RUNEN-ERKENNTNIS

 

RUNEN-ERKENNTNIS
 
In Nacht und Sturm an Nordlands Meer -
gischt-gärendes Grauen um mich her -,
ich rief auf ragendem Felsenriff,
der Asen-Rune Zauber-Begriff:
 
„Wodin erscheine -, weise Dich mir -
jede Seelenfaser fiebert nach dir -,
du geisterst im Innern von Wort und Zahl,
du bist des Allwissens ewiges Mal !“
 
Ich raste und rang -, ich bot und bat:
„Raun’ mir der Runen heiligen Rat,
gib mir der Urwahrheit Kenntnis kund,
mach’ meine suchende Seele gesund !"
 
Bin ich verworfen im wirren Wahn ?
Kein Zeichen zeigt’ mir Erhörung an;
kein Rabenschrei, kein Flügelschlag,
kein Flammengesicht erscheinen mag.
 
Kein Sternenlicht zum Sinnen lud,
der Mond nur glotzte in bleicher Glut -;
durch wirbelwilde Wolkenscharen,
gen Ost im Ostwind, schien er zu fahren.
 
Ich blickte hinan, vom Schaubild gebannt.
„Nächtige Sonne“ wird Wodin genannt.
Gewendelt wider den Tagsonnen-Sinn,
so dreht sich der kreisende Kosmos dahin !
 
War das die Botschaft, die er mir bot ?
Hilft Gottes Natur aus Erkenntnisnot ?
Wie sind die Runen des Lebens zu raten ?
Wie wirken wir taugliche Worte und Taten ?
 
In Nacht und Sturm an Nordlands Meer -,
über Wolkenwipfel zog Wodins Heer.
Wer immer da lauscht auf Lohe und Welle,
die guten Geister sind ihm zur Stelle !
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