nur billig, sich zu verbeugen“
vor ihrem zierlichen, zündenden Zeugen.
 
Und der isländ‘sche Runenreim mag ergänzen:
Der Sonne schimmernde Strahlen glänzen,
ekligen Eismassen sind sie Vernichter“.
Was verrät hier der alte Runen-Dichter ?
 
Die salige Sonne besiegelt den Sieg
im jährlich kreisenden kosmischen Krieg.
Sigel, - die Sonne, - der Siege-Garant,
sie wurde wohl „Rune des Sieges“ genannt.
Zur Sieg-Rune, unserem neunten Zeichen,
muss der eisige Riese endgültig weichen.
Des Sonnensieges Mal, es soll bekunden:
Der karige Koloss liegt in Ketten gebunden !
 
Geworfen der Wolf, - der Winter, - der Würger,
der barschen Berghöhen garstiger Bürger,
gebrochen des brüllenden Belis Brausen,
des Schandrottenführers grässliches Grausen.
Erlegt ist der Lindwurm nach langem Streit,
Jungfrau und Schätze sind endlich befreit.
 
Es fuhr dem Fafnir durch schuppige Ringe
des Sonnen-Siegfriedes strahlende Klinge.
Der weiße Hirsch mit dem gold‘nen Geweih,
der schlug den lästigen Lärmer entzwei.
Des Winters Gram und des Winters Groll,
eine brüllende Bestie, - ein tosender Troll,
schlechthin das Schlechte, die lärmende Lüge,
kennen wir sie doch heute noch zur Genüge.
Sind Weise und Wahre nicht immer die Stillen,
muss Lüge nicht immer am lautesten schrillen ?!
 
Eisbarren zerschmilzt Agni - Yngvi - Ingo,
den frostkalten Thursen besiegte Gott Fro.
Es unterlag der Beli dem lichten Gotte;
denn der galt als Haupt jener Riesen-Rotte.
Wir dürfen ja fast hinter allen Titanen
die eine abgründige Urkraft erahnen:
 
Da stand am Beginn des Geschlechtes vorn
der Urriese Bölthorn, - der Unglücksdorn.
Dann Aurgelmir, Glaumarr und Bergelmir,
Thiazi, Thrym, Hrungnir, Herkir und Skerkir.
Sie alle heißen nicht anders als Brüller;
der Erleger des Brüllers ist der Erfüller.
 
Jeder Gegner des Volkes ist ein Feind,
der sich mit dem „Widersacher“ vereint.
Licht und Leben will er doch rauben,
Frieden und Freiheit nimmer erlauben,
so trifft in der tieferen Betrachtung
Dämon und Erzfeind die gleiche Verachtung.
 
Wie schuppengepanzerte Drachen züngeln,
auch eisengewappnete Heerwürmer ringeln.
Wie der Winterwolf weite Lande erwürgt,
war römische Wölfin dem Raube verbürgt.
 
Zum SONNEN-SIEGFEST, dem Sommergewinn,
Mitte April der gelinden Jahrzeit gelobter Beginn,
ward für die hehren, die heiligen Mächte
im gebärenden Dunkel der Neumondnächte
das Siegopfer, das „Sigrblot“ gesendet,
ein Bluot der Bitte um Siege gespendet,
ein großes Sieg-Bittopfer für jedwede
im Jahresverlauf zu bestehende Fehde.
 
Die Runen reden ,- wir müssen nicht raten.
Sie verraten der Festtage Arten und Daten.
In sie ist die Antwort hineingeschrieben,
für wen man die Siegesfeuer errieben.
In sie ist auch deutbar hineingebannt,
wen man als Säule des Sieges erkannt‘:
 
Der sonnige Sohn ist letztlicher Sieger,
Strahlenschwerter schwingende Krieger.
Drei meint den jungen Gott Ingo-Fro,
er brennt in der Neun schon lichterloh.
Da ist er zum Helden gewachsen, - gereift,
der mit glühender Faust den Unhold ergreift.
Der Sonnenheld rang zur Rüste und Ruh‘
den Reifriesen „gegen den Sommer zu“,
„at sumri“, - wenn der Winter schließt,
hat einstens das Siegfest den Sommer begrüßt.
 
In alter Zeit hielt man drei Hauptgelage,
so erzählt die Ynglinga- und Olaf-Sage:
Ein Gastmahl, bevor der Winter begann,
den Julschmaus zur Mitte des Winters dann,
das Siegfest, die dritte Jahres-Gastei,
naht‘ mit dem fünften Neumond herbei.
Im Ideal-Jahr lag der Mitte „Ostermond“,
so waren die Ahnen zu feiern gewohnt.
 
Als die Art-Religionen zurückgedrängt,
wurde „Ostern“ das Siegemahl angehängt;
den neuen Glauben musste man loben,
drum wurde das Fest auf „Ostern“ verschoben.
Doch ward es nur wenig umgeschrieben,
das Osterfest ist ja ein Siegfest geblieben.
Des Himmelsvaters Tiu sonniger Sohn
erlöste die Welt aus finsterer Fron.
Nur Fro, den Herrn, so nannten die Alten
den Erlöser mit seinen Segensgewalten.
Die höllischen Mächte sind überwunden,
nun liegt der Lügengeist Loke gebunden.
 
Malerei von Prof. Wilhelm Petersen
 
Aus dem Liede von Helgi, dem heiligen Helden,
vermögen die folgenden Strophen zu melden,
wie Worte und Weisen einstmals erklangen,
wie alte Gesänge den Lichtsieg besangen:
 
Heil dir, du Fürst, deiner Kräfte sei froh,
Du erlegtest den Unhold, der nimmer floh.
Du errangest das Recht, gewaltiger Recke,
Brachtest den mächtigen Mörder zur Strecke.
Der letztliche Sieg ist dein trauter Genoss,
Du Erscheinung des Lichtes, du Ingwi-Spross.
Der wonnesame Weltkreis, er fiel dir zu,
Erfreu‘ dich des Sieges in seliger Ruh‘.
Die Schätze sind dein und die beste Maid,
Das Reich ist errungen, es ruht der Streit.
 
Lichtsohnes Symbole sind Rad und Strahl,-.
er geistert im festlichen Feuer-Fanal
und im Sonnenbild und im Widerzirbel,
in der Doppelspirale und im Sonnenwirbel;
Wahrzeichen des Lichtes und seiner Wellen,
flinkfüßig eilenden, saeligen, schnellen.
 
Der Heilsweg der Sonne, uralt und vertraut,
in Stein- und in Bronzezeiten erschaut.
Die .strebenden Ringe, wie sie sich winden,
auf redenden Felsen und Fibeln zu finden.
Noch Geleit-Amulette, - späte, sakrale,
Vereinten Gott Fro mit der Doppelspirale.
Die ließ selbst der „neue Spott“ unversehrt,
den „neuen Gott“ hat man gerad‘so geehrt.
 
Wenn sonniger Lichtgeist zum Siegfest siegt,
dem stierstarken Heiland der Tod erliegt,
die Siegfeuerflammen erwachten und springen,
die Osterlieder zur Feier gelingen,
dann soll auch im Brande verzehrender Glut
der Böse verbrennen, - das Haupt seiner Brut;
der „alte Jötun“, der „große Fresser“,
der völker- und länderverzehrende Presser,
die kalte Schlange, der würgende Drache;
jetzt nehmen die Menschen sinnbildlich Rache,
den „bösen Jäger“ vom Jahrgang zu trennen,
im „Winterriesen-“, im „Ostermannbrennen“.
 
Der Neuglaube machte aus „Jötun“ den „Juden“,
den hieß er veräschern zu Grus und zu Gruden,
der hätte der Wahrheit den Kampf angesagt,
den „dürstenden Heiland vom Flusse gejagt“.
Hinter der „Judas-Maske“ doch schielt hervor
der Troll, der Thurse, der arge Tor.
Wir wissen den wahren Gottesverächter
und schließen „fro“-selig mit „Ostergelächter“.

 

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