GALLEHUS-GOLD-HÖRNER

Mit Prof. Dr. H. Klingenberg u. Dr. K. Kibbert  am Fundort-Gedenkstein der Gallehus-Hörner / Nordschleswig-Südjütland - 07.04.1987

 

HOLTIJAR HORNA
(des Holsteiners Hörner)
 
Holtijar Meister, der kundige Zwerg,
in Rosengaard stand er beim Schmiedewerk,
er strich sich das Haar und den langen Bart:
„Hab meine Weisheit nun lange gewahrt !
 
Nun will ich sie bannen ins Gold hinein,
soll ein Gebet an die Götter mir sein.
Ich will sie beschwören zur bessren Zeit,
dass ihnen verhängtes Unheil gereut !“
 
Zwei goldene Hörner wie’s keiner je sah,
schuf der Hain-Parawari, der Holijar.
Als Runen-Schlüssel, als Zeichen und Zahl,
verbarg er die Botschaft im Material.
 
Es lieben die Götter was stark und geheim,
sie schätzen am besten verborgenen Reim,
sie achten die Zahl als höchstes Symbol,
denn Rechenwerk ist alle Schöpfung wohl.
 
Steht jetzt die Schöpfung vor Midgards Fall,
ist Wolfszeit und Beilzeit all überall.
Der Osten hat hunnische Schrate erweckt;
ein Dämon schlitzäugige Tatern deckt ?
 
Gardariki zerfiel und die Goten flieh’n
wie Zugvögel herbstlich nach Süden zieh’n.
Germanische Brüder stehen im Streit,
Trugspiel und Hurerei macht sich breit.
 
Das glänzende Heile wird nieder geduckt,
zwei Sonnen wurden vom Wolf verschluckt.
„Drum Gottheit, lass’ werden besseren Gang“,
so ertönte des Holtijars Hörner-Gesang.
 
Zwei Hörner in der Jahr-Runen Gestalt,
in denen sich Weistum des Nordens ballt,
damit sich der Jahrgang zum Guten dreht,
weil das Godt im Kreislauf der Zeiten geht.
 
Und die Runen-Gebete sie wurden erhört,
des Attilas Hunnen-Macht haben zerstört,
West-Goten, Gepiden aus nordischem Mut.
wenn Muot mag bleiben, wird alles gut !
 
 
PS: Anfang 5. Jh. n.0 schuf ein Nordgermane aus Holstein das größte uns bekannte mathematische Weltwunder - den mathematisierten Runensatz auf einem der beiden Goldhörner von Rosengaard (Nordschleswig) bei Gallehus - als ein abstraktes Gebet an die Gottheit, in einer Zeit des chaotischen Umbruchs durch die politische Katastrophe des Hunnen-Einfalls.
 

Worterklärung: „Mut“ stammt aus indogermanisch mo- = sich mühen, starken Willens sein, heftig nach etwas streben, germanisch moda-, mōþa-, mōþaz, mōda-, mōdaz = Sinn, Mut, Zorn, althochdeutsch muot = Sinn, Seele, Geist, Gemüt, Kraft des Denkens, Empfindens, Wollens. --

 
Der Professor für Sprachwissenschaft Theo Vennemann schlug vor, das Wort „Horna“ der Goldhorn-Inschrift als Akkusativ Dual („das Hörnerpaar“) zu interpretieren, also wie: „Ich Leugast aus Holt, habe das Hörnerpaar gemacht“. (Vennemann 1989, S. 366) Siehe dazu auch Thomas Klein, „Zu Horna und zur sprachlichen Einordnung der Gallehus-Inschrift“ in „Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur“, Bd. 114, Heft 2 (Jan. 1992)
 
 
Im Museum Kopenhagen beim Goldhorn-Studium, 1993
 
 
Die Erklärung der Reime findest Du hier:
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