KLAUS STÖRTEBEKER

 

KLAUS STÖRTEBEKER

Ein Kerl auf der Kajüten-Bank,
Klaas Störtebeker liebt den Trank,
er stürzt den Becher in den Mund,
er leert den Humpen bis zum Grund.

Sie liegen an Ostfrieslands Pier,
es schäumt das braune Einbeck-Bier,
die See-Gesellen lärmen laut,
bis dass im Ost der Morgen graut.

Der wilde Klaus ist See-Pirat,
von starker, freier Friesen-Art.
Zu Lande ward das Leben bitter,
da herrschen Büttel, Pfaff und Ritter

Allein das Meer von Freiheit spricht,
auf grünen Wellen schäumt die Gischt
und Kiele segeln drüber hin -,
der Handelsfahrer sucht Gewinn.
 
Freibeuter fliegen übers Meer,
kein Wind, kein Wetter ist zu schwer,
und kommt der Sturm von steuerbord,
geht’s über Skagen hoch nach Nord.
 
Wenn auch ein Wirbel Wanten fetzt,
kein Seemann ist darob entsetzt,
er fürchtet Teufel nicht noch Tod,
auch nicht den Zar in Nowgorod.
 
Der dicken Koggen schwere Fracht,
von Kaperfahrern aufgebracht,
die an der Hanse Reichtum naschen,
sie wandert in Piraten-Taschen.

Das Meer macht alle Männer gleich,
hier wird ein fester Kerl noch reich.
In L i k e d e e l e r s Bruderschaft
wird gleich geteilt was sie errafft’.

Zu weit, zu rau sind keine Strecken,
sie zeigen Hamburgs Pfeffersäcken,
dass ewig junger Wiking-Geist
die Herr’n in ihre Schranken weist.

Die Losung lautet: „Gottes Freund
und aller Weltmacht bester Feind“.

Ob Rügen, Gotland, Helgoland,
umkämpft ist Nordlands Waterkant.

Doch schließlich schafft’ die Hanse Ruh,
es fing den Klaus die „Bunte Kuh“.
Am End’ siegt stetig Kaufmanns Geld,
es hängt und köpft den Freiheitsheld.

 

 

Klaus Störtebeker (Klaas Störtebecker / Storzenbecher, um 1360-1401) war ein Freibeuterkapitän der Ost- und Nordsee. Die genaue Herkunft von Störtebeker ist nicht bekannt, möglicherweise war er Sachse oder Mecklenburger. Die Kaperfahrer sog. Vitalienbrüder oder Likedeeler (Gleichteiler) waren wie eine verschworene Bruderschaft, sie hatten sich auf der Insel Gotland häuslich gemacht und betrieben von dort ihre Seeräuberei bis nach dem norwegischen Bergen und England. Ihre Beute konnten sie im ostfriesischen Marienhafe, in Wismar und Rostock frei verkaufen. Die Hansestädte beschlossen ihn zu jagen, doch er soll den überlegenen Hansekoggen mit schnellen Schiffen mehrmals auf die hohe See entkommen sein. Am 22. April 1401 wurde Klaus Störtebeker von einem Verband hamburgischer Vredekoggen (Kriegsschiffen), unter dem Kommando der Ratsherren Nikolaus Schocke und Hermann Lange, vor Helgoland gestellt und nach hartem Kampf gefangen genommen, dann auf der Schnigge „Bunte Kuh“ nach Hamburg gebracht. Der Sieg soll erst durch die Hilfe eines Verräters ermöglicht worden sein, welcher flüssiges Blei in die Steueranlage goss und damit Störtebekers Schiff manövrierunfähig machte. Am 21. Oktober 1401 wurde er mit 72 Gefährten, unter ihnen sein Steuermann Humbert Grobherz, auf dem Grasbrook vor Hamburgs Hafeneinfahrt durch den Schafrichter Rosenfeld enthauptet. Als dieser für seine Henkersarbeit gelobt wurde, soll er geantwortet haben, er könne auf Wunsch auch noch den gesamten versammelten Hamburger Rat abtun. Daraufhin wurde auch er enthauptet. Störtebekers berühmter Trinkbecher wurden beim Großen Hamburger Brand 1842 zerstört. Den legendären Gold- und Silberschatz der Likedeeler soll erst jener Schiffszimmermann in den Masten gefunden haben, der das Hauptschiff des Freibeuters aufgekauft hatte.

 

Bild: Klaus Störtebeker im Hamburger Dungeon

http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg_Dungeon

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