13. RUNE jeran - Jahr/Zeit (Chronos-Mythologem)

Bronzezeitliches Leben im Sommer

 

ZEITRAUM DER RUNE

 
Das natürliche JAHR ist zweigeteilt,
von der ewig kreisenden Sonne durcheilt.
Der Jahr-Rune klares Kalenderzeichen
hilft, den Kalender der Runen zu eichen.
Denn es ward das nordische Jahr geteilt,
wenn die Sonne in ihren Wenden weilt.
 
Jahr, - das heißt „gehen“, heißt „Sonnenlauf“,
Licht steigt aus nächtigem Dunkel herauf.
Der Sonnen-Stillstand zur Winterwende
ist Wanderung des Lichtes Anfang und Ende.
Das Jahr beginnt so verschwiegen, so sacht,
mit der stillen, hochheiligen Mütternacht,
zur Winterwende, zur Schwarzmondzeit,
in tiefer, fast trostloser Dunkelheit.
Die Sonne geht ihren sicheren Gang,
den Nordberg besteigt sie sechs Monde lang.
Sie erreicht den Gipfel, den steilsten Stand,
wo ihr Sieglauf Erfüllung und Spitze fand.
Dort oben, auf tirmigem Tanzplatz der Sonne,
ringt sie den Reigen der Sommerwonne.
Im hohen Norden, im Heiligen Thule
blüht sie im Brande als liebender Buhle.
Das Land lacht unter Lichtkaskaden,
die Gerda darf im Glanzmeer baden.
Es bersten die Tage im blendenden Schein,
sie springen weit in die Nächte hinein.
Die Brände prangen, die Sippen singen,
verliebte Pärchen durch Flammen springen.
Auf Zinnen brennende Zeichen ohn‘ Zahl,
funkende Räder fauchen zu Tal.
Glühende Scheiben werden geschwungen,
so gilt die Sommerwende gelungen.
Die Zeit wird ein einziger großer Tag,
den das fürstliche Feuer zu füllen vermag.
Das himmlische Licht will sich verschwenden,
bald muss es sich wenden.
 
Dann spiralt sich die Sonne wieder hinab
auf dem wirsigen Weg ins Wintergrab.
Die Tage schrumpfen und werden klein,
schon wachsen die Schatten im scheelen Schein.
 
Bis zur Weihe-Wende im neuen Jol,
sind die sechs Monde des Abstiegs voll.
Das Radwende-Julfest ist so gedacht
von der Mutternacht bis zur „Hakennacht“.
 
Mit der „hokunott“, der erkennbaren Kehre,
dass nach ihr beginnend das Licht sich mehre,
kreisten Minnehörner im Friedenswunsch
wie noch heute beim nächtlichen Neujahrspunsch.
So wandert die Sonne im Zeitenlauf,
zwei Richtungen rollt sie, hinab und hinauf.
 
Wohl weisende Teile des älteren Veda
belehren uns so, wie die Lieder der Edda:
Zwei urgroße, gleichgroße Gottesgeschlechter
walten als würdige Welten-Wächter.
Es sind die Devas, die Tageslichtwesen,
eddisch als weiße Wanen zu lesen,
und die Asuras, die Ahnen, die hehren,
als Asen will sie der Norden verehren.
 
Im Iran wurden die Devas Dämonen,
die Inder wollten Asuras nicht schonen,
allein die Germanen erhielten sich ganz
der Götterkreise Vereinten Glanz.
 
Prajapatis, des Urvaters, Schöpfungsruf,
mit dem er das Hell und das Dunkel schuf,
Wies, dass der ewige Pendelschlag werde,
Devas die Höhe, Asuras die Erde.
 
Die beiden Prinzipien liegen im Ringen,
der Lebensring kann nur gemeinsam gelingen.
Wer eine göttliche Seite missachtet,
hat die große Ganzheit nicht recht betrachtet.
 
Asen und Wanen, sie kreisen im Krieg,
aus Niederlagen neigt sich der Sieg.
Aus Siegen steigen die Niederlagen,
das ist ureinst-ewiges Sich-Vertragen.
 
Den „Götterweg“ steigender Sonnenbogen,
den kommen die Devas, die Wanen, gezogen,
ihr Ziel sind im Norden die Götterthrone
unter hoher, erhabener Himmelskrone.
 
Die Richtung tagtäglicher Lichtabnahmen
gilt als „Väterweg“ der Ahnen, der Manen.
Die streben zur jährlichen Mitternacht,
dann gelangen die Geister zur meisten Macht.
Wer da ungläubig nach ihrem Treiben fragt,
dem zeigt sich zu Zeiten die „Wilde Jagd“.
 
Dreizehn, das klingt wie ein Glockenschlag,
der den jubelnden Aufstieg bekrönen mag.
Doch ein Gipfel, - der Laufbahn letzter Tritt,
ist auch des Abstieges erster Schritt.
 
Jener Zahl ist Zweideutigkeit zu eigen,
wie die zerspaltenen Meinungen zeigen.
Den weisen Lao-tse wollen wir hören,
das „Wissen vom Weg“ will sein Wort uns mehren:
 
„Dreizehn sind die Lebensbegleiter,
und dreizehn auch sind die Todesbereiter.“
Ist die Dreizehn die Eins für den Weg hinab,
wird die Eins zum dreizehnten Runenstab.
 
Dreizehn Schritte zum Glück und dreizehn zur Not,
so windet der Kranz sich von Leben und Tod.
Zusammen sechsundzwanzig oder auch acht, -
da ist Gott-Vater hineingedacht.
 
Dreizehn und dreizehn wie Ebbe und Flut;
Gott, den Schöpfer, zeichnet die Zwei so gut.
In der Acht, und wenn auch zufällig nur,
erkennen wir Gottes unendliche Spur.
 
Wer die Runen reiht zum Jahreskreis,
so dass er die Gegensatzpaare weiß,
beider Seiten gleichen Sonnenstand wählt
und die zwei Zeichen zusammenzählt,
erzielt stets sechsundzwanzig, acht und zwei;
der zweieinige Gott ist immer dabei.
 
Urweisen Überlieferungen
ist das Wissen des Tarot entsprungen.
Der dreizehnten Karte Tradition
meint Umwandlung, Scheidung und Depression,
Vergehen und Änderung der Gestalt,
das Abscheiden in die Todesgewalt.
 
Doch es verändert sich nur die Form,
Neugeburt gehört zur natürlichen Norm.
Tarot und Runen im stimmigen Sinn, -
weist das auf Urverwandtschaft hin ?
 
Ist der Name Tarot von Thot abgeleitet,
dem Gott, der zu Hermes-Merkur sich weitet’,
der von hoher hellenistischer Art,
der als „Trismegistos“ verherrlicht ward ?
 
Thot-Theut und Hermes sind Schrifterfinder
wie Wodan-Odin, der Runenverkünder.
Rührt das Tarot aus der Runenquelle ?
Es wallet auf gleicher wispelnder Welle.
 
Jano heißt Gang, Janus heißt Gänger,
der das Jahrestor öffnende abstrakte Anfänger,
die gedachte Gestalt der zweiköpfigen Zeit,
die zwischen Zukunft steht und Vergangenheit.
 
Zwei wechselnde Wege weisen das Jahr,
doch vier Stationen sind sonnenklar.
Schon als frühzeitliche Zeiten-Zeichen
galten die -Wenden und Sonnen-Gleichen.
 
Die Lichtperioden sind leicht zu erpeilen,
zu lesen die göttlichen Sonnenzeilen.
Vier Teile das Jahresrund tragen und trennen,
auch die Dreigliederung ist zu erkennen:
 
Der freie Mensch erfährt drei feste Fristen,
die ihn in jedem Jahrlauf grüßten.
Es war das „alte Jahr“ so eingerichtet,
wie es schon der Rigveda uns berichtet‘.
 
Drei Spannen von acht Runenstäben
sind nordischem Jahrweiser eingegeben.
Die Phase mit dem sich längenden Licht,
die vom ersten Sprießen und Sprossen spricht,
ihren füllenden Lauf vollendet sie ganz
mit der Rune des Tyr, dem Himmelsglanz.
 
Die linde, leuchtende Sommerlänge
herrscht bis zur heißen, verhagelten Strenge.
Eine dritte Dauer im Kalenderdenken
soll die Sinne auf Abschied und Abend lenken.
 
Zieht sich der Zeitlauf verscheidend zurück,
beschert er der Ernte und Schlachtzeit Glück.
Es mündet der Jahrgang in Menge und Mast,
in gemehrten Besitzmales ruhiger Rast.
 
Auch Griechen verglichen die Jahresteilung
mit möglicher menschlicher Zeitdurcheilung:
Das Leben verläuft in drei Alterslängen,
in der Reihenfolge von Reife-Rängen.
 
Jährlicher Lichtsieg gleicht jauchzender Jugend,
tüchtiges Steigen ist tauglichste Tugend.
Der Sommer ist wie ein Erwachsensein
im sicheren, Segen-schaffenden Schein.
Und schwindet die Sonne geschwächt hinab,
so gleicht sie dem siechen Greis am Stab.
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