ALBRECHT I. DER BÄR

ALBRECHT DER BÄR

 

 

Die Burg Anhalt im Harz, eine Festungsruine im Stadtgebiet von Harzgerode, wurde 1123 von dem Askanier „Otto der Reiche“, dem Vater Albrecht I. des Bären, erbaut. Nach 1147 ließ Albrecht I. die Burg neu herrichten, wodurch sie eine der mächtigsten Befestigungsanlagen im Harzgebiet wurde, die bis etwa 1300 bewohnt blieb. Das Ausmaß der Burg war vergleichbar mit dem der Wartburg in Thüringen. Der Trockengraben mit Vorwall, der die Burganlage einschloss, hatte eine Länge von 543 Metern. (Burgmodell steht unterhalb vom Schloss Ballenstedt)

 

 

Albrecht I. von Ballenstadt, genannt „der Bär“ (1100-1170) war Markgraf von Brandenburg. Seine Mutter, Eilika, stammte aus dem Geschlecht der Billunger, das lange Zeit die sächsischen Herzöge gestellt hatte. Von König Konrad III. ist er mit der Herzogswürde betraut worden. 1147 beteiligte er sich an einem Feldzug deutscher Fürsten zur Rückeroberung an Wenden und Slawen verlorenen gegangene Gebiete. Er eroberte 1157 die Mark Brandenburg und nannte sich fortan Markgraf von Brandenburg. Diese Rückeroberung und die Reichstreue brachten ihm bei Kaiser Friedrich I. Barbarossa Anerkennung ein, der ihm die Würde eines Erzkämmerers verlieh, und damit das Geschlecht der Askanier bedeutend aufwertete. Die neu hinzu gewonnenen östlichen Gebieten des alten Germanenlandes der Semnonen ließ er im Sinne der Zeit christianisieren und zur Kolonisation fränkische, flämische und holländische Siedler anwerben. Güter, die vorher schon unter dem Einfluss der Ottonen gestanden hatten, wurden erneut eingerichtet. Die Volksburgen (Potsdam u.Spandau) ließ er zur Landessicherung neuzeitlich ausbauen. In seinem Todesjahr wurde in seinem Beisein der Havelberger Dom geweiht. Unter seiner Regie stiegen die Askanier - sein Vater war der askanische Graf Otto der Reiche - zu einem der bedeutendsten Herrscherhäuser des mitteldeutschen Raumes auf. Die Grabstelle Albrecht des Bären befindet sich im Westflügel des Ballenstädter Schlosses in der Nicolai-Kapelle. Sie wurde 1938 als nationale Weihestätte eingerichtet, hier findet sich das Grab von Albrecht des Bären, Sohn des Grafen Otto von Ballenstedt und erster Markgraf von Brandenburg und der Ostmark, und seiner Gemahlin Sophi. Die schön gestaltete Grablege nennt der Anhalt-Bauforscher Winfried Korf kurioserweise „entwertet, verfälscht, zerstört“, wohl nur deshalb weil deren Gestaltung im Dritten-Reich geschah. In einer Touristenschrift heißt es: „Doch das eigentlich Erstaunliche ist, dass Albrechts Grablege von 1170, zur Weihestätte umgedeutet, zwar nur noch von Touristen scheu beäugt statt von stramm stehenden Fahnenträgern salutiert wird, jedoch seine Aura bis heute unverändert und unkommentiert bewahrt.“ Den Leiter des Ballenstedter Stadtmuseums, Eberhard Nier, scheint diese Beobachtung zu überraschen. Er kennt die Geschicke des Schlosses wie kaum ein anderer, und hat viel getan, um Besuchern auf Tafeln Albrechts Lebensdaten und die verzweigte Ahnenreihe des Hauses Anhalt näher zu bringen. Er meint: „Die Gruft ist ein unverfälschtes Zeugnis vom Geist der damaligen Zeit.“

 
Mächtige Schlitzblättrige Goldbuche im Schlosspark von Ballenstedt, 11.04.2014
 

In der offiziellen Touristeninformation „Ballenstedt Kloster, Schloss und Schlossbezirk“, S. 11, „DKV Kunstführer Nr. 468/4“ heißt es: „Als Grabstätte Albrechts des Bären, von Fr. Maurer 1889 auch archäologisch nachgewiesen, rückt die Nicolaikapelle den Machthabern des Dritten Reiches in ihrer Suche und Sucht nach Legitimation ihres politischen Programms - analog den Stiftskirchen in Quedlinburg im Rückblick auf König Heinrich 1. und in Braunschweig auf Heinrich den Löwen - ins Bewusstsein. So stilisieren sie auch Albrecht den Bären, herausgelöst aus seiner Verflechtung in die Reichsgeschichte unter den Hohenstaufen und in seine eigene macht­politischen Bestrebungen im Zusammen- und Gegeneinanderspiel der Dynasten Mitteldeutschlands, zur Symbolfigur des »Ostlandreiters« und damit zum rechtfertigenden Vorläufer ihrer eigenen aggressiven Ostpolitik. Um dies sichtbar zu zelebrieren, lassen sie die Nicolaikapelle 1938 durch den Architekten Paul Schultze Naumburg »umarbeiten«: Den östlichen, ins Langhaus hineinragenden Abschnitt mit den Bogenöffnungen trennte dieser durch eine Mauer in der Ostflucht des Westriegels als ein Defilee heraus. Durch eine vergitterte Rundbogentür in der Mitte blickt man auf die Grabstätte Albrechts des Bären und seiner Gemahlin, durch eine auf den Steinplattenboden gelegte Grabplatte vor allen anderen Bestattungen herausgehoben, ideell »überhöht« durch ein zu seinem Haupt altarähnlich aufgestelltes Säulenkapitell aus dem Langhaus der Kirche und einer darüber in die Westwand eingefügten Bronzetafel mit dem entsprechend abgefassten Dedikationstext, den zwei gleichermaßen nachträglich eingepasste biforale Blendarkaden sinnfällig flankieren. Das Säulenkapitell war angeblich im 19. Jahrhundert bei einem Türdurchbruch im Mauerwerk des barocken Nordflügels von 1748 gefunden worden. Die Blendarkaden wurden aus Bauspolien von Fensterarkaden des romanischen Palas der Burg Anhalt zusammengestückt. Damit ist dieser so geschichtsträchtige Raum baukünstlerisch und ideell entwertet, verfälscht, zerstört worden.“

Ein durchaus interessanter Text, der bis auf den geschichtsklitternden Unsinn lesenswert ist, dass die Politiker des Dritten-Reiches Albrecht den Bären für ihre „aggressive Ostpolitik“ als Aushängeschild benötigt hätten. Angesichts des Umstandes, dass Weltkrieg I. ausgelöst wurde durch die aggressive panslawistische Politik des zaristischen Russland (Jörg Friedrich, „14/18 - Der Weg nach Versailles“, 2014) und den nach Kriegsende einsetzenden aggressiven polnischen Insurgenten-Angriffen in Oberschlesien, sowie den deutschfeindlichen Gesetzeswerken zur aggressiven polnischen Vertreibung der Deutschen aus Westpreußen, hatte die damalige deutsche Außenpolitik Anlass genug, mit Sorgen und Angst über die Ostgrenzen zu schauen -, zunächst ganz ohne eigene - möglicherweise durch Albrecht I. initiierten - Gelüste.

 

Siegel von Albrecht dem Bären, Umschrift: Adelbertus D(e)i gr(ati)a marchio (in Brandenborch)

 
ALBRECHT DER BÄR
 
Ein Mann hoch wie sein Eschenspeer,
mit Flammenaugen und rotem Bart,
so war der Hüne „Albrecht der Bär“,
so hat man den Grafen gewahrt.
 
In Ballenstedt saß er im Rittersaal,
sieben Söhne auf eichener Bank
mit den Gesellen bei Met und Mahl,
als im Westen die Sonne versank.
 
Auf hob Herr Albrecht das Auerhorn,
er gab seinen Mannen Bescheid:
„Im Osten lockt mich des Lichtes Born,
dort dehnen sich Gaue so breit !
 
Doch drunten im fernen Römer-Land,
rinnt zwecklos das deutsche Blut,
gerad’ auch im sarazenischen Sand,
erschöpft sich der Reichs-Ritter Mut.
 
Im Osten, vor unserem eigenen Tor,
im germanischen Urväter-Heim,
hier in die Wälder und Heiden, ins Moor,
pflanzt neu mir den fruchtbaren Keim !“
 
Und was der starke Askanier geplant’,
seine Erben sie haben’s vollbracht,
neu wurden Ostlandes Wege gebahnt,
und befestigt des Reiches Macht.
 
So sei dem „Bären“ die Würde gewährt,
einem Inbild der rüstigen Tat -;
im Frührot hat er die Kräfte gemehrt,
mit eiserner Faust und der Bauern Saat.

 

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