LINDISFARNE


 

 
GEGEN LINDISFARNE
 
Ragnar, der Rote, fasst' Thorgrims Hand:
„Lass' uns fahren gegen Nordhumberland.
Wir schicken elende Schotten zum Thurs,
wir steuern auf Lindisfarne unsern Kurs !“
 
Der hagere Tüsker - aus Hedeby - lacht:
„Den Tanz hätt’ ich gerne auch mitgemacht,
mir springt das Schwert aus der Scheide fast,
hab’ ja  das Christenpack immer gehasst.
 
Die Schneide der Streitaxt jammert nach Blut,
mir staut sich im Herzen unsagbare Wut.
Die Masse der Mönche, fetteste Molche,
schmähen die Götter, die ekligen Strolche.
 
Ich rüste zur Rache für Tochter und Frau,
die gemeuchelte Sippe im Sachsen-Gau -,
den Vetter den sie in Verden erschlugen,
weil sie keine Ehrung des Odin ertrugen.“
 
Kein Nordmann hat sich je aufgespart,
zum sonnigen Sommertag ging es auf Fahrt.
Am Kattegat schlug doch das Wetter um,
ein rasender Sturm bog die Rahen krumm.
 
Steil stemmen sich Böen in’s Segeltuch,
Finnbogi am Steuer zerbiss einen Fluch.
Die Meerdrachen hielten sich wetterfest,
unbeirrbar stießen die Steven gen West.
 
Der Regen peitschte die bärtigen Wangen,
an Mastbäumen haben die Fetzen gehangen.
über Reling-Schilde schäumte die Gischt,
doch Wikinger-Fäuste erlahmen nicht.
 
Und Odin beschirmt seine braven Gesellen,
vor Ägir und Rán und den gierigen Wellen.
Den Tapfersten gönnt er den blutigen Fall,
die holen Walküren hinauf nach Walhall.
 
Dann am achten Lida-Mond war es soweit,
germanisches Nordland Vergeltung schreit.
Hundert Kiele kreuzten zur Küste auf,
das blutige Rachewerk nahm seinen Lauf.
 
Es rasten die Recken zum Kloster hin,
dort lockte nicht Ruhm doch barer Gewinn.
Manch’ wertiges Kleinod ward da gefasst,
das die Mönche gescheffelt in Klostermast.
 
Der Ragnar brüllte: „Verbrennt, verbrennt,
all’ die thursischen Texte auf Pergament !“
Die Flammen zerfraßen das Klostergebälk,
da wurde die Schandstätte wüst und welk.
 
Bis heut’ noch wallt in so mancher Ader,
der uralte schlimme, nie endende Hader.
Der fordert die Götter der Heimat zurück,
Geister der Fremde bringen kein Glück !
 
 

 

Alkuin, der namhafte englische Gelehrte am Hofe „Karls des Großen“, berichtete der Nachwelt über den Angriff der Wikinger am 8. Juni 793 auf das Missionskloster Lindisfarne an der Küste Northumberlands: „Niemals zuvor brach ein solches Entsetzen über Britannien herein. Die Kirche des Heiligen Cuthbert ist besudelt mit dem Blut der Priester Gottes und all ihre Schätze wurden geraubt.“ In den Angelsächsischen Chroniken wird bereits für das Jahr 787 ein Wikingerangriff gegen England verzeichnet. Über die viel grauenhafteren, über Jahrzehnte andauernden Verbrechen seines Gönners König Karl, verlor der christliche Mann kein betrübliches Wort. Diese tendenziös einseitige Erschütterung über Untaten derer auf deren politischen Seite man nicht steht und gleichzeitige Verharmlosung der eigenen Frontseite, blieb typisch bis in unsere Gegenwart. So erzürnte sich Albert Einstein, der Salonkommunist, beispielsweise mit keinem Wort über die bolschewistischen Massenmode in der Sowjetunion, Ungarn und Deutschland, umso aufgeregter aber schmähte er die viel später erfolgten Untaten der Nazis. Der sogenannte „Überfall“ und „Raubzug“ auf das Kloster St. Cuthbert auf Lindisfarne war nicht die erste aber markanteste Reaktion heidnischer Nordlandbewohner nach lang andauernden Menschheitsverbrechen, wie Überfällen, Raubzügen und Massenmorden seitens der europäischen allerchristlichsten Machthaber, zu welchen sie vom fanatischen Klerus angestachelt worden sind und die sie sich von den perfiden Mönchen legalisieren ließen. Die vorausgegangenen Ausplünderungen heidnischer Gemeinwesen - wie z.B. der fränkische Diebstahl sächsischer Weihetumsschätze von Eresburg / Obermarsberg im Jahre 772 - galten diesen indoktrinierten Geistern ganz fraglos als „gottgefällige Werke“. Als „Blutbad von Verden“ bezeichnet man eine in den Quellen überlieferte Hinrichtung von 4.500 heidnischer Sachsen bei Verden an der Aller auf Befehl König Karls im Jahre 782 während der Unterjochung Sachsens. Aber ein ausgeraubtes nordenglisches Kloster ließ sie bis auf den heutigen Tag in nicht endende Weherufe ausbrechen. Der Racheakt am Kloster auf Lindesfarne war konsequent gewählt, galt doch die Grafschaft Northumberland als „Wiege des Christentums“ für den Norden, weil auf Holy Island ein Zentrum der „Klosterkultur“ d.h. eine Art christlicher Hochschule der Hetze gegen das Heidentum eingerichtet worden war. Der Wikinger-Angriff auf Lindisfarne, wie die folgenden Ausgriffe nordischer Ruder- und Kriegermannschafen, sind allein zu erklären und zu verstehen, wenn wir uns den bösartigen, rücksichtslosen, entehrenden Umgang des christianischen Missionswesen gegenüber altgläubigen Menschen und Staaten vor Augen halten. Dem Heiden gestattete man keinerlei Rechte zu, man ließ ihm nur die Wahl zwischen dem Tod und dem „Zukreuzekriechen“. Zweifellos waren bei den Kauf- und Raubfahrten der Wikinger zahllose nach Skandinavien geflohene, entwurzelte Männer aus Sachsen dabei, die während den mörderischen frankochristlichen Verheerungs- und Verschleppungszügen in Norddeutschland ihrer Besitztümer und Familien beraubt worden sind. 
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