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Odal-Runen-Gesimssteine aus Langobarden-Kapelle
 
 
Odal-Runen am langobardischen Sakralbau
 
In Windisch-Oberburg (1240 Obrunburc), wurden skulpierte Gesimsfragmente gefunden (sog. „Komplex Schatzmann“, Kat.-Nr. 1-5). Die Gemeindeliegt im Kanton Bern, Landkreis Emmental, nordöstlich von Stadt Bern in der alemannischen Schweiz. Von Kundigen heißt es: Der Aargau bzw. das Aartal bis nach dem südlichen Olten und Oesingen war ums Jahr 600 bereits Siedlungsbereich der aus dem Norden angerückten heid­nischen Alemannen, gingen also dem Einfluss des Lausanner Bischofs weit­gehend verloren. Möglicherweise hielt sich das Kastell von Olten noch einige Zeit; sicher gilt dies für die Klus von Balsthal und die Gegend ums Castrum von Solothurn. Trotz dieser Einbußen konnte sich im 7. Jahrhundert das Christentum im oberen Aaregebiet halten, ja ausbreiten, dank des starken Einflusses der Abtei Luxeuil und des Bistums Straßburg, im Dienst der el­sässischen Herzoge. Ich sage mir, dass über einige Generationen hinweg im Aargau ein enges Nebeneinanderleben von allemannischem Heidentum und mehr oder minder verchristlichten Gemeinden geherrscht haben muss. Die Romkirche hatte noch wenig Bestimmungsmöglichkeit, das begann erst mit dem angelsächsischen Papstagenten Bonifatius im 8. Jahrhundert.
 
Bearbeitete Architekturstücke, neun an der Zahl, hatte Herr Rudolf Moosbrugger-Leu 1958 erstmals veröffentlicht, zusammen mit den dürftigen Nachrichten zur Fundsituation. Er schreibt dazu: „1956 musste das Haus Schatzmann in Oberburg einem Mehrfamilienhaus weichen. Beim Abbruch des alten Mauerwerkes kamen Baufragmente zum Vorschein, die das Interesse von Herrn Schneider weckten. Nach den Beobachtungen von Herrn Schneider waren die Baufragmente im Mauerwerk des abgebrochenen Hauses in zweiter Verwendung vermauert. Säulenbasen, Kapitelle, Konsolen und Kämpferplatten waren kunterbunt im Mauerwerk als einfache Bausteine verpflastert. […] Einzig die vorliegenden Stücke wurden gerettet.“ Schon der Erstveröffentlicher erwähnte, dass das „Haus Schatzmann“ mit dem Standort einer 1360 genannten Kapelle übereinstimmt und ging davon aus, die Kapellenmauern seien wohl im Gemäuer des „Hauses Schatzmann“ verbaut worden. Da die Skulpturenfragmente als Mauersteine dienten, können sie, so Moosbrugger-Leu, nicht zur historisch überlieferten Kapelle gehören, sondern müssen entweder von einem Vorgängerbau oder einem anderweitigen Sakralbau stammen. Die etwaige Datierung lautete „die Jahrzehnte um 600“. Andere Einordnungen denken an die spätere Merowingerzeit der Stücke, weitere Datierungen vermuten die 1. Hälfte des 8. Jh.. Gesichert ist, dass die neun überlieferten Stücke aus dem Schutthaufen eines Gebäudes mit langer Bautradition stammen: „Trotz des Umstandes, dass die Steinfragmente von der Mörtelschicht ihrer zweiten Verwendung befreit werden mussten, ließen sich an allen Fundstücken Spuren einer roten Bemalung feststellen.“ Das Material ist oolithischer Kalkstein. Weitere Funde aus dem „Komplex Haus Schatzmann“, Säulenreste, Schlingen- bzw. Flechtbandbandplatte und Rosetten, lassen eine Zuordnung zur gut belegten synkretistischen langobardischen Kunsttradition zu.
 
Zur Symbolik der Funde wurden bisher keine Überlegungen angestellt. Die bestreffenden Stücke gehörten demnach zu einem kleinen Sakralbau aus der Langobardenzeit in der noch viele altgermanisch-heidnischen Vorstellungen zuhause waren. So erklärt sich auch das wiederholte Motiv der Odal-Rune, wie sie als sakrales Schmuckmotiv auf einer großen Anzahl germanischer Gürtelschnallen zu finden ist. Die jeweils 5 Punkt-Pickungen auf den Querbändern oberhalb der Odal-Runen verweisen in der bekannten Sprache der Zahlenmystik ebenfalls auf die Seele und die ätherische Substanz hin, auf die lat. quinta essentia hin, dem „fünften Seienden“, das den irdische 4 Elementen - Erde, Wasser, Feuer, Luft - übergeordnet ist. Über das runisch-odinische Schlingenzeichen hinaus zeigen die Bruchstücke die erweiterte Schlingensymbolik, wie den sog. „Wotansknoten“ (Walknut), deren Bedeutungen im Großen und Ganzen recht klar einmal mit dem Schicksalsgefecht der Nornen in Zusammenhang stehen, denn Schlinge und Knoten sind die Urformen des Gewebes, zum anderen spielten die Vorstellungen von der Seelenschlange und der Doppelschlange, als einem Symbol des Ewigen Lebens, also der Seelenwanderung, mit hinein, wie sie schon in der griechisch-römischen Mythologie sehen, wo der Schlangenstab das Attribut des Psychopompos Hermes-Mercurius ist. Hätten die vermauerten Reliefsteinbrocken aus einem katholisch-kirchlichen Gebäude hergerührt, also einer Kirche, Kapelle, dann wären sie nie und nimmer in einen Profanbau eingemauert worden, das hätte der Klerus nicht zugelassen. Da sie aber ihre neue Verwendung in einem weltlichen Bau fanden, ist das der beste Beweis dafür, dass diese Gesimssteine mit Odal-Runen-Zier aus einem als „heidnisch“ angesehenen Gebäude stammen müssen. Wobei man unter „heidnisch“ im Katholizismus auch jene Gemeinden bezeichnete die dem Arianismus zugehörten und seinen diversen Ausformungen. Sie war durch den Theologen Arius (ca. 260-327 n.0) entwickelt worden und hatte sich unter den Germanenvölkern verbreitet, weil sie als relativ vernünftig empfunden werden konnte. Die delikate, umstrittene „Wesensgleichheit von Gott/Gott-Vater und Sohn“ wurde vom Arianismus abgelehnt. Die germanische Glaubenslehre ging ursprünglich von einem Himmelsvater Tiu/Tyr aus, dessen solar-vegetative Sohnschaft sich in Frō/Freyr bzw. Balder manifestierte, neben denen Wodinanz/Odin als Geist-Seelengott stand. Während der Frühzeit der allemannischen Landnahme in der Zentralschweiz wird die Langobarden-Kapelle wegen ihrer den Nordgermanen sehr verständlichen Symbolsprache verschont und als runengläubiger Andachtsraum des Asen- bzw. Wodin-Glaubens weiter genutzt worden sein. Während in den langobardischen Städtezentren Oberitaliens zwangsläufig die christlich-byzantinischen Motive in den Vordergrund drängten, blieben ersichtlich in der bergigen Provinz des alpinen Hinterlandes die altgermanischen Heilszeichen viel länger vom katholischen Zeitgeist unbeanstandet. Für uns Runenfreunde ist es eine Freude, ein Fundmaterial vor Augen zu haben, welches beweist, dass die Odal-Rune als Zeichen des Geistes und der Seele ihre Achtung von der Kleinkunst der Gürtelschnallen und Fibeln bis in die christlich-heidnische Ornamentkunst der Langobarden und Allemannen zu bewahren vermochte. 
 
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