17.04.2022
 
 
Die Halbinsel Krim ist der südlichste Teil der Ukraine, auf der germanische Goten bis ins 17. Jh. nachweisbar waren. Links oben in der Karte ein gotischer Reiter, rechts oben die Ruine der Gotenburg von Mangrup. In den Hochplateaus der Krim hatten vor allem im sechsten Jahrhundert nochmal viele Goten eine neue Heimat gefunden. Mangrup ist eine ehemalige befestigte Höhensiedlung auf der Krim, südlich von Bachtschyssaraj. Unter dem älteren Namen Dori ist es als Hauptstadt der Krimgoten bekannt. Das Fürstentum Theodoro oder Gothia war ein Feudalstaat im südwestlichen Teil der Krim, der vom 13. bis zum 15. Jahrhundert bestand. Die Hauptstadt Dori/Doros hieß zur Zeit der Existenz des Fürstentums ebenfalls Theodoro. Die Siedlung befindet sich auf dem Tafelberg Mangup, dessen etwa 90 ha großes Plateau das sich 250 bis 300 m über die umliegenden Täler erhebt. Auf drei Seiten boten steile Felswände der Höhensiedlung einen natürlichen Schutz. Die Mauern sind 1.500 m lang, die Gesamtlänge der Befestigungsanlagen (mit natürlichen Felsbarrieren von 20 bis 70 m Höhe) beträgt 6.600 m. Auf dem Gebiet der Festung befinden sich viele Quellen. Mangup liegt in der Nähe der Straße von Salesnoje nach Ternowka, in der Nähe der Ortschaft Chadschi-Sala.
 
DIE UKRAINE
 
„Ukraine“, ein urdeutsches Wort,
es heißt, die „Außengrenze“,
sie war ein Teil vom Gotenreich,
wohl mehrere hundert Lenze.
 
Das Großreich „Gardariki“,
beherrschte diese Räume,
bis jener Hunnenhordensturm
zerschlug der Goten Träume.
 
Hunnen war‘n ein Mördervolk,
das weite Land versteppte,
die Große Völkerflucht begann,
bis Attilas Macht verebbte.
 
Wieder kam ein Strom von Nord,
es waren die Waräger,
man hieß sie Ruderer und Rus,
des Nordens Bannerträger.
 
Es gründeten das Kiew-Reich,
germanische Krieger-Sippen
wurden durch den Handel reich,
mit Speck auf ihren Rippen.
 
Der Dnepr ist ein breiter Strom,
da schaukelten die Masten,
bis hinab ins Schwarze Meer,
wo die Byzantiner prassten.
 
Das ging so gut, mal her und hin,
im Kampf mit den Chasaren,
verschlagene Turkmongolen,
die jüdisch-gläubig waren.
 
Erneut kam ein Tartarensturm,
es war‘n des Dschings Horden,
Sie ritten bis nach Liegnitz hin,
sie kannten nichts als Morden.
 
Das Land verödete wiederum,
doch konnten sich bewahren,
Siedler der Goten auf der Krim,
bis in 17. Jahrhunderts Jahren.
 
Wenn der Putin die Ukraine will,
weil sie moskowitisch gewesen,
dann melden wir ältere Rechte an:
Sollt‘ sie nicht deutsch genesen ?
 
Das ist natürlich nur ein Spaß,
der zeigen soll, dass haltlos ist,
Besitzrechte der Vergangenheit
anzuführen für erneuten Zwist.
 
17.04.2022 - Die Geschichte der Ukraine ist von Kämpfen nach Unabhängigkeit geprägt, die bis heute anhalten. Kaum ein Land musste länger um seine Souveränität kämpfen als die Ukraine, kaum eines für die Erlangung seiner Freiheit mehr Leid erdulden. Die Geschichte der Ukraine von der skandinavischen Dynastie der Rurikiden bis heute. „Noch sind der Ukraine Ruhm und Freiheit nicht gestorben“, hebt die Nationalhymne des Landes an, das sich in diesen Tagen so verzweifelt gegen den russischen Überfall zur Wehr setzt. Gedichtet wurden die Verse 1862. Der Autor Pawlo Tschubynskyj träumte von einer Heimat, aus der die Feinde verschwinden „wie Tau in der Sonne“ und deren Bürger „Herren sein werden, im eigenen Land“. Die Ukraine war, als dieser Text entstand, wie so viele andere Nationalstaaten, noch eine bloße Idee. Doch kaum ein Land musste länger um seine Souveränität kämpfen, kaum eines für die Erlangung seiner Freiheit mehr Leid erdulden. Noch heute ist die letzte Schlacht um die Unabhängigkeit der Ukraine nicht geschlagen. Russlands Präsident Wladimir Putin führt als Rechtfertigung für seine Invasion im Nachbarland einen durch nichts belegten Völkermord an russischstämmigen Ukrainern an - und die Geschichte. Sein bizarrer Vortrag vom 22. Februar, gehalten zwei Tage vor Kriegsbeginn, hat denselben Inhalt wie sein kruder historischer Aufsatz vom Sommer 2021. Der trug den unmissverständlichen Titel „Über die historische Einheit der Russen und der Ukrainer“. Darin schildert der Kriegstreiber im Kreml die Geschichte der Ukraine als einen Prozess, in dem das ostslawische Reich der Rus nach seinem Zerfall im Spätmittelalter über die Jahrhunderte nach und nach in einer gemeinsamen Staatlichkeit „wiedervereint“ wird - der russischen. Putin, der den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj einen „Neonazi“ nennt, obwohl dieser Jude ist [...], kultiviert mit seiner verzerrten Geschichtsdeutung einen realitätsfernen Mythos [das ist Unsinn, warum solle es keine jüdischen Nazis geben, wenn der Schimpfbegriff im heutigen Sinne genutzt wird ?!]. Das beginnt schon mit dem Rückgriff auf das vermeintlich slawische Großreich der Rus. Tatsächlich dürfte die Geschichte der Ukraine auf die skandinavische Dynastie der Rurikiden zurückgehen. Die Nordmänner treiben im Mittelalter entlang des Flusses Dnjepr Handel mit dem Byzantinischen Reich und verlegen den Sitz ihrer Dynastie im Jahr 882 nach Kiew. In ihrem losen Herrschaftsbereich, der auf der Gefolgschaft tributpflichtiger Fürsten beruht, leben neben Slawen auch Balten, verschiedene Turkvölker, Juden und Griechen. Die guten Beziehungen zu Byzanz führen dazu, dass die heidnischen Rurikiden 988 zum orthodoxen Christentum übertreten. Die Bevölkerung folgt ihren Fürsten mit einer Massentaufe im Dnjepr. Der Glanz der Kiewer Rus verblasst bald. Das hat mit der abnehmenden Bedeutung von Byzanz zu tun, vor allem aber mit der Erbfolgeregelung der Rurikiden. Das sogenannte Seniorat sieht vor, dass Kinder und Enkel jeweils eigene Territorien zugewiesen bekommen und gemeinsam herrschen, wobei dem jeweils Ältesten der Vorstand im Familienrat und das größte Territorium zusteht. Die Folge der komplizierten Regelung sind endlose Bruderkriege. Das dergestalt geschwächte Gebiet der Rus wird in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von den Mongolen überrannt, die Kiew im Dezember 1240 niederbrennen. Die Hauptstadt der Rurikiden-Dynastie verlagert sich deshalb nach Moskau. Dorthin wechselt 1325 auch der Sitz des russisch-orthodoxen Oberbischofs, des Metropoliten. Das einstige Kernland der Rus wird zur „Ukraine“, wörtlich zum „Grenzland“ [ein germanischer Begriff: Außenrain]. Im Laufe der Jahrhunderte gehören einzelne ukrainische Städte und Regionen unterschiedlichsten Staaten an. Auf die mongolische Herrschaft der „Goldenen Horde“ folgt der Aufstieg des Großfürstentums Litauens, das sich um 1.400 bis ans Schwarze Meer ausdehnt. Litauen, seit 1386 in Personalunion mit Polen verbunden, bleibt für die westlichen Teile der Ukraine fast vier Jahrhunderte die bestimmende Macht. Die dortigen Ukrainer erkennen den römischen Papst als Kirchenoberhaupt an, halten ihre Gottesdienste aber weiter nach orthodoxem Ritus ab. In den durch die Mongolen weithin entvölkerten Steppen nördlich des Schwarzen Meeres lassen sich ab dem 16. Jahrhundert Wehrbauern nieder, die in der Geschichte der Ukraine eine große Rolle spielen werden: die Kosaken. Anfangs siedeln sie vornehmlich auf Inseln oder entlang des Dnjepr. Zu Pferd sind sie den Steppenvölkern, die ständig einfallen, militärisch unterlegen. Aber nach und nach eignen sie sich die Fähigkeiten der Tataren an und schließen sich in Kriegszeiten zu größeren Verbänden zusammen. Die Kosaken wählen ihren Anführer, den Hetman, in einer Versammlung – und können ihn auf demselben Weg wieder entmachten. Auch die obersten Richter und Offiziere werden von der Gemeinschaft bestimmt. Je mehr die militärische Schlagkraft der Kosaken zunimmt, desto mehr behaupten sie sich als eine eigenständige politische Kraft im Ständestaat Polen-Litauen. Ende der 1640er-Jahre kommt es zu Aufständen in weiten Teilen der Ukraine, in deren Verlauf ihr Anführer Bohdan Chmelnyzkyj die Unabhängigkeit anstrebt. Zu diesem Zweck bittet er 1654 den Zaren in Moskau, die Kosaken „unter seine hohe Hand“ zu nehmen. Was nach russischer Lesart die Vereinigung der Ukraine mit Russland darstellt, ist zunächst eine Allianz, in der beide Seiten sich gegenseitige militärische Unterstützung zusagen. Den kosakischen Warlords ist in erster Linie an ihrer Autonomie gelegen. Die können sie sich aber nur kurz bewahren. Unter Peter dem Großen werden sie stärker an die Zentralgewalt gebunden. Ein neu gebildetes „Kleinrussisches Kollegium“ erhebt erstmals Steuern, auch die Gerichtsbarkeit wird den Kosaken entrissen. Ab 1722 gibt es keinen Hetman mehr, 1783 gehen die Kosakenreiter in der russischen Kavallerie auf. Nach der Zerschlagung Polens durch die Großmächte Russland, Österreich, Preußen [historische Reihenfolge korrigiert], und fallen weite Teile der heutigen Ukraine an Russland. In Wellen findet fortan eine Russifizierung statt. 1876 wird die ukrainische Sprache in der Öffentlichkeit gänzlich verboten. Doch wie in vielen Ländern Europas bildet sich im 19. Jahrhundert in der Ukraine ein Nationalbewusstsein heraus. Der Leibeigene Taras Schewtschenko, der in seinen Gedichten die Unterdrückung durch die russische Fremdherrschaft schildert und zum Widerstand aufruft, wird 1847 mit einer Gruppe von Intellektuellen verhaftet und verbannt. Erst zwei Jahre vor seinem Tod darf er in seine Heimat zurückkehren, wo er heute als Nationaldichter verehrt wird. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebt die landwirtschaftlich geprägte Ukraine einen erstaunlichen Aufschwung. Die Kohlegruben im Donezbecken liefern um 1900 gut zwei Drittel der gesamten Kohleproduktion Russlands. Zudem kommt mehr als die Hälfte des russischen Stahls aus der Südukraine. Millionen von Zuwanderern strömen in das „Ruhrgebiet Russlands“. Die Bevölkerungsstruktur im Donezbecken verändert sich nachhaltig. Das industrielle Herz des Landes wird bis heute mehrheitlich von Russischstämmigen bewohnt [zugewanderte Fremdarbeiter]. In den 1920er-Jahren gewinnt die Ukraine, die mittlerweile Sowjetrepublik ist, für eine kurze Zeit ihre nationale Identität zurück. Es gibt eine große Kampagne zur Alphabetisierung, zugleich entstehen Hunderte ukrainischsprachige Grundschulen. Umso härter trifft die Machtübernahme Stalins 1927 die Bevölkerung. Die gerade zugelassenen ukrainischen Schulen, Bibliotheken und Kirchen müssen wieder schließen. Auf eine gnadenlose Zwangskollektivierung der Landwirtschaft folgt die Deportation Hunderttausender Bauern. Die Kolchosen werden trotz zweier Missernten 1931 und 1932 derart ausgepresst, dass den Bauern vielerorts weder Getreide bleibt, um ihr Vieh zu füttern, noch genug, um im Jahr darauf neues Saatgut auszubringen. Während Stalin ukrainisches Getreide ins Ausland verhökert, um die Industrialisierung der Sowjetunion zu finanzieren, sterben vier Millionen Ukrainer den Hungertod [nach anderen Angaben bis zu 15 Millionen]. Als Holodomor (wörtlich „Tötung durch Hunger“) geht die Katastrophe ins kollektive Gedächtnis ein. Die sowjetische Propaganda pflegt dagegen die Legende vom „Brudervolk“. 1954 schlägt Staatschef Nikita Chruschtschow die vormals russische Krim der Ukraine zu. Geschwisterliebe dürfte nicht der Beweggrund gewesen sein. Plausibler sind verwaltungstechnische Überlegungen. So erhält die Krim bis zur Annexion durch Russland 2014 gut 90 Prozent des Trinkwassers und 80 Prozent der Gasversorgung vom ukrainischen Festland. Mit dem Zerfall der Sowjetunion erklärt die Ukraine sich 1991 für unabhängig. Ein Referendum in der Bevölkerung befürwortet die Lossagung von der Union der Sowjetrepubliken mit der überwältigenden Mehrheit von 90 Prozent. Sogar auf der überwiegend russischen Krim stimmt eine Mehrheit für die Unabhängigkeit. Wirtschaftlich bleibt das Land, das wie Russland unter einer maroden Industrie und ausufernder Korruption leidet, aber von billigen Gasimporten und Krediten aus Moskau abhängig. Besonders die jüngere, städtische Bevölkerung drängt um die Jahrtausendwende auf eine Hinwendung zum Westen. Als Reaktion auf einen offenkundigen Wahlbetrug ruft der westlich gesinnte Oppositionsführer Wiktor Juschtschenko Ende 2004 zum Generalstreik auf. Die Orangene Revolution mobilisiert Hunderttausende und erzwingt Neuwahlen. Auch als der russlandfreundliche Präsident Wiktor Janukowytsch sich Ende 2013 weigert, ein über Jahre ausgehandeltes Assoziierungsabkommen mit der EU zu ratifizieren, strömen die Ukrainer zu Protesten auf die Straßen. Bis zu einer halben Million Bürger halten Kiews zentralen Platz, den Maidan, bei tiefen Minusgraden monatelang besetzt. Mehr als 100 Menschen sterben bei Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht, ehe das Parlament Präsident Janukowytsch das Vertrauen entzieht und das Abkommen mit der Europäischen Union unterzeichnet werden kann. Im Gegenzug annektiert Russland, zunächst mit irregulären Truppen, die Krim. Fast zeitgleich übernehmen von Russland unterstützte Rebellenmilizen die Kontrolle in den südöstlichen Gebieten Lugansk und Donezk und erklären diese zu unabhängigen „Volksrepubliken“. Acht Jahre lang befeuert der Kreml den Konflikt im Osten des Landes. Waffenstillstandsabkommen werden Monat für Monat hundertfach verletzt, ehe Wladimir Putin am 24. Februar 2022 einen Großangriff befiehlt. Ein weiteres, dunkles Kapitel in der Geschichte der Ukraine wird gerade geschrieben. „Leib und Seele geben wir für unsere Freiheit“, heißt es gegen Ende der ukrainischen Nationalhymne. Dass die tapferen Bewohner des Landes erneut dazu gezwungen sind, dieses Bekenntnis unter Beweis zu stellen, verängstigt und erzürnt einen großen Teil der Welt. (von André Weikard)