DER BLUTHUND

 

DER BLUTHUND

Irrsinn, Wahn und Frömmigkeit,
vermählten sich im Herzensgrund,
zur Herrschaftszeit der Christenheit,
zum grausig mörderischen Bund.

Jenseits der Alpen saß ein Mann,
auf seinem goldnen Stuhl und Hort,
man glotzte ihn als Götzen an,
man lag im Staub vor seinem Wort.

Dem bösen Papst im bösen Rom,
schien deutscher Geist zu frei gesinnt;
was tun, dass deutscher Silberstrom,
rastlos in römische Kästen rinnt ?

Um deutschen Ketzergeist zu zügeln,
zur tumben Fron zurück zu zwingen,
ließ er die Ketzermeister klügeln,
Mordbrand nach Germanien bringen.

Drei Räuber sich für Rom gesellten -;
Konrad von Marburg, dem Magister,
zwei Wölf’ sich dienstbar unterstellten,
des Papstes Vollmacht im Tornister.

Ein Dämon war der Dominikaner,
als Mönch von Tours wurd' er bekannt;
dazu Johann, der Schnüffler, Planer,
ihm fehlt’ ein Aug’ und eine Hand.

Ein jeder dieser drei Halunken,
hat Tausende dahingeschlachtet -;
der Papst hat freudevoll gewunken,
und seine Schergen hoch geachtet.

Herr Konrad liebt’ das Folter-Quälen,
in schwarze Kutte, dürr gehüllt -;
die Helfer freut’s den Raub zu zählen -;
so hatt’ sich Ketzerjagd erfüllt.

„Elisabeth von Thüringen“ -, verloren,
litt schrecklich in des Unholds Klauen,
Gehorsam hatt’ sie ihm geschworen;
er ließ sie nackt mit Ruten hauen.

Die Ausrottung der Unbotschaft,
hieß das Programm der Inquisitoren.
Unzählige siechten in der Haft -;
wen man ergriff, war bald verloren.

Der grausig irre Grundsatz hieß:
„Gleich Hunderte zu Tode richten,
eh einen Schuldigen man entließ -,
Schuldlose besser mitvernichten !“


Zahllose ließ der Henker brennen,
ob Weib, ob Mann, ob arm, oder reich -;
nur einer wollt’s nicht anerkennen,
an dem misslang des Konrads Streich.

Das war der Held Heinrich von Sayn,
ein Graf und Krieger, gerecht wie rau -,
siebeneinhalb Fuß maß sein Gebein -;
ragendster Reck' im Rheinland-Gau.

Er forderte fest ein „Send-Gericht“,
nach deutscher Sitt’ im Mainzer Dom.
Als Konrads Anklag’ dort zerbricht,
siegt deutsches Recht auch über Rom.

Sechs treue hessische Rittersleut’,
besprachen sich, ihn jetzt zu jagen;
bei Marburg, auf der Ebsdorf-Heid’,
des Papstes Bluthund zu erschlagen.

Um Nachsicht bat der Gnadenlose,
doch ward ihm kein Pardon gewährt,
er starb als Wurm in Jammer-Pose,
wie’s weiland dann die Welt erfährt.

Die Tat war ein Erlösungswerk,
im deutschen Land stieg Jubel auf -;
das sei noch heut’ ein Augenmerk:
Lasst keinem Unheil freien Lauf !

 

 
Bild: Konrad von Marburg (1180/90 - 30. Juli 1233), der vom Papst bestellter Beichtvater der Elisabeth von Thüringen, beim Züchtigen der jungen Frau, der er die Freundinnen, die Kinder und ihr Vermögen abnehmen ließ, so dass sie entkräftet und lebensmüde bereits im 24. Lebensjahr verstarb.

Zeitgenossen waren fast einhellig der Meinung, die der Erzbischof von Mainz auch dem Papst meldete: "Wer dem Konrad in die Hände fiele, dem bliebe nur noch die Wahl, entweder freiwillig zu bekennen und sich dadurch [mit Strafe] das Leben zu retten, oder seine Unschuld zu beschwören und unmittelbar drauf verbrannt zu werden."

Wenn der Papst-Gesandte Menschen-Jäger, Menschen-Peiniger und Zyniker Konrad von Marburg die „Heiligsprechung“ seines Opfers Elisabeth von Thürigen betrieb und der Papst es im Schnellverfahren akzeptierte, dann lag dafür nur ein einziger raffinierter Grund vor:

Man wollte kirchlicherseits ein weibliches deutsches Vorbild schaffen, denn die damalige Durchschnittsfrau hierzulande war - wie die Bischöfe immer wieder klagten - noch nicht demütig genug bzw. christlich-vertrottelt. Man brauchte ein Vorzeige-Vorbild für die völlige Selbstaufgabe einer Frau an klerikale Willkür ! So zog sich die Kirche den demütig-dumm-frommen deutschen Gretchen-Typus heran.

In diesem Sinne ist die „Hl. Elisabeth“ wahrlich ein - für nüchterne Betrachter - grauenerregendes „heiliges“, „nachahmenswertes“ Vorbild -, eine junge Frau die sich vom Pfaffen, auf dessen Befehl, mit nacktem Körper bis auf's Blut auspeitschen lässt, sich das lebenserhaltende Essen verbieten lässt, die ihr Vermögen der Kirche überantwortet, die ihrem „frommen“ Peiniger absoluten Gehorsam schwört (wer weiß, was dieser Perversling noch alles von ihr im stillen Kämmerlein verlangte), die sich nach dessen Wunsch von allen Freuden, von Freundinnen und ihren Kindern trennen lässt, und nach viel zu frühem, von ihrem „frommen“ Tyrannen verursachten Tod, als „Heilige“ noch werbewirksam vermarktet werden kann.
 
-o-o-o-o-o-
 
 
Graf Heinrich III. von Sayn (1193-1247), der Sieger über den Bluthund Konrad, war 2.25 m hoch.
Bild: Grabfigur, die seine Frau aus Eschenholz herstellen ließ; Aufbewahrungsort, Germanisches Museum Nürnberg.
Pin It