21. RUNE asa - Ase/Wodin/Odin (der Heilige Ahnen-Geist)

 

Wodin auf seinem Thron Hliđskialf/ Lidskialf („Schelf des Mitgefühls“)
 
Ostgermanische Leichenverbrennung mit Hausurne
 
 
ZEITRAUM DER RUNE 
 
 
Rollt der „Runen-Wagen“ den Weg hinab,
steht der folgende ASE schon im „Grab“
Im „Grab“, das heißt in der anderen Welt,
für die uns der fähige Ausdruck fehlt.
 
Die Welt des Geistes und der Geister
dort ist der Ase Herr und Meister.
Er, des Geistes Selbst, der Geist an sich,
wie Gott Vater, Gott Sohn, ist er ewiglich.
 
Der begeisternde göttliche Gottesgeist,
der die Seher, Dichter und Denker speist,
durchflutet die feinste Faser im All,
ein ewig kreisender gottgeistiger Schwall.
 
Und wo er eindringt, erwacht das Leben,
und wo er weicht, da muss es entschweben.
So ist er ein Geber und auch ein Nehmer,
nie nur ein Bequemer und Angenehmer.
 
So zwiefach geleibt der Vater erscheint,
so ist auch sein Gottesgeist zweigeeint.
Für schlichte Gemüter leiblich umschalt,
wurde Gottes Gedanke als „Bote“ gemalt.
 
Mit Flügelschuhen, rasch wie der Wind,
hob er aus dem Hades das Seelenkind.
Und geleitet‘ verlebte Seelen zur Ruh‘, -
er öffnet‘ die Augen und zaubert‘ sie zu.
 
Den Zwieselstab trug er in seiner Hand,
Caduceus haben ihn Griechen genannt.
Des Zwiesels Enden waren verschlungen;
Leben und Tod sind zusammengezwungen.
 
Am Stab des geistigen „Gottesboten“
schlingt sich der einende Gottesknoten;
auch stellt ein Ottern-, ein Ormenpaar,
die hohe, zweieinige Ordnung dar.
 
Geist-Seele selbst ist der Seelenbegleiter,
der Psychopompos, - der Wegebereiter.
Weltgeist und Weltseele sind wesensgleich,
nicht jegliches Leben ist geistesreich;
 
doch aber hat Weisheit, Wissen und Witz
allein im Lebendigen seinen Sitz.
Die geistige Gotteskraft ist vollkommen,
alle Lebenskraft ist von ihr entnommen.
 
Wir tragen doch träumend oder bewusst
den göttlichen Funken in unserer Brust.
Manche Menschenlichter sind leise und lütt,
erglommen bei Gottes flüchtigem Schritt;
 
manche Feuer flackern zum Himmelsgestade
als Flammenzeichen der göttlichen Gnade.
Die Funken aus Gottes glühendem Strome
sind wirbelnde, wandernde Feueratome,
 
sind Sonnenstäubchen und Flammenflocken,
goldglänzende, flutende Gotteslocken.
Ist der einen Anteil auch michelmächtig,
der anderen Anteil mager und schmächtig,
 
einmal ruft sie der ASE zu sich zurück,
zur hohen Heimat ins göttliche Glück.
 
Germanen im Abwehrkampf gegen die römische Invasion
 
Wer er ist ihm gleich, - wer ist wie Gott ?
Der mächtige Michel ahndet den Spott.
„Mikil“ der Michel, der „Mächtige“ heißt,
den unser Volk seinen Geist-Gott preist.
 
Er ist der große Gigantenbezwinger,
das geistige Licht, der ewige Ringer
gegen den Stoff und die Finsternis,
der endliche Sieg ist ihm sicher gewiss.
 
Er ist des Lichtes tief innerste Mitte,
die göttliche Ordnung, - die rechte Sitte.
Jeder‘ helle, heile, göttliche Funken,
der nicht im Sumpf der Materie ertrunken,
 
der zurück sich zum hohen Zentrum hebt,
flammengleich sehnend nach oben strebt,
die sind des MICHELS Männin und Mann,
die zieht er zu sich in die Höhe hinan.
 
Das sind seine Kinder, die heimgefunden,
die haben den Stoff im Streit überwunden.
Es sind Seelen, die schon im Stoffe waren,
im Kampf mit dem Widersacher erfahren;
 
sie, die Erwählten, als rechte erkannten,
die sind des Geistgottes treue Trabanten;
die Haupt- und Vorkämpfer für den Geist,
die Einzigen, die man Einherier heißt.
 
Seine weiblichen Helfer, die Walküren,
wollen die heldischen Geister hinführen.
Er sammelt die Guten zum Heiligen Heer
der hohen Wahrheit zur schirmenden Wehr.
 
Denn zu jeder Stunde, an jedem Ort,
ringt Geist mit Materie fort und fort.
Und einstens, wenn es den Bösen gelüstet,
er rasende Rotten zum Sturme rüstet,
 
auf hohe Ordnung und lichtes Recht,
dann stehen die Geister im Letzten Gefecht.
Dem Gott-Gebieter der glänzenden Scharen,
die mit seinem Segen zu Felde fahren,
 
dem wollten die wandernden Völker Vertrauen,
auf seine Siegekraft mochten sie bauen.
Es führten sein Abbild zu Ruhm und Ehre
die Reichssturmbanner deutscher Heere.
 
Am Lechfelde siegte sein Speer und Bild,
da wurde die Wut der Steppe gestillt.
Es wehrt und waltet mit eiserner Sichel,
der Geist der Ordnung, der „Deutsche Michel“.
 
Feind sind ihm alle heillosen Horden,
der Gottgeist ist zum Volksgeist geworden.
Der Geist der Dichter und der Denker,
faustischer Sucher und ordnender Lenker;
 
jener steuernde Weiser im Weltenschiff,
der ist uns‘res Volkes Wesensbegriff.
Die alten Annalen, sie können berichten,
die Ahnen gedachten nie zu Verzichten,
 
das Fest ihres Gottes treulich zu halten,
so wollten sie den Kalender gestalten.
Der „Mychilesdag“ ist es, der Michelstag,
den belegten die Alten mit ihrem Beschlag.
 
Michel heißt „der Große“, nie war es geheim,
doch die Fälscher suchten sich neuen Reim.
Der schwarzen Spinne geifernder Mund
tut lästernde Lügen noch heute kund:
Unser Michel, der teuerste geistige Hort,
sei allein eines fremden Volkes Wort.
 
Der michelige MICHEL trägt viele Namen
in seinem rätselumspannenden Rahmen.
Als Geistgott und Herr aller Wissenschaft
ist sein Gastgeschenk die Gedankenkraft.
 
Er ist Erfinder von Schrift und Symbol,
als Ur-Arzt tut er den Kranken wohl.
Ein Anwalt ist er, mit rascher Zunge,
das begeisternde Feuer im Redeschwunge,
wägende Weisheit und forschende Gier;
er ist kluges Taktieren im Geistesturnier,
Erkenntnis, Verstand und Findigkeit,
besonnenes Urteil und rechter Bescheid.
Die Griechen ehrten den Hermes schon,
Großer Nebo war sein Name in Babylon.
 
Teutates und Lug benannten ihn Kelten,
als Theut ließen ihn die Ägypter gelten.
Uns‘re Ahnen doch fühlten sich angetan
vom michelmächt‘gen Herrn Godan-Wodan.
 
Der hellenistischen Welt galt einer groß,
der hehre Hermes, der „Trismegistos“,
„Dreimalgrößter“ - gottgeistiger Riese,
strahlendster Glanz auf der Himmeiswiese.
 
Doch seine Kraft galt als geistiges Licht;
mit Körperaugen sieht man sie nicht.
Sein Seelenstern scheint eher unscheinbar,
doch kein Planet ist der Sonne so nah.
 
Und keiner läuft so flink, so schnell,
da zeigt sich sein geistiges Naturell.
Als des Großen Gottes astraler Gruß
schien gläubigen Grüblern Mercurius.
 
Der Geist des Merkurs, der Weltverstand,
der wurde von denen als Teufel benannt,
die Krieg gegen weltliche Künste kürten,
das blökende Schaf im Schilde führten,
 
zwischen Bücherrollen die Brände warfen,
Tempel zerschlugen und heilige Harfen,
die sämtliche Wissenschaften verhöhnten,
ein einziges Buch zum Tyrannen krönten.
 
Die taten von Anfang an sich verbürgen,
Freiheit des Denkens und Dichtens zu würgen.
Geist hatten die hinter Gitter gesperrt,
die Weltvernunft unter die Folter gezerrt;
 
die Bildung sollte im Blute ersaufen,
gegen Schönheit brannten die Scheiterhaufen.
Wer wollte dies ganze Grauen beschreiben,
dies trostlose Toben, - traurige Treiben
 
jener meuchelnden Menschheitsentrechtung,
gigantischster Geister- und Seelenknechtung
Für die Ahnen begann dieser arge Gang
mit eines zerstörenden Wortes Zwang:
 
„Entsage dem Wodan und seinen Gesellen !“
Daran sollt‘ der eigene Geist zerschellen.
Per Gesetz war Geist zum Dämon geworden,
da begann das andauernde Seelenmorden.
 
Ein Zerrbild des Wodan wurde gezeigt,
vor dem hätten sich uns‘re Eltern verneigt.
Wie sehr mussten jene den Geistgott hassen,
nicht mal den Wochentag wollt‘ man ihm lassen.
 
Gottes Namen durfte keiner mehr kennen,
die Menschen mussten ihn anders benennen.
Doch wollten sie Wodans Bild bewahren:
lauterer Leiter der Lichtkämpferscharen,
 
schützender Herrgott und Toten-Begleiter,
Seelenumsorger und Wahrheits-Streiter,
wägender Richter im Jenseits-Schein,
da musste halt all‘ dies der „Michel“ sein.
 
Die Regierungen selbst hatten Gott verboten,
Gesetze bei Strafe des Todes drohten.
Verfemt standen nun vertraute Gestalten,
die Müttern und Vätern einst heilig galten.
 
Durch Dekrete neu wurden Götter diktiert;
der Mensch hat die alten hineinprojiziert.
Das einfache Volk, - von den Herren verachtet,
hat unbeirrt seine Gottheit betrachtet.
 
Es hat sich geduckt und hat sich gebogen
unter Strafgewittern und eisernen Wogen;
doch nie kamen geistige Bilder abhanden,
die tief im Blut und in Seele standen.
 
Auch des Geist-Gottes geliebteste Jünger,
dumpfer Materie Durchdringer, - Bezwinger,
die geschwinden Geister inallen Gassen“,
die mochten von ihrem Meister nicht lassen,
 
die sinnenden Seher, die klügelnden Klugen,
die Gott und die wirsige Welt befrugen,
die findigen Forscher, dichtenden Denker,
die ehrten ihren Erkenntnisse-Schenker.
 
Für sie blieb er aller Weisheiten Quell,
ihnen machte er dunkelste Worte hell;
wenn nach oberster Offenbarung sie riefen,
aus „Tabula smaragdinas“ tröstlichen Tiefen;
 
und die allen Grenzen des Geistes fluchten,
die nach demSteine der Weisen“ suchten,
die der Gestirne Gewalten erklärten,
die da folgten den heiligen Himmelsfährten,
 
die die Wahrheit in breiter Lehre vermissten,
all‘ die  philosophierenden Alchimisten
sowie die alchemistischen Philosophen,
die Geheimnissucher, - die Theosophen, -
 
denen galt dieser Geistgott zu jeder Zeit
als der Vater der großen Vollkommenheit,
als „Wesenskern“, als „quinta essentia“,
als „anima mundi“ und „prima materia“.
 
Er schien im Herz der Atome zu schwingen
als geistiges Wesen von sämtlichen Dingen.
Einen Stoff schien er besonders zu lenken,
sein Urprinzip deutlichst hineinzuversenken;
 
das lebendige Silber, von Merkur bewegt,
hell glänzend rinnt es, von innen erregt.
Er, der weitschaffende, -erhaltende Geist,
den man Hermes, Thot oder Woden heißt,
war gewiss, so können wir sicher ermessen,
trotz Glaubensumbruch niemals vergessen.
 
Der gebende Gott der geistigen Gift,
schierer Schenker von Sprache und Schrift,
der Dichtergewalt und Tonkunst bringt,
der die Zeilen der Zauberzeichen singt,
der die Zeitrechnung in das Denken zog,
der religiöse Riten und Regeln erwog,
der seinen Jüngern das Heilkönnen heißt,
der die Weisheiten dreier Welten weist,
der die Sternen- und Zahlenkunde lehrte,
den Meistern das Maß des Wissens mehrte,
nur dieser Geist galt als Gott der Goden,
er bildete ihres Wirkreiches Boden;
denn die geistig-geistliche Wissenschaft
ist Versenkung in seine Gotteskraft.
 
Der Pythagoras galt als des Hermes Kind,
wie die Geistvollen Kinder des Geistes sind.
Vom Geist des Nordens ließ er sich lehren,
in ihm dürfen Eigenes wir verehren.
 
Auch den Runenmeister hob heilige Huld,
er war in den Künsten des Gottes geschult.
Das bezeugt jeder Zoll seiner Zahlenlehre,
denn „Einundzwanzig“ heißt „höchste Ehre“.
Das versichert uns auch seine Astrologie,
die er der Schule des Hermes entlieh.
 
Einundzwanzig, - welch klassischer Klang,
vollendeter Reife volltönender Sang.
Wenn hebend der stoffliche Leib überwunden,
ist der reife Gipfel des Geistes gefunden.
 
Einundzwanzig Sternbilder zieren die Zone,
des nördlichen Himmels geheiligte Krone.
So werden einundzwanzig Tore es sein,
die in Jenseits-Gefilde führen hinein.
 
Hochheilige Bücher der hohen Brahmanen
umhegten die höchsten Gedankenbahnen.
Nichts Feineres wurde doch jemals besessen,
was wollte sich wohl mit den Veden messen ?
 
Das volle alt-arische Gottesgedenken
weiß linde gottsuchende Seelen zu lenken.
Der Rigveda, das redlich gereimte Wissen,
rätlichster, reichlichster Leckerbissen;
seine köstlichen Kenntnisse auf zuspulen,
bedarf es der einundzwanzig Veda-Schulen.
 
Einundzwanzig, - Ziffer der Vollendung,
sie selbst ist Heilsgewissheit und Sendung.
Das Avesta gibt heiligstes Wissen kund,
das Wort bedeutet „Bestimmung“ und „Grund“
der arisch-iranischen Gottesverbindung,
Bewahrer geweihter Weisheitsfindung.
 
Einundzwanzig Sträuße“ zusammengebunden,
so hat man die Heilige Schrift gefunden.
Der Ohrmazd sang gegen Satanas Pforten
ein Gebet von einundzwanzig Worten;
das sagte dem Bösen den ewigen Krieg,
das kündet‘ dem Stoffe des Geistes Sieg.
 
Des Mithras Mysten strebten zu meistern
die Himmelsauffahrt zu Göttern und Geistern;
erklommen sie Lichtreiches Flammenstufen,
des Feuerherrn Namen mussten sie rufen.
Wer da wusste die einundzwanzig Worte,
dem ward geöffnet die letzte Pforte !
 
Die Karte Einundzwanzig im Tarot,
den Orakelblättern des Hermes-Thot,
ist ja Gipfel der großen Arkana gewiss,
die Reifestufe vollkomm‘ner Erkenntnis,
ein Mandal-Motiv zeigt sie, - ein Ursymbol
des Spannungsausgleiches von Pol zu Pol,
psychischer Ganzheit, - der Weltenseele,
ein Sein, frei vom Stoffe, so ohne Fehle.
 
Geistige Spannung ist in Gott überwunden,
die hat im All-Geiste Ruhe gefunden.
Die Karte „Welt“ fasst das Geistig-Ganze,
strahlt, wie die Rune, aus gleichem Glanze.
 
Zucht und Ziel allen steilen Strebens
ist geistiges Licht und Licht des Lebens.
Das geistige Leben, - der Lebensgeist,
ist mit dem Gotte des Geistes verschweißt.
 
Dieser Merkur-Hermes, der „Dreimalgrößte“,
der die letzten, heiligsten Fragen löste,
erschien als von Äther- und Feuernatur;
sein Feuer belebt jede Kreatur.
 
Die Ahnen schauten mit sichtbaren Flammen
ein Abbild der geistigen Kräfte zusammen.
Sie sahen im stoff-verzehrenden Reinen
den heiß auffahrenden Geist erscheinen.
 
Das Heilige Feuer des Heiligen Geistes,
den Urzeiten galt es als Agni, - so heißt es
in würdigen, firnen Schriften der Veden,
wenn sie vom heiligen Geistfeuer reden.
 
Agni, der göttliche Geist in den Wesen,
im Feuer vermag er vom Stoffe genesen;
er flackert sich frei aus grober Verbindung
in feuergeistiger Selbst -Wiederfindung.
 
In jedem Holzscheit ist Agni versteckt,
lebt sein verborgenes „rupa“ verdeckt.
Sein eigenes Urwesen hebt sich an’s Licht,
wenn Feuer zum menschlichen Auge spricht.
 
Er will sich in einer Zahl verwahren,
aus der Einundzwanzig sich offenbaren.
Einundzwanzig Brennhölzer zu bereiten
für die gottesdienstlichen Opferzeiten,
war Brahmanen-Regel im Ritus-Verlauf;
aus der Einundzwanzig steht Agni auf !
 
Um den Feuergeist Agni zu verstehen,
sollten wir die Upanishaden besehen:
Die Heiligen Schriften haben gelehrt,
Einundzwanzig sei auch das Sonnenpferd.
 
Agni ist der Blitz und der Ziegenbock,
ein einziger Feuer-Blitz-Sonnen-Block.
So zeigt sich Gottesgeist glänzend geheuer
als drei mal-sichtbares Weltenfeuer.
 
Verbreitete Lehre war‘s wohl ohne Fragen,
Herakleitos schon wusste das gleiche zu sagen.
Deshalb ist Gott als polare „Zwei“,
als „tricephale Schlange“ auch die „Drei“.
 
Es tragen zusammen gleich hohen Gehalt
die Agni-, Thot-Hermes- und Merkur-Gestalt.
Diesen Geist auf germanischem Boden
nannte man Woden.
 
„Drei“ ist die Sonne, ist Geist und Erlöser,
die „Sieben“ ist um die Materie größer.
Mit Einundzwanzig, - vergeistigter „Sieben“,
wird das vergeistigte All beschrieben.
 
Diese „Drei“ ist das hohe, geistige Licht,
das den Lebensbaum zu erhalten verspricht.
Geist ist sie und vergeistigter Stoff,
und scheinen die Gegensätze auch schroff,
geläuterter Geist von Materie und Form,
mit dem Ideen-Geist, erbringt jene Norm
des Allgeist-Gottes, dem Kosmosgeschick,
der Einundzwanzig Gesetz und Glück.
 
Nach dieser Erkenntnislehre der Zahl
bleibt dem Welt-Erklärer wohl wenig Wahl.
Dann darf der Allgeist niemals allein
einzig ausschließlich männlich nur sein.
 
Da wär‘ folgerichtig nach Denkgesetzen
auch Hermes-Merkur so einzuschätzen,
dass er Männliches-Weibliches in sich trug,
ideengeschichtlich ein glaubhafter Zug.
 
Er ist göttlich, unfassbar und auserlesen,
ein widersinnig scheinendes Doppelwesen:
Als männliche Jungfrau, - „Virgo-Mercurius“,
als Logos und Sophia, - „igneus spiritus“,
als Doppelkopf tragender „Mercur-Drache“,
als Hermaphrodit, - Rebis der Zwieselfache,
so erkannten ihn Gnosis wie Alchemie,
die verschiedenen Formen der Theosophie.
 
Auch Wodan, im eddischen Mythenbereich,
galt zur Urzeit den „Weibern an Wesen gleich“.
 
Einundzwanzig ist drei und doch auch mehr,
die vergeistigte Sonne, - so ungefähr;
und dies ist genau Vayu - Woden, der Wind,
wie er durch Weltall und Lungen rinnt.
 
Des Geistgottes Namen im alten Norden,
aus dem Wort für „Seelenerreger“ geworden;
Woden - Odr-Odin leitet sich ab von „Wut“,
der Seelenerregung, der ekstatischen Glut.
 
Sie geleitet in. die „unio mystica“
und bringt uns die „Sucher der Gottheit“ nah.
Der Hermetismus wollt‘ darauf vertrauen,
im heiligen Rausche die Gottheit zu schauen
Doch wird ja vom heutigen Sprachverstand
dieses Wort „Wut“ nicht mehr recht erkannt.
 
Erforderlich wird jenes Wortes Tausch:
„Wodan“ heißt „Weihender-Wonne-Rausch“.
Mit Wili und We ist Wodan die „Drei“,
da ist Wille, Weihe wie Wonne dabei.
 
Dieser Hohe, Gleichhohe und Dritte war
ein einziger = „Thridi, Jafnhar und Har“.
Das war Wodans hohe Drei-Einigkeit,
ein Erbe aus uralt-aryanischer Zeit:
 
Atman, der Weltgeist, ein Reiner, ein Feiner,
mit Surya und Agni ist er nur Einer.
Und der, der in Sonne und Feuer weilt,
seine Kraft auch Hirnen und Herzen erteilt.
 
Die Seelen kann Wodan vergeben, - bewegen,
sein Dichtermet „Odrörir“ mag sie erregen.
Dichtermet bringet die Seelen zum Wallen,
als „Odrörir“ will Odin selbst sich gefallen.
 
„Od-“ ist Seele, Sinn, Dichtung und Denken,
dies soll uns Wodan, der Od-in, schenken.
Er sendet‘s mit „ond“, dem Atem-wind,
in dem die Seelen-Kräfte enthalten sind.
 
Denn Welt-Geist, Geist-Sonne sind zu verstehen
im Brausen des Sturmes, im Windeswehen.
Die Seele gleicht sicher dem zarten Hauch;
ein feuriger Funken, das ist sie auch.
 
Scheinen hier Widersprüche zu nagen ?
wir müssen die heiligen Schriften befragen:
Nur wer den Veda kennt, versteht Wodan,
den Vayu erklärt er als großes Brahman;
er ist „Atem der Welten“, er ist Atman.
 
„Ode“ ist Dichtung, - „Odeur“ ist der Duft,
„Od“ heißt Geruch, - „Odem“ ist Atemluft;
„atam-atum-Atem, anima-animus, andi-ond“
sind Begriffe auf „ähn“-lichem Horizont,
wie spiritus, Seele, wie Lebenshauch,
die Altinder nannten es „Atman“ auch.
 
Wodan-Odin, Weltseele und Weltengeist
als Duft, als Windhauch im Kosmos kreist.
Wer spricht hier von „Naturgrundlagen“,
für Wodan muss dieser Begriff versagen.
 
Er ist die Zeit und ihr strenges Steuer,
er ist geistiges Licht und ist Lebensfeuer,
er ist der Seelenmond und der Sonnensinn,
herrscht als Kosmos-König und -Königin;
er ist der Rote Faden im Labyrinth,
er ist in allem, - der untilgbare Wind.
 
Die Welt ist ein waltender Gottesleib,
darin hat Weltseele als Windhauch Verbleib.
So hat Anaximenes schon Gott eingestuft,
für Wissende war Zeus-Ziu die „Luft“.
 
Jedes Kind zieht die herrliche Welt-Vernunft
in den Körper hinein nach der Niederkunft
und hat seinen göttlichen Anteil damit, -
so lehrte es einstmals schon Heraklit.
Doch lange vorher war‘s heiliges Ahnen
in der Lehre von Brahman der Brahmanen:
 
Geist ist sein Stoff, Licht seine Gestalt,
sein Selbst ist Dauer, Leben seine Gewalt.
Das Brahman ist innerstes „Gottesding“,
es gleicht dem Berg und dem Schmetterling;
es ist Agni-Feuer, es ist Prana-Odem,
es ist Atman-Seele, es ist Gottes-Brodem.
 
Wenn Erscheinungen sämtlich vergangen sind,
dann geht Gott Brahman ein in den Wind.
Da Agni erlischt, wohin wird er treiben,
da Sonne sinkt, wo wird sie verbleiben,
da Mondlicht stirbt, was wird es erleiden,
da Menschen gehen, wohin sollen sie scheiden ?
All‘ das was ist, einmal muss es vergehen,
dann geht es hinein in das Windeswehen !
Das Vergangene mag im Winde hausen,
es strebt zurück in das Sturmesbrausen.
Nur der Wind weiß immer die rechte Furt
zur ewigen Ruhe und zur Wiedergeburt.
 
Die Weisheitsiehren der Upanishaden,
die wollen wir wieder zu Rate laden,
sie werden es wissen, wie Wodan war,
sie sagen uns Gottes Wesenheit wahr:
 
Sie verehrten Agni, den Flammengeist,
den germanisches Volk als den Ingvi preist.
Agni-Ingvi kann sichtbar erscheinen
im lichten Lohen, im leuchtenden Reinen;
 
im Feuer, in Sonne und Geistesflammen,
was immer brennet, muss Ingvi entstammen.
Und wenn da verweht sein Schimmerschein,
webt er in Vayu den Wind sich hinein.
So ist aus der Weise im Windesrauschen
der Allgesang Gottes herauszulauschen.
 
Er ist Gott, - und sonst ist keiner,
Vata, Vayu, Vai und Wotan sind Einer.
Als Varunas Selbst galt er im Veden-Reich,
die Magier setzten ihn Zurvan gleich.
 
Er ist himmlischen Vaters eigenes Ich,
für den göttlichen Geist ist er wesentlich.
Im kosmischen Gottesleib wallet der Wind,
wie Seele und Atem im Menschen sind.
 
Dann ist also Wodan des Donars Sinn,
dann steht nur Wodan in allem Beginn.
Doch welcher tiefe, einsichtige Rater
verstünde getrennten Geist von Gottvater ?!
 
Von Gott und Mensch ist Wodan die Seele,
als Atem fließt er durch Lunge und Kehle,
als Atem des Kosmos kreist er im All,
ein unendlich pendelnder Widerhall.
 
Er atmet herein, und er atmet hinaus
in lindern Säuseln, - mit wildem Gebraus‘.
Er selbst ist der Faden, der Fühlung hält
zwischen dieser und jener höheren Welt.
 
Er ist der Pfeiler, der beide verbindet
und damit das irdische Leben begründet.
Der arische Geistgott ward lange gelobt,
von Gläubigen auf seine Kraft erprobt.
 
Sein Abbild mochte in tausenden Jahren
kaum eine Veränderung mehr erfahren:
Schon Vata war Bringer der Fruchtbarkeit,
auch gab er den Toten das Seelen-Geleit,
war Kriegerherr und Schicksalsbereiter,
ein Einziger war er und auch ein Zweiter.
Zwei Seelen wohnten in seiner Brust, -
von Wodan hat man dies grad‘ so gewusst.
 
Vom arischen Indien bis hin nach Island
sind theologische Systeme verwandt.
Als Himmelsherr trat Varuna / Tyr hervor,
dessen kämpferische Seite war Indra / Thor.
Der Feuersohn musste Agni / Ingvi sein,
dann gab sich der Heilige Geist darein.
 
Vata - Vayu - Voden ward er genannt,
er ist der Gestalten einendes Band.
Der Seelen-Wind-Geist ist einziger Gott;
von Göttern zu reden, ist unrechter Spott.
 
Die Wissenden haben es immer gewusst,
dass auf einer Gottheit die Lehre fußt,
dass die Vielfalt ihrer Erscheinungsgestalten
von der einen Kraft ihre Seele erhalten.
 
Die alt-arische Trimurti / Dreieinigkeit
erhielt sich bis zur spätheidnischen Zeit.
Der Uppsala-Tempel trug Hohe Union:
den heiligen Geist - Gott-Vater und -Sohn.
Der Hohe, der Gleichhohe und der Dritte,
Wodan, Donar und Fro, nach deutscher Sitte.
 
Ätherischer Feuerdunst, - Lebensbrodem,
das ist Woden-Odin,- der Welten-Odem.
Die Lebensgeist-Glutseele unserer Lungen
gleicht unsichtbar lodernden Flammenzungen.
 
So ist Wodan das Atemluft-Seelenfeuer,
drum ist er als ASE hochheilig und teuer.
As-, asa bedeutet ja glühen und brennen,
Feuer- und Windgeist sind nicht zu trennen.
 
„Atem ist der Wind, der während weht -
Atem ist Feuer, das ewig besteht !“
So lehrten Brahmanen, die brünstigen Beter,
die Weistümer weisenden Veda-Väter.
 
Asu, ahu, anas heißt Lebenshauch,
wie Geist, anima, manas und prana auch.
Asuras sind vedische Feuergeist -Seelen,
die im Iran als Ahuras nicht fehlen.
Anses und Asen hießen sie den Germanen,
sie galten als Totenseelen der Ahnen.
 
Jene Totengeister, - treue Väter-Heroen,
wie schützende Flammen-Windgeister lohen.
Zauberkundig, hilfreich wollen sie lenken,
doch heischen sie Opfer und Liebesgedenken.
 
Sie stärken der Feldfrucht gutes Gedeihen,
sie kämpfen mit, in den vordersten Reihen.
Sie helfen den Enkeln in Krieg und Frieden,
in den anderen Welten und schon hienieden.
Drum lauschet und lobet die Jugendlehren,
die Ahnen zu achten und eifrig zu ehren.
 
Die Rita, die kosmische Regelkraft,
eine Richtschnur reinlicher Wahrheit schafft.
Sie ist Gesetz, Gesundheit und Recht,
gegen Lüge liegt sie im langen Gefecht.
 
Arta, asa und Rita, - bedeutungsgleich,
welch hohes Wort ist so inhaltsreich ?!
Asa zeigt viele gottgleiche Gesichter,
Inbegriff ist es der himmlischen Lichter.
 
Asa ist heiliger Feuerwind-Geist,
der Wahres und Schönes völlig umreißt.
Asa ist Gottesgeist, die Drei, das Heil,
die Materie als Trug schien das Gegenteil.
 
Der Drug, wie ihn Zarathustra gemeint',
ist die Lügenperson und der Asa-Feind.
Als Herr der Asen- und Alfen-Geister
galt Vayu-Vodan, der Zaubermeister.

Allein durch Asa wird göttliches Wirken
in den asa-gesegnet en Erdenbezirken.
Alle guten Menschen sind Asa-Anhänger,
nur Asa-Gläubige sind Heils-Empfänger.
Sie sind die Auserwählten der Asa-Welt,
die dem Asa-Feind sich entgegenstellt.
So preist das Awesta die Asa-Lehre,
zur unendlich andauernden Asen-Ehre.
 
Der Runenmeister meinte die magische Macht,
die Bedeutungsfülle der asischen Pracht.
Dies zeigt seine Zahleneinteilung wohl an;
keiner Rune war er so zugetan.
 
Seine Meinung vermögen wir gut zu ermessen,
vom heiligen Asengeist war er besessen.
Der hat ihn erleuchtet, geleitet, gelenkt,
hat ihm sowie uns diese Runen geschenkt.
 
Seelenherr, Geistgott, - der Große ASE,
er feiert sein Fest in der Schwarzmondphase.
Die Waage, als waltendes Sternenzeichen,
mag dessen Bestimmung noch unterstreichen.
 
Der große Thot - Hermes - Vayu - Wodan,
der Seelenrichtende, göttliche Ahn;
aus seinem Neumond erneut sich die Macht,
die ins Diesseits die Fylgien zurückgebracht.
 
Ihre Jagd stürmt heran, das Geistertreiben,
bis Julmond möchten sie wachsen und bleiben.
Nach „Mannus“ müssen die Manen entweichen,
die Winterschatten beginnen zu bleichen.
 
Doch wachsen Nächte, so wachsen Schatten, 
den Lebenden trauten Besuch abzustatten:
Schemen- und Schatten-Seelen aufsteigen,
es stapfen die Stolzen, die stummen Reigen;
sie laden sich selbst in Hütte und Haus
und fordern den schuldigen Totenschmaus.
 
Sie ersehnen der Sippen Ehrung und Dank,
sie finden nach Hause zu Speise und Trank.
Vom Fensterbord lockt sie ein Kerzenschein,
der leitet den Ahn und die Ähnin hinein.
 
Zwischen Vater und Mutter am Küchentisch,
steh‘n Tassen und Teller allabendlich,
mit Seelensuppe, gebrockeltem Brot,
hier leiden die Toten nimmermehr Not.
 
Wie die Regenflut in die Traufen tropft,
wie der Nachtwind an lockere Läden klopft,
da zieht es die Kalten wieder hinaus,
da ruft sie der Herr in sein Sturmgebraus‘.
 
Jetzt haben die Nachtscharen große Zeit,
jetzt weist sie der Herr ins „Wilde Gejaid“.
Wenn sich der Himmel in Wolken hüllt,
Sturmwind durch wankende Wipfel brüllt,
dann singt der Totenwächter, der Wode,
die schauerlich-schreckliche Sterbe-Ode.
 
Dann gehen die Hügel, die Gräber auf,
und die müdesten Matten zieht es hinauf.
Sie wirbeln in Windesgewalten mit,
weit über‘s Land geht der rasende Ritt.
 
Voran hetzt die mächtige Totenmähre,
der Reiter darauf mit blinkendem Speere,
vom wallenden Mantel wechelnd umzückt,
den breiten Hut in die Stirne gedrückt;
und hinter dem fahlen, achtfüßigen Ross
der ganze grause Gespenstertross.
 
Unser runisches Wissen lüpfet den Schleier,
um den „Mikils-Tag“ lag einst die Asenfeier.
Bei ihm lag der Gottheit jährliches Fest,
ein Fremd-Michel wurde hineingepresst.
 
Doch unverwandt suchten Maiden und Frauen,
sich am altwürd‘gen Brauch zu erbauen.
Sie hielten verborg‘ne, verbotene Runden,
bis sie als Hexen und Ketzer zerschunden;
 
sie übten ja nur ihre unschuld‘gen Sitten,
bis dass sie den Tod in den Flammen erlitten.
Noch heißt es, die Hecsen hielten Gelag’
an diesem bis heute „verworfenen“ Tag.
 
Die Lebenden gingen die Toten besuchen,
zogen zu Gräbern mit Met und mit Kuchen,
sie hielten das Mahl im munt‘ren Gepränge,
den Ahnen zum Preise erklangen Gesänge.
 
So schien deren Ehrung wohl angemessen
bei den „Dadsisas“, den Toten-Festessen.
Man tanzte und sang an den Totenstelen,
keine Freude sollte den Toten da fehlen.
Kleine Gaben der Liebe legte man nieder,
am „Sisetac“, dem Festtag der Trauerlieder.
 
Diese Weihe wurde „zum Winter“ geboten,
jene Feier für alle Familien-Toten,
ein Bluot für die seligen Sippen-Seelen,
die im Fühlen und Flehen ja niemals fehlen.
 
Ein Opfer auch für die Seele der Welten,
das sollte dem Oswalt, dem Odm, gelten.
Ferne Höfe hielten im Stolzen und Stillen
das Seelen-Gedenken, dem Wodan zu Willen;
ein Bluot an die Ahnen, die Alfen zu senden,
den Asen das „ASABLOT“ würdig zu spenden.
 
Man besorgte die Hausandachten allein,
Fremdgläubige galten da nicht als rein:
 
„Fahr weiter, Fremder, hier hausen Heiden,
wir ordnen dem Odin, den Ort zu bereiten.
Raste nicht, Reisender, der Hof ist heil,
ein Gastmahl ist diesen Abend nicht feil.
Zieh‘ hin, denn wir zagen vor Odins Zorn,
hier neigt man zur Nacht sein Weihehorn.“
 
So riefen sie hinter verriegeltem Tor,
die Hofmutter mit ihren Mägden hervor.
 
Zum Wodansfest, in des Geist-Gottes Sinne,
tranken die Sippen die „Mikils-Minne“.
Die weiße Gans, so schimmernd und schier,
war Wodans sinnbildliches Weihetier.
Die „Lichtgans“ briet auf allen Herden,
ein köstliches Speiseopfer zu werden.
 
Galten Ganter und Gans ja als Gottessymbole,
mit geheimnisvoll-gleißender Glanzgloriole.
Der wache, weit wandernde Wodans-Vogel,
ein unbezwingbarer Gleichnis-Kogel ?
 
Was haben wohl Art und Ausseh‘n verkündet,
worauf nur war sein Symbolwert begründet ?
Als Ursumpf wesen erschienen die Schwimmer,
es gefiel des Gefieders schierer Schimmer.
 
Es bargen den gleichen urkultischen Plan
die Gattungsverwandten Ganser und Schwan;
die singenden Schwäne, - Apollos Begleiter,
der lichtvollen Wahrheiten Wegebereiter.
Die Agypter verehrten Amuns Attribut,
Amun galt wie Wodan als Atemflut;
 
für Indien ist Brahman danebenzuhalten,
verkörpert glichen sie Ganter-Gestalten.
Dem römischen Mars, dem germanischen Tyr
galt die tapfere Gans als geweihtes Tier;
 
beider Kulte hatte Wodan ja aufgesogen;
dem war sie zur Urzeit schon zugeflogen.
Brakteaten, welche die Zeit überdauert,
haben diese Befunde wohl untermauert:
 
Sie zeigen des Wodans Gestaltentausch,
er hebt sich aus Ganters Baig und Bausch.
Kultsteine aus gotländ‘schem Totenbrauch
belegen des Sinnbilds Bedeutung auch.
 
Davon spricht schon eine Sanskrit-Vokabel,
„Hensa“, der Vogel altindischer Fabel,
gleicht ja mitsamt seinem Rätselglanz
der legendär-lichten, gelobten Gans.
 
Bluot-Gänse zu richten, war gläubige Pflicht,
die „Lichtgans“ war Wodanaz Kultgericht.
Nach dem Glaubensbruch in zwei Gestalten
wurde der herbstliche Wodan gespalten;
 
mit denen verband sich das neue Gedenken,
denen sollte das Volk seine Liebe schenken.
es konnte sich kaum für nur einen entscheiden,
da gab man des Wodans Lichtgans den beiden.
 
Zwischen ihren Daten, so ungefähr,
schwankte der „Asenmond“ hin und her.
Wer die „ASABLOT-Zeit“ bestimmen mag,
beschaut nicht einen einzigen Michelstag !
 
Ihre Weihefristen wollten die Alten
nach dem Maß des schaubaren Mondes halten.
Das Wodansfest lag Mitte „Heiligmond“,
wenn der Mond im gebärenden Dunkel wohnt.
 
Freilich pendelt der jährlich ein gutes Stück,
und Festdaten steh‘n um zehn Tage zurück.
Doch im echtesten Datum des Asenherrn,
da steht er als „Winterbär“, als Björn.
 
Wenn man das Flüstern des Tages ermisst,
weiß man, welch‘ „Heidentag“ dies ist.
Wer drei Tage vor und nach Gallus geboren,
galt für den „neuen“ Glauben verloren:
 
Die würden zu „Werwölfen - Wodansmannen“,
als „Walridersken“ ritten die Weiber von dannen;
zu „Nachtmahrten“ - Alben gerieten die Kinder;
so galt der Tag als ein Wodan-Verkünder.
 
Der männlichen Dorfschaft mächtige Gilde
traf sich im einsamen Waldesgefilde,
gelagert um einen Kessel im Kreise,
so hielten sie Andacht nach Väter-Weise.
 
Im Bottich wogte das braune Gebräu;
es waren die Männer dem Wodan treu.
Fernab vom geschäftigen Treiben der Frauen
wollten sie nun ihren Geistgott erschauen;
 
und fanden durch frommen Bewusstseinstausch
den erregenden Geist im heiligen Rausch.
Im Rausche vergeht jeder tarnende Schein,
da werden die Köpfe wie Kinder so rein;
im Rausche erzeigt sich das wahre Gesicht,
wenn Wodan selbst aus der Seele spricht.
 
Der Ordner der Runen riet offenbar
zum Asa-Alfa-Blot mit der Rune „A“.
Neben dem Begriffsinhalt von Asa, Ass,
tauglichstem Trumpfblatt, - dem Runen-As,
wächst noch ein weit‘rer Bedeutungsspross:
 
„Ous, as, asa, os, oris, osaz, oss.“
Es heißt: Anfang, Öffnung, Mündung, Mund;
auch dieses trifft Godan im tiefsten Grund.
Ist Gott nicht Beginn von allem Guten
und ragendster Rand gegen Chaos-Fluten ?!
 
Er ist brennender Agni, verzehrend stark,
er ist doch der Gottheit „Mund“ und Mark.
Der Runenmund hat die Sprache erstellt,
aus Wodans Wort erwuchs ja die Welt !
 
Nach der Ahnenfeier, dem Alfen-Bluot,
unter Wodan - des Seelenherren - Gebot,
wächst nun mit Wucht des Winters Welle,
wir stehen auf düsterer Eingangsschwelle.
 
Nach diesem Opfer zur Winternacht
erwacht des Winters, des Wolfes, Macht.
So hat man die Festzeit auch benannt
als „Vetranott-Blot“ war es bekannt.
 
Dies labende Liebesopfer für Laren,
so können aus Sagas wir wohl erfahren,
trug wirklichkeitsnahen Sinngehalt,
da es der Bitte um Fruchtbarkeit galt.
 
Das Runen-Bildzejchen im Asen-Banne
zeigt die flätige Fichte, turmhohe Tanne.
Sie heget den Hort hoher Heiligkeit,
sie trägt ja des Ewigen Lebens Kleid.
 
Die keltische Schrift, des Ogmios Ogom
stammt mit den Runen aus gleichem Strom;
seine Namen entstammen dem Pflanzenreich,
es lohnet mit Runen ein strenger Vergleich.
Ogom ordnet‘ „Ailm“, die Tanne, zum „A“
weil die Tanne des ASEN Wahrzeichen war.
 
Jahrtausende wollten es überwinden,
doch trotzdem ist Wodans Wipfel zu finden;
ihn mag das Herbstfest noch heute loben,
er thronet als Kerbebaum hoch droben.
 
Wintergrüne Tannen sind wie der Wind,
in den Sonnen und Seelen gesunken sind.
Ins ewige Grün muss der Sommer verwehen;
aus Tannengrün wird er uns auferstehen !
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