„DER GEWALTIGE KRIEG“

 

Ambiorix-Denkmal in Tongern/Belgien -
Gallogermanischer Freiheitskrieger gegen Rom
 
KÖNIG AMBIORIX
 
König Ambiorix sei gepriesen,
der zur Frühzeit schon erkannt,
dass kein Friedensschluss mit Bestien
retten könnte Volk und Land.
 
Cäsar kam mit den Legionen,
gut trainiert zu Mord und Raub,
vom Süden hoch gen Nord gezogen,
für ein Erbarmen war er taub.
 
Er nahm das Land der Eburonen,
als Imperator in Besitz,
sprach nach Römer-Art von Frieden;
manch‘ einer traute Cäsars Witz.
 
Er ließ sich in Aduatuka nieder,
die Metropole war ihm Recht.
Dort fingen Römer an zu herrschen,
doch das Volk schritt zum Gefecht.
 
Waren’s Germanen oder Kelten,
das ist letztlich einerlei,
denn der Nord lässt sich nicht binden,
macht sich seiner Fesseln frei.
 
Also ging‘s ans große Metzeln,
wie so oft in der Geschicht‘,
das Volk wurd' gänzlich ausgerottet,
Cäsar nannte das „Gericht“.
 
Hoffnungslos sind unterlegen
freier Völker Volkswirtschaft,
gegen Großstaat-Machtmaschinen,
und deren militärische Kraft.
 
So ging‘s Sueben wie den Sachsen,
Blutbäder brachten sie in Not,
letztlich ging‘s ans Herz Europas,
Millionen Deutsche schlug man tot.  
 
Lieber tot sein als ein Sklave,
sagt des Nordens hoher Sinn,
drum gilt Mut und Kampf zur Freiheit
als aller Tugenden Beginn !
 
„DER GEWALTIGE KRIEG“
 
Den „Immensum bellum“ (lat. „gewaltiger Krieg“) gegen den Norden Europas hatte G.J. Caesar (100-44 v.0) mit seinem Unterjochungs- und Ausrottungsunternehmen, dem sog. „Gallischen Krieg“ begonnen, im Jahr 58 v.0. Was vorher geschah an kriegerischen Auseinandersetzungen, waren Geplänkel, Raubzüge und hungernde, ackerlandsuchende Auswanderscharen, wie beispielsweise die Züge der Kimbern und Teutonen (113-101 v.0). Ihr großer Treck stand unter Führung des kimbrischen Königs Boiorix und des teutonischen Königs Teutobod. Schon bei ihnen ist eine scharfe Trennung zwischen Germanen und Galliern kaum möglich. Beides sind ursprünglich Nordlandbewohner deren religiöse und profane Kultur, ohne trennende Gegensätze, sich aus dem hyperboreischen Glauben des bronzezeitlichen Trichterbecher-Reichs entwickelt haben muss. Im Grunde sind die Göttergestalten sowie die Festzeiten beider Kulturkreise ziemlich gleichartig, wie es mit meiner sakralkalendarischen ODING-Erkenntnis nachzuweisen gelang. Infolgedessen sind gemeinsame - also gallogermanische - Unternehmungen und Aufstände auch nach den Kimbern und Teutonen historisch fassbar. Über die Kriegshandlungen der Jahre 54-51 v.0 schreibt Caesar in seinem „Bellum Gallicum“. Die Eburonen nennt er „germani cisrhenani“, also linksrheinischen Germanen, auch Kondrusen, Kärosern, Aduatukern und Kämanern bezeichnet er als Germanen. Im Buch 5, Kap. 24 heißt es: „Eine Legion, welche er kürzlich jenseits des Po ausgehoben hatte und fünf Kohorten schickte er in das Gebiet der Eburonen, dessen größter Teil zwischen der Mosa [die Mosel] und dem Rhein ist; welcher unter der Herrschaft des Ambiorix und Catuvolc(us) standen.“ Fürst Ambiorix regierte im Westen als Nachbar der Aduatuker und sein Bruder Catuvolcus in der Mitte des Stammesgebietes. Im Nordwesten müssen die Eburonen, laut Caesar, bis an die Nordsee gewohnt haben. Ihr Gebiet grenzte dort an das der Menapier. Ihre westlichen Nachbarn waren die Aduatuker, die südlichen waren Segnier und Condrusen. Weiter im Süden lag das Gebiet der Treverer, denen sie anhängig waren. In Buch 6, Kap. 32 schreibt Caesar: „Dann teilte er sein Heer in drei Teile und brachte das Gepäck der sämtlichen Legionen nach Aduatuka. Das ist der Name eines festen Platzes. Dieser befindet sich mitten im Gebiet der Eburonen...“. 54 v.0 errichteten die Römer provozierend mitten im Gebiet der Eburonen ihr Winterlager für eine Legion und fünf Kohorten. Die eburonischen Jungmannschaften wehrten sich unter Fürst Ambiorix, obwohl gutgläubige, friedliche Stammesmitglieder zuvor das Lager mit Getreide beliefert hatten. Ambiorix’ Sieg über die römischen Legionen in Atuatuca beruhte auf einer Kriegslist, die einige Ähnlichkeit mit der Taktik des cheruskischen Armin bei der Varus-Niederlage aufweist. Durch Vorspiegelung falscher Tatsachen veranlasste er den Legaten Quintus Titurius Sabinus, Kommandant des röm. Winterlagers, zur voreiligen Flucht, indem er ihnen den sicheren Abzug garantierte. Zumindest lautet so die Darstellung Cäsars. Die Streitkräfte des Ambiorix griffen den langgestreckten und schwer zu verteidigenden Tross der Legionen an, der sich in ungünstiger Lage in einem Talkessel befand. Bei dem Befreiungsschlag wurde ein Fünftel der röm. Armee ausgeschaltet, deren beide Legaten fielen und nur wenigen römischen Soldaten gelang die Flucht in ein südwestlich gelegenes Winterlager auf dem Gebiet der Nervier. Daraufhin schlossen sich Aduatuker und Nervier dem Abwehrkampf an. Auch die Treverer waren unter ihrem Fürsten Indutiomar(us) an dem Aufstand beteiligt. Im Herbst 53 v.0 griff Caesar in einem Rachefeldzug die Eburonen unter König Ambiorix erneut an, um sich für die Niederlage von Atuatuca zu rächen. Ambiorix konnte nur mit knapper Not einem röm. Kommandounternehmen entkommen, das auf seinen Kopf angesetzt war. Er war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr fähig, eigene Truppen zusammenzuziehen, und musste den Römern das Land seines Volkes zur Auslöschung preisgeben. Die komplette röm. Armeebesetzung, unter dem Schutz der 14. Legion, wurde nun erneut nach Aduatuca geschickt und das eburonische Gebiet der allgemeinen Plünderung preisgegeben. 2.000 germanisch-sugambrische Reiter rückten gegen das römisch besetzte Aduatuca vor, doch ihr Angriff scheiterte. Ambiorix gelang die Flucht zu rechtsrheinischen Germanen, Catuvolcus beging Selbstmord. Den führerlosen Stamm plante Caesar, einfach auszurotten. Er schreibt im Buch 6, Kap. 34: „Wenn er die Angelegenheit beendet und den Stamm verbrecherischer Menschen getötet wissen wollte, mussten mehrere Scharen abgesandt und die Soldaten vereinzelt werden...“ Und in Kap. 43 heißt es: „Alle Dorfschaften und Gehöfte, derer man ansichtig geworden war, wurden angezündet, Beutevieh wurde aus allen Gegenden weggetrieben...“ Einer der röm. Heerführer namens Hirtius berichtete zwei Jahre später, in Buch 8, Kap. 24,4: „Er (Caesar) selbst brach auf, um das Gebiet des Ambiorix in eine völlige Wüste zu verwandeln. Nachdem er die Hoffnung aufgegeben hatte, den völlig verängstigten Flüchtling (Ambiorix) in seine Gewalt zu bekommen, hielt er es danach für seine Ehre am angemessensten, dessen Gebiet so vollständig der Bürger, der Gebäude und des Viehs zu berauben, dass Ambiorix, von den Seinen gehasst, wenn das Schicksal einige überleben ließe, wegen des furchtbaren Unglücks nicht mehr zu seinem Stamm heimkehren könnte. Nachdem Caesar in alle Teile des Gebietes von Ambiorix entweder Legionen oder Hilfstruppen abkommandiert und alles durch Massaker, Feuer und Plünderung verwüstet, sowie eine große Anzahl Menschen getötet oder gefangengenommen hatte, sandte er Labienus in das Land der Treverer…“ Man wird bei der Schilderung Cäsars perfiden Planungen und selbstgerechten Eigenbetrachtungen an das Verhalten der Alliierten im Weltkrieg II. gegen das deutsche Volk und seinen Befreiungsführer aus der Versailler Knechtschaft, Adolf Hitler, erinnert.
 
Vor dem Eingreifen der Römer in die politischen Verhältnisse des Nordens gab es ganz offensichtlich die krasse Grenzziehung zwischen keltischen und germanischen Völkern nicht. So wie die gallisch-germanischen Kimbern und Teutonen Hand in Hand, aus den unwirtlichen Nordseeanrainerräumen, nach Süden wanderten, um neues Ackerland zu suchen, so gab es noch zu Zeiten des germ. Fürsten Ariowist (-54 v.0) keine grundsätzlichen gegenseitigen völkischen Vorbehalte. Er, der Heerführer der Sueben, war mit zwei Frauen verheiratet, einer Suebin und der Tochter des keltischen Königs von Norikum, zudem sprach er fließend keltisch. Ariowists linksrheinisches Eingreifen und angebliche Gräueltaten der Germanen propagierte Cäsar als brutalen imperialen Schachzug, was sich, in Anbetracht des röm. Eroberungsplanes und der damit einhergehenden rigorosen Keltenausrottungen, als schnöde Hetzpropaganda erweist. Die Rheingrenze zwischen Kelten und Germanen stellt eine willkürliche cäsarische Festlegung dar - die es vor ihm nicht gab (!) - ebenso wie die von ihm vorgenommenen völkischen Zuordnungen, die er aus Machtkalkül vornahm, um einen dauerhaften Keil zwischen die beiden nordischen Brudervölker zu treiben. Wie stark die gallogermanischen Volksteile in den linksrheinischen Gebieten zur Zeit des Ariowists und Cäsars waren lässt sich heute nicht mehr klar erkennen. Klar ist jedoch für mich, dass die Gemeinsamkeiten, bis zum Eingreifen Cäsars, überwogen. Allzu oft sind es raumfremde Mächte und Völker, welche Nachbarschaftskonflikte hervorrufen und schüren, um Konsolidierungen zu verhindern, um selbst in diesen Räumen Fuß fassen zu können, also daraus ihre eigenen egoistischen Vorteile zu ziehen.   
 
Die Eibe, gallogermanischer heiliger Baum
 
Miriam Blümel führt aus, in „Die Eburonen - Was geschah mit einem vorgeschichtlichen Volk im Rheinland ?“ (2008): Eigentlich war der Rhein für die Römer immer die Grenze zwischen Germanen und Kelten und dennoch bezeichnet Caesar einige linksrheinische Stämme als linksrheinische Germanen (germani cisrhenani). Die Eburonen erwähnt er in diesem Zusammenhang an drei Stellen 9: Buch 2, Kapitel 4: „...die Kondrusen, Eburonen, Käröser, Pämanen, welche mit einem Namen Germanen heißen...“ Buch 6, Kapitel 32: „Die Segni und Condruser aus der Völkerschaft und der Zahl der Germanen, die zwischen den Eburonen und den Treverern wohnen, schickten Gesandte zu Caesar, um ihn zu bitten, sie nicht als Feinde zu behandeln und nicht zu meinen, dass es eine gemeinschaftliche Unternehmung aller Germanen, die diesseits des Rheins sich befänden, sei...“ Buch 6, Kapitel 5: „Es waren dem Gebiet der Eburonen benachbart und durch fortlaufende Wälder und Sümpfe geschützt die Menapier...“ In jedem Fall zählt Cäsar die Eburonen zu den Germanen, ohne explizit zu behaupten, dass sie tatsächlich Germanen sind. Der Name der Eburonen ist jedoch mit Sicherheit als keltisch anzusprechen. Er leitet sich ab vom keltischen „eburos“, d.h. Eibe oder Taxusbaum, von denen es laut Caesar eine große Anzahl in Gallien und Germanien gab. Im übertragenen Sinn könnte er bedeutet haben: das Volk „denen die Eibe heilig ist“. Die Verehrung der Eibe ist in der keltischen Religion eher nachzuweisen, als in der germanischen. [Auch der germ. Weltenbaum Yggdrasil galt als ursprünglich als Eibe und als Nadelbaum, bevor seine Mythen in Island eine Umgestaltung zur Esche erlebten, da es auf Island keine Eiben gibt. Im ODING repräsentiert ihn der 12. Stab.] Ein heiliger Baum war ganz konkret mit dem Territorium eines Stammes verwurzelt, wodurch er dem dazugehörigen Menschenverband im wahrsten Sinne des Wortes als Stamm-Baum galt. Heilige Bäume im Kollektiv gaben als Hain, Wald oder baumumstandene Lichtung Kultstätten ab, die nicht unbedingt einen Schrein oder ein Götterbild brauchten. Der Mythologie zufolge besaß die Eibe die Eigenschaften aller heiligen Bäume in Potenz: Sie ist immergrün und trägt rote Beeren, die als Gift und Arznei Verwendung finden. Bedingt durch diese Eigenschaften sei sie der Baum mit der stärksten Verbindung zur Anderswelt. Auch antike Geschichtsschreiber, wie z.B. Lucans überliefern, dass die Eibe bei den Kelten einen kultischen Stellenwert hatte. Bei Massilia, schreibt er, gab es einen großen Hain mit Eiben, der den gallischen Göttern geweiht war. Aus dem Inselkeltischen gibt es Erzählungen, dass Eibenzweige, in denen Ogham-Zeichen eingeritzt waren, zu magischen und divinatorischen (zukunftsvorhersehenden) Zwecken verwendet wurden. Der eine der beiden Anführer, Catuvolcus, hatte sich übrigens mit Eibengift suizidiert, das ist das in Holz, Rinde, Nadeln und Samen enthaltene Alkaloid Taxin. Hierzu schreibt Caesar im Buch 6, Kapitel 31: „Als Catuvolcus, der König der Hälfte der Eburonen, der mit Ambiorix gemeinschaftlich den Plan geschmiedet hatte, vom Alter geschwächt, die Strapazen des Krieges oder der Flucht nicht ertragen konnte, tötete er sich....mit Eibenbaum, von dem es in Gallien und Germanien eine große Menge gibt.“ Denkbar ist hierbei also auch, dass es sich bei dem Eibengift um eine rituelle Selbsttötung handelte. Auch überlieferte Ortsnamen wie Aduatuca oder Personennamen (wie Ambiorix und Catuvolcus) sind keltisch. Die Bestandteiler beider Fürstennamen, allen voran aber die Nachsilbe –rix lassen den Vergleich und die Zusammengehörigkeit mit anderen, eindeutig keltischen Namensformen jener Zeit erkenne. Die Nachsilbe -rix kehrt bei den Namen der meisten gallischen Stammesfürsten wieder, die damals als Gegner Caesars in Erscheinung traten. Sie entspricht zwar dem lateinischen rex, hat aber ebenso wenig wie dieses die enge Bedeutung von König an sich. Vielmehr impliziert das keltische –rix den Begriff und Sinn eines Stammesfürsten, vergleichbar mit dem frühgermanischen Herzog. Im Stamm des Namens Ambiorix steckt das keltische ambi, was sich mit Fluss oder Wasser übersetzen lässt. Demnach könnte der Name Ambiorix etwa die Bedeutung von „Flussbeherrscher“ gehabt haben. In der Tat war er Herrscher über ein Gebiet, das zwischen zwei großen Flüssen, dem Rhein und der Maas, gelegen hat. Auch der Name Catuvolcus ist keltischen Ursprungs. Catu bedeutet Kampf. Der andere Name volcus könnte sich ableiten von volco = schnell, wonach Catuvolcus als „schneller Krieger“ zu übersetzen wäre. Es ist möglich, dass nicht alle Eburonen ausschließlich keltisch gesprochen, sondern dass dies aus Prestigegründen wohl vor allem bei der Oberschicht üblich war. Ihre ursprüngliche Sprache könnte wirklich eine germanische und noch zur Zeit von Caesars Gallischen Krieg verbreitet gewesen sein. Es gibt linguistische Belege, dass sich selbst im Innergermanischen Fürsten und andere hochgestellte Personen keltische Namen aus Prestigegründen zugelegt haben Trotzdem bleibt es fraglich, ob sich die Eburonen eher als „Kelten“ oder eher als „Germanen“ verstanden haben, ob sich ihnen die Frage dieserethnischen Zuordnung überhaupt jemals gestellt hat, ganz zu schweigen davon, dass es sich bei den beiden Bezeichnungen ohnehin nur um Konstrukte, um Fremdbezeichnungen antiker Autoren der betreffenden Völker handelte. (Blümel-Zitat Ende) Die Eroberung Galliens war um 50 v.0 mit den Feldzügen gegen die gallogermanischen Stämme zwischen Rhein und Maas so gut wie abgeschlossen. Blümel: „In das weitgehend verwüstete und auch entvölkerte Eburonengebiet wanderten wohl zunächst ohne ausdrücklichen römischen Schutz die rechtsrheinischen Ubier ein […] Caesars Invasionen hatten also gerade in den weniger entwickelten Gebieten wie dem Territorium der Eburonen die katastrophalsten Auswirkungen. Zu der Kriegsführung der ,Verbrannten Erde‘ kam eine grausame Dezimierung der Bevölkerung. Außer die Eburonen traf es außerdem die Nervier, Aduatuker, Menapier und Moriner an der Küste mit besonderer Härte. Den Kriegswirren muss wohl eine Zeit der Orientierungslosigkeit und Verzweiflung gefolgt sein, gezeichnet vom Ende traditioneller Zusammenhalte und ausgewogener Machtverhältnisse, von Identitätsverlust, der Zerstörung von Existenzgrundlagen, von Hungersnöten, Bevölkerungsrückgang und materieller Armut.“
 
Die unterjochten Volksreste und Nachbarvölker gewährten aber den röm. Unterdrückern keine dauerhafte Ruhe. Beispielsweise beim großen Aufstand germanischer und keltischer Stämme vom Jahre 1 unserer Zeitrechnung, in der Regierungsphase des röm. Kaisers Augustus (63 v.-14. n.0). Sein Stiefsohn, Tiberius (42 v.-37 n.0), schlug mittels erbarmungsloser Massenmorde, nach dem Handlungsmuster Cäsars, die diversen Volksbegehren nieder. Den Begriff „immensum bellum“ gebrauchte erstmalig der röm. Geschichtsschreiber Velleius Paterculus (20 v.-30 n.0) im 2. Buch seiner „Römischen Geschichte“ für diese Erhebung gegen den röm. Terror im heutigen deutsch-belgischen Grenzraum und den Lippe-Gauen, den Tiberius in den Jahren 4/5, durch einen Zug bis an die Elbe, schließlich niederschlug. Beteiligt waren anscheinend Sugambrer, Cananefaten, Chattuarier, Brukterer, Cherusker und Chauken. Die verbündeten Semnonen, Hermunduren und Langobarden hatten sich auf das rechte Elbufer zurückgezogen und verhielten sich abwartend. Auf dem Rückmarsch der Legionen an den Rhein hatten sie sich eines erneuten germanischen Angriffs zu erwehren. Wie der Historiker Velleius meinte, gab es in Germanien „nichts mehr zu besiegen als das Volk der Markomannen“. Im Jahr 6 n.0 führte Tiberius 12 Legionen, eines der gewaltigsten Heere, die Rom jemals aufbot, in das böhmisch-mährische Reichsgebiet des Marbod; doch der pannonische Aufstand verhindert dessen Entfaltung und Tiberius veralberte Marbod mit einem heuchlerischen Friedensvertrag. Bereits drei Jahre danach, im Jahr 9 n.0, griffen die Altdeutschen unter der Führung von Armin dem Cherusker erneut zu den Waffen, um den Römern die „clades Variana“ („Varus-Katastrophe“) bzw. die „Schlacht im Teutoburger Wald“ zu bescheren. Die Schlacht im Teutoburger Wald lag lange zurück, als erneut 80.000 römische Soldaten, geführt von Nero Claudius Germanicus (15 v.-19. n.0), Germanien angriffen. Germanicus war keineswegs außergewöhnlich brutal, im Gegenteil, exakt wie es röm. Tradition entsprach, völkermörderisch. Wie beim Völkermord an den Marsern, zwei Jahre zuvor, hat der röm. Feldherr seine Taktik der verbrannten Erde verfolgt. Der 30-Jährige ließ Gebiete großflächig verwüsten und Bevölkerungen massakrieren; seine Vernichtungsstrategie zeigt sich beispielhaft in einem Befehl, den er gegen Ende der Schlacht am Angrivarierwall gab: „Germanicus bat seine Leute eindringlich, mit dem Morden nicht einzuhalten“, so Tacitus: „Man brauche keine Gefangenen zu machen, nur die Vernichtung des Volkes werde dem Krieg ein Ende setzen.“ Man fühlt sich an Aussprüche Winston Churchills erinnert. Trotzdem erreichten die Römer keinen kriegsentscheidenden Sieg. Sie gewannen zwar auf Idistaviso und am Angrivarierwall die Oberhand, aber der „Befreier Germaniens“, Arminius, entkam beide Male mit dem Großteil seiner Krieger.
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