Antoine de Saint-Exupéry

Antoine de Saint-Exupéry, das „Prinzchen“ als Kriegsflieger
 
Antoine de Saint-Exupéry
 
Wie sanft der „Kleine Prinz“ doch sprach,
in Wahrheit, seine Rose fast zerbrach.
De Saint-Exupéry hat sich den Prinz erträumt,
doch ihn zu leben hat er schnöd‘ versäumt.
 
Die dunkelrote Rose aus El Salvador,
die, er zu ehren, am Altar beschwor,
hat unschön er belogen und betrogen,
zu vielen Blumen war der Held gewogen.
 
In eine Nervenklinik er sein Röslein trieb,
Antoine, der anders lebte als er schrieb.
Ein großer Flieger wär‘ er gern gewesen,
doch nur im Schreiben war er auserlesen.
 
Die schöne Consuelo hat ihn echt geliebt,
wie eine Frau, die manchen Trug vergibt.
Ihr, seiner Muse, die so viel erduldet‘,
hätte er Anstand sowie Dank geschuldet.
 
Er war zu selbstverliebt, war ein Narzisst,
der eigentlich sein Spiegelbild nur küsst.
Die Ehrsucht hat ihn um und um getrieben,
für Marxisten hat er sogar geschrieben.
 
Als Franzose war er Deutschlands Feind,
mit Moskau hatte sich sein Land vereint.
Das schilderte er in bunten Farben,
kein Wort, wie dort die Sklaven darben.
 
De Saint-Exupéry erlebte manchen Bruch,
trotzdem verdiente er den Lobesspruch,
sein Vaterland behängte ihn mit Orden,
nicht ohne Grund ist er berühmt geworden.
 
Antoine flog im Krieg dann für Amerika,
es ist bekannt, was ihm zum End‘ geschah:
Das „Prinzchen“, unter Kampfgenossen,
hat ein deutscher Flieger abgeschossen.
 
Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944) war ein erfolgreicher Schriftsteller und Pilot, aus französischem Landadel. Seine poetisch-märchenhafte Erzählung „Der kleine Prinz“ (1943) gehört zu den erfolgreichsten Büchern der Nachkriegsliteratur. Er war ein unternehmender, umtriebiger Mann. 1920/1921 studierte er Architektur, erwarb jedoch keinen Abschluss. 1921-1923 absolvierte er seinen Wehrdienst bei der Kavallerie in Straßburg, wo man ihn zum Flugzeugmechaniker ausbildete. Die Armee verweigerte ihm eine Ausbildung zum Piloten, weil er den Vorbereitungskurs hierzu nicht absolviert hatte, doch er nahm private Flugstunden. 1929 absolvierte Saint-Exupéry eine Fortbildung in Navigation und ging anschließend für seine Gesellschaft nach Argentinien, um in diesem südamerikanischen Land Flugpost und Luftfrachtlinien helfen aufzubauen. Dort traf er die bildschöne, zierliche, extravagante Künstlerin Consuelo Suncin Sandroval aus El Salvador, die er 1931 heiratete. Eine turbulente Zeit begann für die beiden, denn Antoine konnte nicht treu sein. Bald lebten sie getrennt, dann wieder zusammen. Er behandelte die zarte Frau wie sein Eigentum, verbot ihr schließlich in Paris ihn zu besuchen, weil er ständig Weiber bei sich hatte, während sie ihm, dem „Prinzen“, jederzeit Zutritt zu ihren Gemächern zu gewähren hatte, wenn er nach ihr verlangte. Tonios Seitensprünge und Gemütsschwankungen zehrten die Ehe aus. Unfälle, missglückte Test- und Rekordversuche, Abstürze, langes Ausbleiben des Fremdgehers -, Consuelo musste in eine Schweizer Nervenklinik, aber dem Herrn Dichter blieb Mitgefühl völlig fremd, „er betrachtet seine Frau als die Magd des Herrn“. „Ein liederlicher Heiliger“ titelt ein Magazin (SPIEGEL, 7/2001). 1935 schlossen die linkslastige französische und die bolschewistisch-sowjetische Regierung einen Pakt gegen Deutschland. In diesem Zusammenhang besuchte Antoine im Auftrag der Zeitung „Paris-Soir“ Moskau und schrieb eine vielbeachtete, natürlich äußerst positiv verfasste Artikelserie über den Aufenthalt in der Sowjetunion, welche gerade dabei war, auch mittels des Millionenopfers von Gulag-Häftlingen, eine riesige Angriffsarmee gegen Europa aufzubauen. Aber davon bekamen die entzückten-entrückten westlichen Journalisten nichts mit bzw. sie wollen davon - auf Anweisungen ihrer Regierungen - nichts sehen und hören. Ende 1935 stürzte Antoine bei einem Versuch, den Streckenrekord Paris–Saigon aufzustellen, 200 Kilometer vor Kairo in der ägyptischen Wüste ab, konnte jedoch von einer Karawane gerettet werden. Im Frühjahr 1937 verbrachte Antoine wieder für „Paris-Soir“ einen Monat als Reporter im Bürgerkriegs-Spanien natürlich auf republikanischer, also kommunistischer, Seite die von der französischen Volksfront-Regierung unterstützt wurde. Antoine war gerade von einer Reise zu seinem amerikanischen Verleger zurückgekehrt, als 1939 Weltkrieg II. konstruiert wurde. Als Flieger diente Antoine zunächst als Ausbilder für Piloten. Später wurde er selbst aktiv bei einem Aufklärungsgeschwader. Nach dem deutschen Sieg über Frankreich hielt er sich auf dem Landgut einer Schwester in Südfrankreich auf, wo er an einem schon 1936 begonnenen größeren philosophisch-moralistischen, lyrisch-erzählerischem Werk „Citadelle“ schrieb. Ende 1940 reiste er über Marokko und Portugal wieder in die USA, um Autorenhonorare abzuholen. Während eines Besuchs in Kalifornien verfasste er 1941 einen Text, „Pilote de guerre“ („Kriegsflieger“), in dem einige antideutsche Passagen dazu führten, dass das Buch deutscherseits auf den Index gesetzt wurde. In New York entstand 1943 der erfolgreiche „Der kleine Prinz“. In diesem Werk ist „seine“ Consuelo in Zeilen und Zeichnungen allgegenwärtig. Der von Vulkanen übersäte prinzliche Planet ist eine Anspielung auf ihre Heimat El Salvador und ihr feuriges Temperament. Man erfährt darüber: „Sie ist der ungezähmte Fuchs, die geheimnisvolle Schlange und die zierliche Silhouette des Kindes, das so schön zu erzählen weiß. Vor allem aber ist sie die so schöne, einzigartige Rose, die der kleine Prinz so sehr liebt und durch eine Glashaube zu schützen trachtet, während das Blumenfeld, das er auf seinem Ausflug auf die Erde entdeckt, Saint-Exupérys Untreue und seine Zweifel hinsichtlich seiner aus den Fugen geratenen Ehe widerspiegeln.“
 
Wegen seiner Bekanntheit war es ihm möglich, einige Zeit vom militärischen Dienst fern zu bleiben. Dieser begann für ihn erst wieder als die Amerikaner Sardinien und Korsika besetzten. Ende Juli 1944 startete Saint-Exupéry morgens vom korsischen Flughafen Bastia aus, zu einem Aufklärungsflug, in einer US-Maschine (Lockheed F-5), in Richtung Südfestlandfrankreich und blieb zunächst verschollen. Es besteht die nicht unberechtigte Vermutung, der gealterte und füllig gewordene Mann sei mit diesem modernen Maschinentyp überfordert gewesen, die Amerikaner wollten ihn gar nicht fliegen lassen, weil er damit schon Bruchlandungen hingelegt hatte. Antoine de Saint-Exupéry war von dem deutschen Jagdflieger Horst Rippert, dem Bruder von Hans-Rolf (dem Sänger „Ivan Rebroff“), über dem Mittelmeer abgeschossen worden. Beide Männer habe ich als Physiotherapeut im „Schwarzen Bock“ zu Wiesbaden in den Jahren 1975/76 behandelt. Herr Horst Rippert (1922-2013) regelmäßig wöchentlich, denn er war als Sportjournalist beim ZDF „Unter den Eichen“ beschäftigt. Leutnant Horst Rippert war Angehöriger der „Jagdgruppe 200“, startete zum bewussten Flug von der französischen Stadt Marignane aus, wurde selbst zweimal im Kriegsverlauf abgeschossen, verzeichnete insgesamt 28 Abschüsse, war Träger von „Ritterkreuz“ und „Deutschem Kreuz“. Ich war mit Horst Rippert über einen längeren Zeitraum sehr vertraut, so kam es auch zu privaten Gesprächen über seine Familie, seinen Bruder und über seine Kriegszeit. Hinsichtlich des Krieges gab er sich eher wortkarg, aber einmal redeten wir über seine Abschüsse die er mit der schnellen Version „Messerschmitt Bf 109“ erzielt hatte. Dabei sprach er von einem Abschuss über dem Mittelmeer, bei dem der Gegner wie träumend seinen Kurs flog, obwohl er ihn möglicherweise hätte sehen können; er setzte sich über ihn, schoss seine MG-Garben, wodurch der Unbekannte brennend in die See stürzte. Ich glaube, Rippert schilderte damals den Tod von Antoine de Saint-Exupéry. Kurze Jahre nach dessen Tod verfasste seine Witwe, Consuelo de Saint Exupéry, das schöne Erinnerungsbuch „Die Rose des kleinen Prinzen“, das posthum im Jahr 2000 erschien, in sechsundzwanzig Sprachen übersetzt und in dreißig Ländern publiziert wurde.
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