12.04.2022
Eine Grundprinzip-Skizze von H. Wirths eigener Hand verdeutlicht die irrige Verständnisweise des Forschers, mittels derer er die Urzeichenfunde - auch jener der germ. Runen - glaubte, einordnen zu können. Noch heute beschäftigen die Person und das Werk des geistesurgeschichtlichen Forschers Herman Wirth (1885-1981) die Gemüter, wie es das jüngst erschienene Buch „Herman Wirth, Leben - Werk - Wirkung“ (2022), aus dem Forsite-Verlag/Bottrop (ISBN 978-3-948313-64-7) unter Beweis stellt. Dass Herman Wirths Werk an sich bedeutungslos geworden ist und praktisch nur noch als Fundgrube einzelner Teile taugt, begreift die Mehrheit seiner Anhänger bis heute nicht. H. Wirths Irrtum begann mit der Lesung des Buches vom Schweden Oscar Almgren (1869-1945) Hällristningar och kultbruk. Bidrag till belysning av de nordiska bronsåldersristningarnas innebörd, Stockholm, 1927. Der Titel der deutschen Ausgabe lautete: Nordische Felszeichnungen als religiöse Urkunden, 1934. H. Wirth fand darin die Abbildung eines bronzezeitlichen Felsritzbildes, in dem er glaubte, im Kreise angeordnete Prärunen herauslesen zu dürfen und nannte die Ritzung fortan „Kalenderscheibe von Fossum“. H. Wirth ließ sich durch einen schwedischen Gewährsmann eine Fotografie des Ritzbildes zuschicken. Dieser wollte es besonders gut machen und fertigte eine Nachtfotografie davon an, bei der die Konturen hervorragend sichtbar wurden. Unglücklicherweise verstand er von Fotografie nicht viel, er ließ die Lichtquelle über die gesamte Belichtungsdauer an eine Stelle stehen. (Ich bin u.a. Lehrmeister der Reproduktionsfotografie) Auf diese Weise werden aber alle in Richtung der Lichtquelle liegenden Ritzungen weggeleuchtet, während die im rechten Winkel dazu liegenden, hervortreten. Das war der erste Kardinalfehler Wirths, sein gesamtes Werk der Runendeutung auf einer fehlerhaften Nachtfotografie aufzubauen, ohne sich am Original zu vergewissern. Und zwar, obwohl er seinen Gegnern immer erneut vorwarf, keine Feldforschung zu betreiben, sondern im lebensfernen Studierkämmerlein ihre Erzeugnisse zu produzieren. Wirth nannte das Fossum-Felsbild wiederholt den Ecksteinseines Denkgebäudes. Der zweite Kardinalfehler H. Wirths bestand darin, dass er ein allzu simples Verständnisschema als seine Grunddoktrin annahm, nämlich, dass alle Zeichen mit erhobenen Ästen (oder Ärmchen) Frühlingszeichen seien und jene mit niederdeutenden Ästen die Herbstzeichen. Diese Gewaltsamkeit ist nicht beweisbar, das Gegenteil, also die diesbezügliche Regellosigkeit geht bereits aus der Runenkreisbildung unabweisbar hervor. Der dritte Kardinalfehler H. Wirths war seine Annahme, die Ur-Runenreihe des FUTHARK sei linksbeginnend, demnach rechtsläufig zu lesen. Alle alten Schriften aber waren rechtsbeginnend und mithin linksläufige Zeichenreihen. Das Rechts-Links-Schema galt der Antike als tief bedeutsam: das Rechte hat mit rechts zu beginnen ! Das erscheint uns nur deshalb falsch, weil wir in der Schule das Lesen und Schreiben von links nach rechts lernen. Obwohl Wirth an einer Stelle seiner Schriften selbst einräumte, dass wohl die ältere Leseweise die linksläufige sein würde, hielt er an der rechtsläufigen Deutung fest und erklärte fortan, mit aufwendigen, weitschweifigen Texten Frühlings-Runen im Herbst und Herbst-Runen im Frühling. Das macht das gesamte Werk Herman Wirths so grundsätzlich unnachvollziehbar, so dass jeder der zu folgen sich bemüht, schon bald aufgrund von Verständnismängel aufgibt. Die große Masse der Wirth'schen Darlegungen aber verhindert die Erkenntnis des Lesers, dass es sich um ein irrtumsträchtiges Darlegungsprinzip handeln könnte, der Leser meint vielmehr, er sei selbst nicht in der Lage, die Gesamtheit der Konzeption zu überblicken. Der geradezu erdrückende Masse-Effekt scheint eine Beurteilung der Wirth-Bücher zu verunmöglichen. Ich erkannte die Wirth'schen Fehlerquellen sehr früh, nachdem ich im Jahre 1981 die Fossum-Ritzung vor Ort im Bohuslän/Schweden begutachtete und zur Feststellung gelangte, dass nicht ein einziges Zeichen des Originals mit den diesbezüglichen Abbildung von H. Wirth übereinstimmte. Noch im gleichen Jahr fand ich die Runen-Rätsel-Lösung bzw. Dechffrierung in der rechtsbeginnenden Lesung des FUTHARK und verschickte die ersten korrekten Runen-Kalender an meine Freunde. Nach linksläufiger Lesung beginnt die Ur-Runenreihe mit den Buchstaben O-D-ING, sie heißt demzufolge ODING, mit der Bedeutung Od-Kind bzw. Geistkind. Im Jahre 1993 veröffentlichte ich im Knaur-Verlag mein Buch ODING-Wizzod - Gottesgesetz und Botschaft der Runen. Damit hat die Ahnung von Herman Wirth, in der Ur-Runenreihe müsse ein Kalendarium verborgen sein, die er selbst zwar nicht beweisen konnte, ihre Bestätigung durch mich erhalten. Ich hätte dem Altmeister keinen größeren Gefallen tun können, als seiner Idee zur Bestätigung und damit zum ariosophischen Sieg zu verhelfen. Ich bin dadurch, trotz meiner Fundamentalkritik an der Konzeption Vater Wirths zu seinem besten und erfolgreichsten Schüler geworden.   
   
Von li. nach re.: G. Hess, H. Wirth, H. Koll - September 1980
 
VATER HERMAN WIRTH
 
Vater Wirth, was Dich durchdrungen,
das hab‘ auch ich wie Du gespürt,
den Ur-Kalender zu entdecken,
das hat uns beide angerührt.
 
Ich denke Deiner blauen Augen,
Du hast mich gründlich angeschaut,
Du lagest richtig mit dem Urteil,
hast mir bis auf den Grund getraut.
 
Ein Leben lang hast Du geforscht
und hast so viel dazu geschrieben.
Dir war die Findung nicht vergönnt,
bei dem Versuch ist es geblieben.
 
Dein Theorie-Prinzip war falsch,
das hast Du leider nicht begriffen,
Du hast zeitlebens, irrtumsschwer,
an einem falschen Stein geschliffen.
 
Hast mir den Nachlass anvertraut
und damit in die Pflicht geladen,
ich nahm den großen Auftrag an,
spann weiter Deinen Geistesfaden,
 
Was Dir misslang, trotz allem Sinnen,
ich erst fand die Erkenntnisweise,
wie er korrekt zu deuten sei,
den Zeitweiser im Runen-Kreise.
 
Deine Vermutung habe ich bestätigt,
durch mich erst wurdest Du vollendet
ich deutete der Runen-Reihe Sinn,
jetzt erst hat sich das Blatt gewendet.
 
Was Du gesucht konnte ich finden,
Vater Herman Wirth, Deine Vision
hat sich durch meine Tat erfüllt,
ich bin Dein wahrer Geistes-Sohn.
 
Noch heute beschäftigen die Person und das Werk des geistesurgeschichtlichen Forschers Herman Wirth (1885-1981) die Gemüter, wie es das jüngst erschienene Buch „Herman Wirth, Leben - Werk - Wirkung“ (2022), aus dem Forsite-Verlag/Bottrop (ISBN 978-3-948313-64-7) unter Beweis stellt.