MYKENIER IN BERNSTORF

CopyrightGerhard Hess / Oktober 2016

MÖGLICHER URSPRUNG DER T-RUNE

 
Abb. 1 - Gravierte Bernsteinfunde von Bernstorf
(Größen nicht maßstabsgetreu !)
 
Abb. 2 - Diadem von Bernstorf, Kopfschmuck einer Götter-Statue ?
 
 
Abb. 3 - Ausschnitt von rotfigurigem Vasenbild; Aphrodite-Altar-Figur.
  Abb. 4. - Artemis mit Diadem auf rotfiguriger Lekythos.
Abb. 5 - Ausschnitt von rotfigurigem Vasenbild; wohl Aphrodite und Eros.
 
Schon im Jahre 1848 berichtete der damalige Kranzberger Pfarrer Josef Grassinger: „Es geht eine Sage, dass zwischen Tünzhausen, Bernstorf und Kranzberg eine versunkene Stadt liegt.“ Dieses alte Volkswissen fand mittlerweile seine Bestätigung. Angaben über die Funde von Bernstorf dürfen den allgemein zugänglichen Informationen entnommen werden. Hoch über dem Ampertal befand sich in der Bronzezeit bei Bernstorf (Gemeinde Kranzberg) eine bedeutende Burg. Sie war mit einer Holzmauer und Grabensystemen befestigt. Durch eine Jahresringdatierung der Bauhölzer lässt sich ein Errichtungsdatum um 1.370 v.0 ermitteln. Die Mauer wurde aus einem engen Rahmenwerk übereinander liegender Hölzer errichtet. Sie war an der Frontseite mit Lehm verputzt. Die Befestigung und die Siedlung gingen in späterer Zeit, nach einem verheerenden Brand, zugrunde. Die Burganlage wurde im 20. Jahrhundert zum größten Teil durch den Betrieb einer Kiesgrube beseitigt. Dadurch sind kaum Einzelheiten über die Siedlung bekannt. Die Amper fließt in die Isar und diese mündet in die Donau, so dass die Höhensiedlung Bernstorf-Kranzberg von der Donau aus erreichbar war. Ihre einstige überregionale Bedeutung lässt sich aus den bedeutenden von dort stammenden Funden ableiten. Hierzu zählen neben dem vielteiligen Goldfund auch zwei gravierte Bernsteinstücke. Eines davon, wohl ein Siegel, trägt eine Gravur in deutlicher mykenischer 
 „Linea-B“-Schrift (vgl. Abb. 1).
 
Unter den 1998 gehobenen Goldfunden befanden sich ein diademförmiges Goldblech von extrem reinen Feingoldgehalt, so eine Art „Krone“ (Abb. 2), drei Anhänger und die 33,2 Zentimeter lange Kopfputznadel einer Dame. Die weiteren Fragmente von verzierten Goldblechen waren verbogen und mit Lehm ummantelt, was sie vor dem Großbrand geschützt hatte. Dies spricht für eine absichtliche Niederlegung. Die Spuren von Weihrauch und Holzreste, die den Goldblechen anhafteten, lassen annehmen, dass es sich um den Schmuck einer Götterfigur handelte. Ihre Gestaltung zeigt Parallelen zu Funden des frühgriechischen Mykene, wie der berühmten sog. „Goldmaske des Agamemnon“. Man hat von Seiten einiger Fachleute - wie gewöhnlich, muss man schon sagen - die Herkunft des Goldes aus dem östlichen Mittelmeerraum angenommen. Beim Fund der sog. Nebra-Scheibe war es zunächst geradeso. Ich schaute mich nach Vergleichsfunden um und stieß auf die rotfigürliche Vasendarstellung eines sehr ähnlichen Diadems mit 5 Sprossen das eine frühgriechische Göttinnenstatue - angeblich Aphrodite - trägt. Sie steht über dem Weihealtar, welchem von links Herakles ein Kuhopfer zuführt (Abb. 3). Das Bild zeige ich nur als Detailausschnitt, auf dem Gesamtbild liegen Rechte („Bibliothèque des Arts Décoratifs”, Paris). Und eine weitere Vase (Lekythos) wäre diesbezüglich zu beachten, sie zeigt wohl die Göttin Artemis mit einem solchen Diadem auf dem Haupt (Abb. 4). Die Fundbezeichnung lautet: „Artemisa, lekythos figuras rojas V a.C., Museo Estatal del Hermitage. Artemis da de comer a un cisne, representada con una piel de animal sobre sus hombros y sosteniendo en su mano una copal tipo kylix.” Abb. 5 zeigt den Bildausschnitt einer attisch-rotfigurigen Vase des Kadmos-Malers, um 400 v.0, wohl Aphrodite und Eros. Die abgebildeten Göttinnen-Darstellungen scheinen Diademe zu tragen, welche dem Fund von Bernstorf auffällig nahe kommen. Mit einem entsprechenden Kopfschmuck könnten in der Bronzezeit auch männliche Idole geschmückt worden sein.
 
Das in obiger Abbildung erste Bernsteinstück zeigt auf einer Seite das Antlitz eines bärtigen Mannes, auf der anderen Seite befinden sich Sinnzeichen; offensichtlich Speer, Rad und Doppelaxt, also gängige Motive der Herrschaft in europäischer Altzeit (Abb. 1 - oben re.). Es soll sich um mykenische „Linea-B“-Buchstaben für „do-ka-me“ handeln; dem kann ich nicht folgen. Das zweite Bernsteinstück, das möglicherweise als Siegel benutzt wurde, trägt die Inschrift „pa-nwa-ti“ (Abb. 1 - unterer Bernstein). Meiner unmaßgeblichen Meinung nach könnte es sich bei der Silbenfolge um die Ideogrammzeichenfolge einer Gottesbezeichnung handeln: „Vater-Herr-Gott“. (mykenisch „wa-na-ka“ / „wanaks“ = Herr / Fürst - „pa“ = patēr, Vater) Vom Objekt aus betrachtet würden dieser als „pa-nwa-ti“ gelesene Schriftzug, als Siegelabdruck genau umgekehrt: „tin-wa-pa“ (Gott-Herrscher-Vater) heißen. Diese Inschrift wird förmlich unterstrichen durch das darunter befindliche Kronen-Sinnzeichen. Der Althistoriker Tassilo Schmitt vertritt die These, „wa-na-ka“ sei die Bezeichnung eines Gottes gewesen. Die Silbenfolge „Tinwa“ ist - wie erkannt wurde - als eine Volksbezeichnung des mykenischen Fürstentums Pylos überliefert, so dass „Tinwa-pa“ auchVater/Fürst/Gott der Tinwa heißen würde.
 
Ebenso wie bei den Runen werden die mykenischen Schriftzeichen - wahlweise - als Laut- wie als Sinnbildzeichen verwendet worden sein. Der griechische Chronist Georgios Sygkelos berichtete vor einigen Jahren, dass der Name „pa-nwa-ti“ bzw. „Panwati“ in der Periode, in der die Argonauten nach Kolchis fuhren, als Name eines „Archonten“, d. h. eines edlen Mannes, Herrschers, vielleicht auch eines reichen Händlers, vorkommt. Die Argonautensage wurde aus Bruchstücken von wesentlich älteren Quellen im 3. Jahrhundert v.0 von Apollonios Rhodios vollständig aufgeschrieben und zeigt neben der sagenhaften Handlung das Wissen der Achäer/Mykener von der Kenntnis des Schwarzen Meeres, der Donau und der Adria. Sie könnten also bis zur bedeutenden Ansiedlung bei Bernstorf gelangt sein und hier die in Frage stehenden Funde hinterlassen oder deren Anfertigung angeregt haben.
 
Die mittelbronzezeitliche Befestigung von Bernstorf, Gem. Kranzberg, war offenbar eine der größten Befestigungen südlich der Donau und nördlich von München bzw. der Alpen. Sie erstreckte sich auf einem Höhenrücken über dem Ampertal mit einer Ausdehnung von 583 mal 380 m und bedeckt eine Fläche von 12,77 Hektar. Die Länge der Holz-Erde-Mauer betrug 1,645 Kilometer. Hier fand man die besprochenen Funde der mykenischen „Linea B“-Schrift. Eine Bernstorf-Inschrift verweist auf ein Volkstum in der Peloponnes, genauer von Pylos im äußersten südwestlichen griechischen Küstenstreifen. Die Erkenntnis ist damit gegeben, hinsichtlich einer Beziehung zwischen Mykene und Altbayern. Ein Fragenkomplex taucht damit auf, über die Art der erkannten Kontakte. War Alt-Bernstorf eine Handelsniederlassung der Mykenier, ein beispielsweise Bernsteinumschlagplatz, oder war es möglicherweise die alte Heimat der frühgriechischen Mykenier, denn, dass Gruppen der Frühgriechen aus dem Donaugebiet in die Balkanhalbinsel und in den Peloponnes eingewandert sind darf als sicher gelten. Die Verbindung der Urbayern mit den Frühgriechen ist also belegt. Da die ältesten Aschenaltäre des griechischen Gottvaters Zeus im Donaugebiet und im Alpenvorland erscheinen, ist die Abwanderung „süddeutscher“ Volksteile in die Balkanhalbinsel hinein, also die Einwanderung der griechischen Dorer aus dem Donauraum, unabweisbar anzunehmen. Und die Aufrechterhaltung der verwandtschaftlichen Verbindungen zwischen den Auswanderern mit den in ihren Heimatregionen Verbliebenen ist ebenso gewiss. Noch die in der Völkerwanderungszeit aus Schlesien nach Afrika abgewanderten Wandalen, hielten - nach Auskunft antiker Schriftsteller - Verbindung mit den Volksbrüdern in der Urheimat, um sich ihrer unveräußerlichen alten Rechte dort zu vergewissern bzw. rückzuversichern.
 
Die frühgriechischen Mykenier sprachen eine dem Keltischen/Germanischen/Deutschen verwandte indogermanische Sprache. Ihre Schrift war eine die sich aus Silbenzeichen zusammensetzte. Ihre Silbe „ti“ - wie sie im Zuge des Wortes „tin-wa-pa“ zu sehen ist - müssen sie - als Einzelzeichen betrachtet - mit der Gottesvorstellung in Verbindung gebracht haben - so dachte ich - denn es handelt sich um den indogerm. Begriff „ti / di“ = „hell, licht, brennen“, der seit Urzeiten für die Benamung des Lichtbringergottes, des Himmelsgottes herangezogen worden ist, so dass es zu den Gottesnamen kam, wie ind. Dyaus(-pitar) und griech. Dios und Dione (Gott und Göttin) / Zeu(-pater) / Zeus, lat. Deus, röm. Diēspiter (Tagvater), aus der sich Diu(-piter) / Iuppiter / Jupiter entwickelte. Das „iu“ in Iupiter ist identisch mit dem ziu in griech. Zeus, germ. Tiwaz, ahd. Ziu/Tiu, ags. Tiv, altnord. Tyr. Mykenische Götternamen waren: Pa-ja-wo-ne = Paiāwōn (Paieon) der Name des Apollon. In Pylos hieß die Göttin bzw. Herrin „po-ti-ni-ja“ = Potnia. Die Ahnengottheit, möglicherweise ein Vorläufer des Wodin-Odin, „ti-ri-se-ro-e“ = Trīshērōs („Dreiheld / dreifacher Heroe“). Die große Göttin hieß „di-u-ja / di-wi-ja“ = Diwia / Dia. Die Mykenier schrieben „ti“ =   und „di“ = , wobei der Gottesbegriff „Dia / Dios“ folgerichtig mit der „di“-Silbe geschrieben wurde. Aber das „di“-Zeichen gleicht eben auch einer Himmelsstütze mit Himmelsdach, und es gleicht unserem lat. „T“-Buchstaben. Die drei kleinen Striche unter dem „Himmelsdach“ meinen möglicherweise die göttliche Vollkommenheit z.B. im Sinne des „aller guten Dinge sind drei“, oder der Dreierdimensionalität der Zeit, von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.
 
In den von Linea-A“ und „Linea-B“ beeinflussten Systemen kyprischer Silben-Zeichen sieht „ti“ wechselweise so aus: . Das germ. Runenzeichen für den Konsonanten „t“ ), mit dem - nach Ausweis der Runenlieder - Gott Tiu/Tyr gemeint ist, kommt - wie es naheliegend erscheinen muss - aus der Tradition des Symbols für Himmelsvater bzw. Das-Göttliche, nämlich den ur-europäischen Silbenzeichen „ti / di“. Da es sich bei allen Schriftzeichen ursprünglicher Artung um Bildkürzel handelt, die sich auf den Begriff beziehen den sie verdeutlichen sollen, kann das Silbenzeichen nur die Weltstütze meinen, mit dem darüberliegenden Himmelsdach / Himmelsmantel -, flach oder gewinkelt, so wie die mykenischen und zyprischen Silbenzeichen „ti“ tatsächlich variabel gezeichnet worden sind, mitunter nicht anders als das spitzdachige runische „t“-Zeichen. Der Runenstein von Flemlöse auf der Däneninsel Fünen zeigt die „t“-Runen mit gewölbtem (Himmels-)Dach. Als ich 1993 in meinem Buch „ODING-Wizzod“ die „t“-Rune aus einer urgeistigen Tradition des „ti“-Silbenzeichens der altgriech. „Linea-B“-Silbenschrift vermutete, konnte mir natürlich der Umstand noch nicht bekannt sein, dass „Linea-B“-Schriftfunde mit der „ti“-Silbe auf bayerischem Boden gefunden würden. Der entsprechende Fund von Bernstorf lässt es aber denkbar erscheinen, dass auch weitere „Linea-B-„Texte (bzw. Spätformen) - oder Wissende darüber - in den Norden gelangten, von denen der Runenschöpfer Kenntnis erhielt.
 
Der Begriff „ti-nwa-ti-ja“ ist als Volk in helladischer Zeit von Pylos belegt. (Fritz Gschnitzer, „Frühes Griechentum: historische und sprachwissenschaftliche Beiträge“, 2001, S. 6) Pylos liegt in Messenien der Region des südwestlichen Peloponnes. Das alte Pylos und seine Umgebung sind Fundorte von großen Mengen an Bernstein, Siegeln und einer großen Anzahl von Tonplomben mit Siegelabdrücken aus mykenischer Zeit. Hier stand der Palast des Nestor. Der Archäologe Wilhelm Dörpfeld (1853-1940) war der Auffassung, eine Siedlung bei Kakovatos - ca. 50 km nördlich von Pylos - sei der homerische Sitz des Nestor. In den frühmykenischen Gräbern die er untersuchte, fanden sich mehr als 500 Bernsteinperlen. Heinrich Schliemann (1822-1890) schrieb über seine mykenischen Untersuchungen: ,,Neben dem Kopfe der mittleren der drei mit den Häupten nach Osten gewandten Leichen fand ich mehr als 400 größere und kleinere durchbohrte Kugeln von Bernstein. Ungefähr ein gleiches Quantum Bernsteinkugeln wurde bei einer der mit dem Kopfe nach Norden gewandten Leichen gefunden. Alle diese Bernsteinkugeln sind ohne Zweifel in Form von Halsketten auf Schnüre gezogen gewesen ...“. (vgl. Silvia Schulz, „Die Bernsteinschieber von Mykene“, S. 104 ff, in „Archäologie u. H. Schliemann 100 Jahre nach seinem Tode. Rückschau u. Ausblick. Mythos - Geschichte - Wissenschaft“, 2012)
 
Der Kreis scheint sich zu schließen. Den Bernstein können die Frühgriechen nur aus dem prädeutschen Norden bezogen haben, nämlich höchstwahrscheinlich (auch) über die donauländische Siedlung Bernstorf, welche ihrerseits die Ware von Fundstätten in der deutschen Bucht bzw. von Eidermündung und Helgoland bezog. Es ließen sich eine Menge Argumente beibringen, diese Mykenier im Südwesten der Peloponnes als seetüchtige Einwanderer aus Europas Norden vermutlich zu machen. Beispielsweise ihre Spiralmusterdekors entsprechen ganz dem skandinavischen bronzeitlichen Sonnenspiral-Symbol-Enthusiasmus.
 
„Nestor-Becher“, 8. Jh. v.0 mit nordischer Spiral-Säule auf Weltenberg
 
Der interessante Fingerzeig in den europäischen Norden stellt der sog. „Nestorbecher“ dar, er zeigt in geometrischer Form die nordische Doppelspiral-Säule auf dem Weltenberg, die ich als Urform der urgermanischen Allsäule (sächs./ahd. Irminsul) erkannt und ausführlich beschrieben habe. In der Nekropole von Pithekoussai, nahe dem Monte Vico auf der ital. Insel Ischia, fand der Archäologe G. Buchner 1954 bei Ausgrabungen ein Trinkgefäß. Es wurde im letzten Drittel des 8. Jh. v.0 vermutlich auf Rhodos hergestellt, während die Inschrift in Pithekoussai eingeritzt wurde und zwar im chalkidischen Typus und in einem euböischen Dialekt. Chalkis, eine der Mutterstädte von Pithekoussai, war im 8. Jahrhundert v.0 eines der wichtigsten Zentren der ionischen Adelskultur. Chalkida / Chalkis ist die Hauptstadt der Insel Euböa in der Region Mittelgriechenland. Der Becher gelangte zur Griechenkolonie Ischia, wo es zusammen mit weiterem Tongeschirr als Grabbeigabe eines 12- bis 14-jährigen Jungen verwendet wurde. Rhodos - der Entstehungsort des nordischen Allsäulen-Dekors - ist die Hauptinsel der griechischen Inselgruppe in der Südost-Ägäis. Im 14. Jh. v.0 kolonisierten Mykener die Insel, ab dem 11. Jh. v.0 ließen sich hier dorische Griechen nieder, im 8. Jh. v.0 müssen wir aber Einflüsse der nordischen Philister/Phönizier in Rechnung setzen. 
 
Der Becher hat mit dem legendären bzw. historischen Nestor, dem König von Pylos, nichts zu tun. Man nennt ihn nur so, weil sich seine Inschrift auf Nestor bezieht. Das war ein Held der griechischen Sagenwelt. In Homers „Ilias“ spielt er eine der Hauptrollen unter den alten, erfahrenen und weisen Ratgebern von König Agamemnon. Der mächtige Nestor besaß eine führende Rolle im ersten Krieg der vereinten Griechen gegen Troja. Er konnte insgesamt 90 Kriegsschiffe entsenden. Auch war er ein Kamerad Iasons auf der Fahrt des Expeditionsschiffes Argo. Homer bezeichnete ihn als „diós“, also göttlich und als „Beschützer der Krieger“, und beschreibt den im Altertum viel diskutierten „Nestorbecher“, den der trinkfreudige Held nach Troja mitbrachte. Es gibt verschiedene Versionen von der Argonauten-Fahrt. Die Männer planten das Goldene Widderfell in Kolchis, im Ostschwarzmeerraum, zu erwerben, durften über den Bosporus nicht in die Ägäis zurück, weil sie dort abgefangen werden sollten und müssen sich deswegen zwangsläufig einen Weg über die einmündenden Flüsse gesucht haben. In einer Version der Sage sollen sie über das nördliche Europa herum und über die Straße von Gibraltar wieder ins Mittelmeer gelangt sein. Eine andere Version, die uns Plinius hinterließ, berichtet von der Strecke über die Donau und Nauportus (deutsch: Laibach - 85 km langer Fluss in Slowenien) zur Adria. Dass damit das Schiffschleppen verbunden war, wie in alter Zeit durchaus üblich, erklärt Plinius selbst. (Richard Hennig, „Abhandlungen zur Geschichte der Schiffahrt“, 2013, S. 112) Möglicherweise sind diverse mykenische Erkundungs- oder Handelsfahrten in den Norden zu einem Sagenstrang vom Argonautenzug verbunden worden.
 
Der älteste datierbare Nachweis für Alphabetschrift im antiken Griechenland ist der „Nestorbecher“, welcher der spätgeometrischen Zeit entstammt (735-720 v.0). Gefunden wurde er auf Ischia (Pithekussai) im Grab eines 12/14 jährigen Jungen, um 720-710 v.0. Die eingeritzte dreizeilige Inschrift im euböischen Alphabet, ist von rechts nach links zu lesen (wie die ursprügliche ODING-Runenreihe): „Nestor hatte einen Becher, aus dem gut zu trinken war; wer aber aus diesem Becher trinkt, den wird sogleich die Sehnsucht der schönbekränzten Aphrodite ergreifen.“ Der derzeitige Forschungsstand glaubt an die Entstehung der griech. Alphabetschrift unter dem Einfluss von phönizischen Seehändlern, den Nachfahren europäischer Eroberer Palästinas, den Philistern bzw. Seevölkern. Da die Schriftzeichen des „Nestor-Bechers“ schon deutlich von den phönizischen abweichen, lässt sich schließen, dass die Anregungen zur Entwicklung des griech. Alphabets lange Zeit vor der seiner Gestaltung erfolgt sein dürfte. Wie genau die Schrift entstand, ist aber noch völlig unklar. Gesichert ist, seit diesem Zeitpunkt (720 v.0) hat sich die altgriechische Sprache vielfach aufgespalten und fortentwickelt. Die Lautschrift eignete sich erstmals für umfängliche Texte im Gegensatz zur vorangegangenen Silbenschrift. Die früheren Formen der Silbenschrift, die seit dem 2. Jahrtausend v.0 in Griechenland, Kreta und Zypern existierten, wurden allein noch auf Zypern in Gestalt der kyprischen Schriften verwendet. Die Silbenschrift, wie die mykenische „Linear B“, mit Zeichen nur für offene Silben eigneten sich allein für einfache behördliche und kaufmännische Texte, wie z.B. Inventar-, Städte- und Warenlisten.
 
Was ist festzuhalten ?
 
1.) Frühgriechen bzw. Mykenier hatten Kontakt mit dem Donauland- und Voralpengebiet (Bernstorf).
2.) Das war eine der ältesten Hochkulturregionen Europas, wie die stichbandkeramischen ca. 7.000-jährigen Sonnenkulttempel im Isarborgen beweisen (Künzing / Meisternthal).
3.) Die Mykenier unterhielten oder besuchten in der Großsiedlung bei Bernstorf eine Weihestätte, einen Tempel oder Altar.
4.) Der weise mykenische Führer Nestor besuchte während der Argo-Expedition wahrscheinlich auch den Donauraum. Er und seine Genossen werden dort den begehrten Bernstein eingehandelt haben.
5.) Nestor war Fürst von Pylos im Peloponnes, wo die Gräber voller Bernstein befunden wurden.
6.) Die in Bernstorf gefundene „Linea-B“-Inschrift nennt einen Volksnamen von Pylos, womit die Annahme wahrscheinlich gemacht ist, dass Bernstorf von Mykeniern aus Pylos besucht wurde, oder diese Volksgruppen im südlichen Donaugebiet sogar ihre Urheimat hatten.  
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