25.08.2022

Herrøðr_Gotlandstein.JPG

Ich vermute, dass der Spiralspross als ein Symbol für das Seelenleben der Abgeschiedenen in unserer germanischen Ahnen-Religion verstanden wurde.

G 37 - GRÖTLINGBO K:A, GRÖTLINGBO SN, GRÖTLINGE TING, GOTLAND

Besprechung der Inschrift auf dem Fragment eines gotländischen Runen-Bildsteines aus der Wiking-Zeit der Jahre von 1000-1150.

Ort: Grötlingbo kyrka (Grötlingbo socken, Grötlinge ting, Gotland) søndre vegg.

Inschrift:

botuat(r) · ----(k) : heruþr : litu : stain : þena : (e)(f)... ...uþ : (m)... ...

Bothvatr ... Hærrøðr letu stæin þenna æf[tiR] ... m[oður] ...

Norsk: „Bóthvatr ... Herrøðr lot denne sten etter ... sin mor“

English: „Bóthvatr ... Herrøðr had this stone ... in memory of ... mother ...“

Deutsch: „Bóthvatr ... Herrøðr besaß diesen Stein (der angefertigt wurde) in Erinnerung an (seine) Mutter ...“

Interessant ist der Männername Herrøðr (oder Hærrøðr), bestehend aus den beiden einzelnen Begriffen herr und øðr.

Altgermanisch:
charja- = 'Armee'
haria- = 'Armee'
hariaz = 'Armee'
harja- = 'Armee'
harjaz = 'Armee'
Urnordisch:
hariaR = 'Krieger'
harjaR = 'Krieger'
-harjaR = 'Krieger', 'Anführer einer Armee'
-harjaR = 'Armee'
harjaz = 'Krieger', 'Anführer einer Armee'
Altnordisch:
arr = 'Armee'
herr = 'Armee'
Gotisch:
harjis = 'Armee'
Altsächsisch:
heri = 'Armee'
Althochdeutsch:
heri = 'Armee', Heer

Beim zweiten Teil des Männernamens handelt es sich um das altnordische Substantiv óðr, was „Geist, Witz, Seele, Sinn“ bedeuten kann. Eine große Menge nordischer Männer-Vornamen sind von der Silbe Od geprägt, wie: Od, Odal, Oddar, Oddbjörn, Odde, Oddleif, Oddmar, Oddmund, Oddvin, Odelius, Oden, Odert, Odin, Odler, Odmar, Odolf, Odvar, dazu kommen entsprechende Namen in anderen germanisch beeinflussten Sprachen, wie im Deutschen der beliebte Odo/Otto. Es ist etymologisch verwandt mit dem Theonym Óðinn (Anglisiert als Odin), beide stammen letztendlich aus dem Protogermanischen wōđaz. Und dazu: óðr kann auch „Lied“, „Poesie“ und „Inspiration“ meinen. Der Begriff könnte durchaus semantisch von der griech. Ode (weiblich; über lateinisch ode aus altgriechisch ᾠδή ōdḗ, wörtlich „[der] Gesang“ oder „[das] Lied“) aufgenommen worden sein. Es ist die Bezeichnung für ein Lied oder einen Liedtext, zuerst in griechischer Sprache. Andere verwandte Begriffe von Óðr sind gotisch wôds („tobend“, „besessen“ bzw. besser „begeistert, inspiriert“), Althochdeutsch wuot („Wut“, „tobend verrückt sein”), auch „Minnewut“ (Liebesdrang) und die alten englischen Wörter wód („Wut”, „Tollwut”, aber keineswegs im negativen Sinne von Zorn verengt.) und wóð („Lied“, „Schrei”, „Stimme”, „Poesie”, „Beredsamkeit”). Altnordische Ableitungen umfassen œði „starke Erregung“, „Besitz”. Letztendlich leiten sich diese germanischen Wörter vom proto-indo-europäischen Wort * abwāt-, was bedeutete „blasen (auf), fächern (Flammen)”, Abb. „inspirieren”. Die gleiche Wurzel erscheint auch im Lateinischen vātēs („Seher”, „Sänger”), das als keltisches Lehnwort gilt, im Vergleich zu Irisch Vertrauen („Dichter”, aber ursprünglich „aufgeregt”, „inspiriert”). Die Wurzel soll auch in Sanskrit vorkommen vāt- „Fan”. Óðr ist in folgenden Quellen belegt: Óðr wird in Strophe 25 der Poetische Edda Gedicht Völuspá erwähnt. Der Name erscheint in einer Kennzeichnung für die Hauptgöttin Freyja; „Óðs Mädchen” (altnordisch: „Óðs mey gefna“) und weist auf eine Beziehung zur gemeingerm. Hauptgöttin hin. Strophe 47 des Gedichts Hyndluljóð enthält die Erwähnung einer Figur mit dem Namen Œdi. Dort verspottet Hyndla Freyja und erklärt, Freyja sei zu Œdi gerannt, „immer voller Begierden”. Es wurde die Theorie aufgestellt, dass dies einfach Óðr oder dass die Figur ein weiterer Liebhaber von Freyja sein könnte. Óðr lässt die trauernde Freyja wieder herein, Odur verläßt abermals die sterbende trauernde Gattin (1882), Carl Emil Doepler ,The Elder’. In der nordischen Mythologie Óðr (Altnordisch für den „Göttlichen Wahnsinn, hektisch, wütend, vehement, eifrig”, als Substantiv „Geist, Gefühl” und auch „Lied, Poesie”; Orchard (1997) gibt „den Rasenden”.) oder Óð, manchmal anglisiert als Odr oder Od ist eine Figur, die mit der Hauptgöttin Freyja verbunden ist. Die Prosa Edda und Heimskringla, im 13. Jh. von Snorri Sturluson verfasst ist, beschreiben beide Óðr als Freyjas Ehemann und Vater ihrer Tochter Hnoss. Die Heimskringla fügt hinzu, dass das Paar eine weitere Tochter hervorgebracht hat, Gersemi. Es wurde eine Reihe von Theorien über Óðr vorgeschlagen, im Allgemeinen, dass er aufgrund ihrer Ähnlichkeiten eine Hypostase der Gottheit Odin ist. Der Gelehrte Rudolf Simek sagt, dass Óðr seit seiner Gründung in einem Kenning des Skalds Einarr Skúlason aus dem 11. Jh. (in Skáldskaparmál) und in der Poetische Edda Gedichte Völuspá und Hyndluljóð, Óðr ist keine späte Erfindung. Simek sagt, dass „die naheliegendste Erklärung darin besteht, Óðr mit Odin zu identifizieren”, wobei er die Ähnlichkeit zwischen ihren Namen (und die Übereinstimmung mit der Ullr / Ullin-Parallele) und die langen Abwesenheiten (im Vergleich zu Odins Exil in) feststellt Gesta Danorum) und Óðrs Ehe mit Freyja.

1.) Die Bedeutung des Namens Herrøðr wäre demnach: Kampfgeistiger, Kampfbeseelter.

2.) Die absoute Eindeutigkeit ist leider nicht herzustellen, denn der altnord. Begriff odd oder oddr = Spitze (einer Waffe), Speerspitze Speer, auch Landzunge, Landende. Auch unterschiedlicher Konsonanten-Gebrauch, wie ð, d, dd, t, tt unterliegen landsmannschaflichen und zeitlich-variablen Lautgebrauchsschwankungen, ohne dass sich deshalb unbedingt semantische Bedeutungenverschiebungen ergeben mussten. Odd oder Ort bedeutet Spitze; „vor/am Ort sein” bedeutet, an der Spitze seiner Lebenszeit zu stehen. Die Idee des Spitzenmannes, des Obersten, kann unterschwellig oder bewusst dem Namen angehaftet haben, oder stand, bei Gebrauch von „dd”, sogar im Vordergrund. 

Altgermanisch
uzda- = 'Distel', 'Weißdorn'
uzda- = 'Punkt', 'Spitze'
uzđa- = 'Punkt', 'Spitze'
Altnordisch
oddr = 'Spitze' (einer Waffe)
oddr = 'Speer'
oddr = 'spur'
oddr = 'Anführer', 'Häuptling'
oddr = 'Front' (einer Armee)
oddviti = Spitzenweiser, Führer
Gotisch
uzds = 'Punkt' (einer Waffe)
Altschwedisch
Euter = 'Punkt'
Euter = 'Punkt', 'Pfeil'
odder = 'Punkt'
odder = 'Punkt', 'Pfeil'
Altsächsisch
ord = 'Spitze' (einer Waffe)
ord = 'Speer'
ord = 'Sporn'
ord = 'Anführer', 'Häuptling'
Althochdeutsch
ort = 'Spitze' (einer Waffe, Ortband = Schwertscheiden-Ende)
ort = 'Speer'
ort = 'Sporn'
ort = 'Anführer', 'Häuptling'
ort = 'vorne'
ort = 'anfang'
ort = 'endpunkt'
ort = 'ecke'
Altes Englisch
ord = 'Spitze' (einer Waffe)
ord = 'Speer'
ord = 'Endpunkt'
ord = 'Anfang'
Herkunft und Bedeutung
1) Alte schwedische Form von Oddr
2) Abweichende Schreibweise von Odd
Verwandte Namen
Siehe Oddr
Norwegisch
Nominativ: Od
Genitiv: Odds
Schwedisch
Nominativ: Od
Genitiv: Odds

Russisch: 1 (eins) один = adin (dabei dürfte es sich um einn Ableitung aus dem Urschwedisch-Warägerischen handeln.)

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G 269 - MOS GÅRD, STENKIRKE SN, LUMMELUNDA TING, GOTLAND

Einen recht frühen Runenfund trägt ein Speerblatt aus Gotland das auf 210-260 n.0 datiert wird. Er wird im Historiska Museum, Stockholm (Nr. 17950) aufbewahrt.

Inschrift: Gaoi(s)/(s)ioag (das „s“, ganz rechts am Bildrand, ist schwer zu erkennen, ob „i“ und „s“ noch zum Wort gehören, kann beweifelt werden). Die Runenfolge rechtsläufig „gaoi“ könnte des Besitzers Kosenamen für seinen Speer bedeuten, denn das germ. Wort für Speer war „gaiza-“, althochdeutsch „gēr“. - Man beachte die Ritzung des „o“ bzw. der Odal-Rune in Schlingenform.

 Gotland_2.JPG

Gotland_1.JPG