MEISTER-ERILAR HEINZ KLINGENBERG

Prof. Dr. Heinz Klingenberg am Fundort-Denkmal der Goldhörner
 
 
ERILAR HEINZ KLINGENBERG
 
Die Kunde der Runen, was sagt sie wahr -
wer ist heute der kundigste Erilar ?
Manch‘ Weiser wies uns das Runen-Werk,
doch König der Künder ist Klingenberg.
 
Runenreichtum lag nie am Straßenrand,
Heinz Klingenberg einen Schlüssel fand,
er schloss der Goldhörner Galster auf,
erkannte der „Dreizehn“ geheiligten Lauf.
 
Ein Genie war Hainpriester Hlewagast,
der sein Stoßgebet in die Stäbe gefasst,
meisterlich setzte er Rune und Zahl,
Heinz Klingenberg folgte ihm kongenial !

Im Körper war Hlewagast nur ein Zwerg,
doch fand er die Kraft für sein Riesen-Werk,
er war seines Haines gepriesener Wart,
im jütisch-herulischen „Rosengaard“.
 
Avatare erwachen immer aufs Neu‘,
Wodin-Odin bleibt seinen Getreuen treu !
Der Runen-Gott leibt und lebt auch heut‘,
in jedem den geistvolles Werk erfreut.
 
 
Heinz Klingenberg (9. Oktober 1934 in Nauen/Havelland/Brandenburg) ist ein germanistischer und skandinavistischer Mediävist und Runologe. Er ist der Entdecker der germanischen Gematrie. 1973 wurde Heinz Klingenberg zum Professor ernannt und war von 1979 bis zur Emeritierung 2000 Professor für Skandinavistik. Seine Werke sind: „Runenschrift, Schriftdenken, Runeninschriften“, 1973 - „Edda, Sammlung und Dichtung“, 1974 - „Heidnisches Altertum und nordisches Mittelalter. Strukturbildende Perspektiven des Snorri Sturluson“, 1999.
 
H. Klingenberg - Genie aus dem heiligen Semnonen-Hain - Deuter des Runen-Hornes
 
Erilar ist die Standesbezeichnung der Runenmeister. Der Runenmeister H. Klingenberg ist von seiner Abkunft her ein Havelländer bzw. ein Semnone, welche nach Tacitus („Germania“, 39) als das Stammvolk der elbgermanischen Sueben („vetustissimi Sueborum“) und als Urvolk der Germanen überhaupt galten. Spricht aus dem Genie Klingenberg die Stimme des uralten heiligen Semnonenblutes ? Der Schriftstellers, Cassius Dio (163-229) erwähnte in seiner „Historia Romana“ den „ehrenvollen Empfang“ des semnonischen Königs Masyos und der ihn begleitenden Seherin Ganna, welche also die weltliche und spirituelle Führung ihres Volkes repräsentierten. Cassius Dio, Historia Romana 67, 5: „Masyos, König der Semnonen, und Ganna, eine Jungfrau, die nach Veleda in Germanien als Seherin aufgetreten war, kamen zu Domitian, wurden von ihm ehrenvoll behandelt und dann wieder zurückgebracht.“ Nach Tacitus geboten die Semnonen über 100 Gaue. In ihrem heiligen „Fesselhain“, dem kultischen Zentrum aller Sueben und Germanen, wurden einmal im Jahr die heiligsten Opfer dargebracht. Tacitus schrieb dazu: „Zu bestimmter Zeit treffen sich sämtliche Stämme desselben Geblüts, durch Abgesandte vertreten, in einem Haine, der durch die von den Vätern geschauten Vorzeichen und durch uralte Scheu geheiligt ist.“ Eine Erinnerung an den „Fesselhain“ ist geblieben. Edmund Weber berichtet, in der Zeitschrift „Germania“, Januarheft 1935, unter der Überschrift „War der Zootzen das Semnonenheiligtum ?“: Die Bewohner des Zootzens, eines Erlenbruchwaldes in der Mark, meinten, wer nach Dunkelwerden im Walde hinfalle, könne sich nicht wieder erheben, sondern müsse kriechend den Waldrand erreichen. Im „Friesacker Zootzen“ sollen die ältesten und mächtigsten Eichen gestanden haben, da man sie wegen des sumpfigen Umlands nicht fällen und transportieren konnte. Zootzen ist ein Ortsteil der Stadt Friesack und ebenso Wutzetz (auch Wietzeetz u. Wuthses), ein altdeutscher Ortsbegriff in dem noch der Hinweis auf Wodan hervorklingt. Eine durchgehende Besiedlung der Wutzetzer Feldmark belegen bronzezeitliche Funde und ein germanisches Bronzedorf von ca. 2.000 v. 0 an der Grenze zu Nackel. Der Zootzen erstreckte sich ursprünglich von der Gegend um Friesack bis zum Kremmener Forst und zum Brieselank („Birkenlande“ 1315 als Brisenlank erwähnt) östlich von Nauen (Namensgeber der Gemeinde Brieselang). H. Klingenbergs Geburtsort Nauen liegt nur ca. 36 km südöstlich davon. Hier gibt es den „Semnonenbund Europa e. V.“. Der Seherin oder Priesterin Ganna, die von den ihren als heilige Frau verehrt wurde und stellvertretend die dem Mann ebenbürtige Frau repräsentiert, ist das Projekt „Historisches Dorf GANNAHALL“ gewidmet.
 
Hlewagast - Genie aus dem Holsten-Hain - Bildner der Goldhörner von Rosengaard
 
Sicherlich die bedeutendsten germanischen Kulturzeugnisse der frühen Völkerwande­rungszeit sind die beiden zusammengehö­renden Goldhörner von Rosengaard, dem späteren Galle­hus/Galgenhaus (weil hier der Galgenort von Mögeltondern lag), einer klei­nen Ansiedlung im deutsch-däni­schen Grenzbereich. Das runenlose Horn wurde 1639, das beschädigte unvoll­kommene, so­gen. „Runenhorn“ 1734, etwa an gleicher Stelle, im Be­reich des Landweges von Ribe nach Ton­dern, gefunden. Sie gelang­ten in die königl. Kunst­kammer zu Kopenhagen, aus der sie 1802 von einem gewöhnlichen Dieb gestoh­len und eingeschmolzen wurden. Ihr Aus­sehen blieb nur deshalb sehr genau überliefert, weil vier zeitgenössische Kupferstiche vor­han­den sind. Der rei­che figürliche Bil­derschmuck der Kunstwerke (Sösdala-Stil) lässt eine zeit­liche Einordnung etwa um das Jahr 400 zu. Das unbeschädigte Goldhorn wog 6 Pfund, war 67,6 cm lang und an der Spitze of­fen, so dass die Kopenhagener Museumswärter darauf zu bla­sen pflegten. Es war indes nicht schwierig, die kleine Öffnung zuzuhalten, um es als Trink­horn zu nutzen (Fas­sungsvermögen 1,3 Liter). Beide Hörner maßen im oberen Umfang 30 cm. Der eingepunzte und aufgelötete Bilderschmuck überzog sie so vielgestal­tig und ist nur zu ei­nem geringen Teil un­strittig deutbar.
 
Das beschädigungsfreie runenlose Kultgerät war so gebaut, dass über den eigentlichen Gold­horn­kern 13 reich verzierte Goldreifen gestreift waren. Auch für das un­vollkommene Runen­horn sind im ursprünglichen Zustand 13 Reifen anzunehmen. Der Runen­schrift­zug lautet: ek hlewagastiR holtijaR horna tawido, zumeist über­setzt: „Ich Ruhmesgast Holtijar (Sohn des Holt) Horn an­fer­tigte“.  Es scheint sich, oberflächlich betrachtet, um eine schlichte Herstellerinschrift bzw. um das Signum eines Werkmeisters zu han­deln - allerdings in stabgereimter Form; dreimal erscheint der h-Anlaut. Wer Runen deuten will, darf aber nie vergessen, dass er einen Verrät­se­lungswil­len vor sich hat, dass in der Re­gel ein mehrschichtiges Geheimnis gelöst wer­den will. Von der weitrei­chenden Vieldeutigkeit jedes einzelnen Wortes muss ausge­gangen werden. Wenn nach Holtijars Kalkül sein Beiname (hlewagast) auch - oder in erster Linie - der „Ruhm­volle“ bedeuten sollte, so wird sich dieses schwülstige Adjektiv nicht auf seine Person, son­dern auf die Buchstabenanzahl dieses Begriffes bezogen haben. Er setzte diese von ihm selbst ge­schaffene Worteinheit mit dem hohen Sinngehalt der Zahl 13 in eins. Das mag selt­sam klin­gen - ek­hlewagastiR (ich Hle­wagast) wurde ohne Worttrenner mittels 13 Runen ge­schrieben.
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