MORGENTHAU-PLAN, FAKE ODER FAKT ?

Zivile deutsche Bombenmordopfer in Dresden 13./14. Februar 1945
 
DEUTSCHES UNGLÜCK
 
Die Germanenbrut zu metzeln
war schon der Alten Römer Ziel,
„Pax Romana“ mit dem Pilum,
hieß ihr mörderischer Stil.
 
Dann die Horden aus dem Osten,
schlitzgeäugt und gelb die Haut,
raubten aus Germaniens Gauen
mörderische Menschen-Maut.
 
Dann der Glauben irrer Mönche,
war auf Heidenmord erpicht,
schleppte viele tausend Deutsche
vor der Henker Blutgericht.
 
Dann kamen Ketzerjägerzeiten,
Millionen „Hexen“ brannten hin.
Am Aderlass des deutschen Volkes
hatte nur der Papst Gewinn.
 
Dann der Krieg von 30 Jahren,
den die Pfaffen uns beschert,
weil sie immer streiten wollen
wie man Gott „zurecht“ verehrt.
 
Dann der Erbfeind aus dem Westen
schuf uns die Franzosengräuel,
als aus tausend Mordbrandstätten
gellte deutsches Wehgeheul.
 
Dann der Weltkrieg, wo es viele
Völker gegen Deutschland zog,
was der Englischmann erzwungen,
der perfid‘ die Welt betrog.
 
Dann des Dramas zweite Scene,
wo sie erneut, aus Ost und West
kamen, um ein End‘ zu machen,
mit dem letzten deutschen Rest.
 
DER MORGENTHAU-PLAN
 
Immer wieder werden von geschichtsinteressierten Leuten die Frage nach der Authentizität des sogenannnten „Morgenthau-Planes“ gestellt. Handelt es ich um eine Fixation von „Ewiggestrigen“, von „Verschwörungstheoretikern“, oder reinen Spinnern ? Eine sachlich korrekte Erklärung gibt dazu der Historiker Wolfgang Kaufmann ab: Vor 75 Jahren forderte der US-Finanzminister Henry Morgenthau, Deutschland nach dem Sieg der Alliierten in einen primitiven Agrarstaat zu verwandeln. Sein diesbezüglicher Plan kam zwar nie zur Ausführung beeinflusste aber die Besatzungspolitik der Vereinigten Staaten, bis er durch den Kalten Krieg obsolet wurde. Während der Teheran-Konferenz Ende 1943 einigten sich die „Großen Drei“ Franklin D. Roosevelt, Winston Churchill und Josef Stalin „im Prinzip“ über die Teilung Deutschlands. Darüber hinaus forderte der sowjetische Diktator auch noch die Deindustrialisierung des Reiches. Danach begann in US-Regierungskreisen die Diskussion über die konkrete Zukunft Deutschlands nach dem Kriege. Hierbei kam es zur Bildungvon zwei Fraktionen: Auf der einen Seite standen die Befürworter eines „harten Friedens“, welche vor allem im Finanzministerium saßen, auf der anderen Seite die Verfechter eines „realistischen Friedens“ im Außen- und Kriegsministerium. Dabei neigte sich die Waagschale im Sommer 1944 deutlich zugunsten der Letzteren. Diese rieten in ihren Denkschriften unisono zu einem schnellen wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands - nicht zuletzt, um die Besatzungskosten möglichst niedrig zu halten. In diesem Sinne fiel dann auch die „Combined Directive For The Military Government in Germany Prior To Defeat Or Surrender“ (abgekürzt CCS 551), die Besatzungsdirektive der vereinigten Stabschefs der USA und Großbritanniens vom 28. April 1944 aus, auf der dann wiederum das im Juni 1944 erschienene und vom alliierten Oberbefehlshaber Dwight D. Eisenhower abgesegnete „Handbook for Military Government in Germany“ basierte. Dieses sah ebenfalls vor, dass der besiegte Feindstaat den Großteil seiner Industrie behalten sollte. Wie wir heute wissen, spielte ein Offizier in Eisenhowers Stab, nämlich Colonel Bernard Bernstein, das Handbuch dem damaligen US-Finanzminister Henry Morgenthau zu. Der Politiker mit deutsch-jüdischen Wurzeln, welcher lediglich ein abgebrochenes Architektur- und Landwirtschaftsstudium vorzuweisen hatte, gehörte zu den engsten Vertrauten von Präsident Roosevelt und hasste die „teutonischen Bestien“ über alles. Deshalb geriet er in helle Aufregung, als er das Handbuch am 5. August 1944 auf einem Flug nach Großbritannien las, und versuchte sofort nach seiner Ankunft, Eisenhower, den britischen Premierminister Churchill und dessen Außenminister Anthony Eden davon zu überzeugen, dass die deutsche Schwerindustrie komplett zerschlagen werden müsse - ansonsten würde es nicht lange dauern, bis die „Hunnen“ wieder einen Krieg anzettelten. Außerdem bildete Morgenthau im Finanzministerium, das er seit 1934 leitete, einen Ausschuss für Deutschlandpolitik und informierte Roosevelt über seine Bedenken hinsichtlich der anvisierten US-Besatzungsstrategie. Daraufhin äußerte der Präsident in der Kabinettsitzung vom 25. August 1944, er teile Morgenthaus Standpunkt. Das wiederum bewog nun den amerikanischen Kriegsminister Henry L. Stimson zu einem entschiedenen Einspruch: „Ich kann mich … damit nicht einverstanden erklären, dass es eines unserer Kriegsziele sein sollte, die Deutschen auf dem Niveau des Existenzminimums zu halten.“ Das brachte Roosevelt aber keineswegs davon ab, einen Kabinetts-Ausschuss ins Leben zu rufen, der die Richtlinien für einen härteren Kurs gegenüber dem geschlagenen Gegner festlegen sollte. Jedoch obsiegte auch hier die Opposition gegen Morgenthaus Pläne. So rechnete Außenminister Cordell Hull vor, dass die angestrebte Deindustrialisierung des Reiches nur durch die Tötung oder Deportierung von 40 Prozent aller Deutschen möglich sei. Dennoch legte Harry Dexter White, die rechte Hand Morgenthaus - und wie sich später herausstellte, auch ein hochrangiger Agent Stalins - dem Kabinettsausschuss am 2. September 1944 eine Denkschrift namens „Suggested Post-Surrender Program for Germany“ vor, die später als „Morgenthau- Plan“ in die Geschichte einging. Das Dokument existiert nicht mehr, sein Inhalt wird aber beispielsweise in Morgenthaus Buch „Germany is Our Problem“ wiedergegeben. Deutschland solle dezentralisiert, demilitarisiert und deindustrialisiert werden, und seine Bevölkerung künftig ein Dasein als Ackerbauern und Viehzüchter führen. Außerdem wurden die Abtrennung Ostpreußens, Schlesiens und ausgedehnter linksrheinischer Gebiete sowie die Teilung in „North“ und „South Germany“ gefordert. Dass Morgenthau dies alles vollkommen ernst meinte, zeigen seine nachfolgenden Äußerungen wie die vom 4. September 1944: „Ich würde jedes Bergwerk und jede Fabrik zerstören.“ Und tatsächlich fiel dieser Plan auf fruchtbaren Boden: Auf ihrer Zweiten Québec-Konferenz vereinbarten Roosevelt und Churchill am 15. September 1944 „die Verwandlung Deutschlands in ein Land …, das in erster Linie einen landwirtschaftlichen und ländlichen Charakter hat“. Der britische Premier, der später den Eindruck zu erwecken versuchte, er habe mit der ganzen Sache nichts zu tun gehabt, wurde dabei auch von dem Wunsch geleitet, dem Vereinigten Königreich einen gefährlichen wirtschaftlichen Konkurrenten vom Halse zu schaffen. Allerdings meldeten die Außenminister Eden und Hull unverzüglich Protest gegen den Beschluss an, und das britische Kabinett lehnte ihn ebenfalls ab. Möglicherweise hätten sich Churchill und Roosevelt aber trotzdem durchgesetzt, wenn der Morgenthau-Plan nicht an die US-Presse durchgestochen worden wäre, die dann ab dem 21. September 1944 über ihn berichtete. Daraufhin brach ein Sturm der Entrüstung in den Vereinigten Staaten los, welcher den Präsidenten, der im November wiedergewählt werden wollte, dazu zwang, sich nur einen Tag nach den ersten Enthüllungen seitens des Kolumnisten Drew Pearson von dem Vorhaben zu distanzieren: „Morgenthau hat ‘nen ziemlichen Schnitzer gemacht.“ Das bedeutete indes nicht, dass der Plan des US-Finanzministers zur wirtschaftlichen Vernichtung Deutschlands nun völlig fallengelassen wurde. Schließlich hieß es in der ab April 1945 gültigen Besatzungsdirektive JCS 1067/6, welche die CCS 551 ablöste, die US-Militärgouverneure dürften „keine Schritte unternehmen, die (a) zur wirtschaftlichen Wiederaufrichtung Deutschlands führen könnten oder (b) geeignet sind, die deutsche Wirtschaft zu erhalten oder zu stärken“. Von diesem Kurs wurde erst unter Roosevelts Nachfolger Harry S. Truman abgewichen, der nun die Sowjetunion als künftigen Hauptfeind der USA betrachtete.
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