DER HOHENTWIEL

 
REICHSFESTE HOHENTWIEL
und ihr Kommandant Konrad Widerholt
 
Einst stand auf Hegaus steilstem Stauf
des Reiches Feste Hohentwiel,
bevor der tückischen Franzosen
Sprengsätzen sie zum Opfer fiel.
 
Und doch bleibt ewig unvergessen,
wohin das Zeitenrad auch rollt,
der hohe Held aus Hessens Gauen,
ihr Burgvogt Konrad Widerholt.
 
Undeutschen Kaisers böser Fluch,
ein Jesuiten-Zögling stieß
die stolze Macht des deutschen Reichs
ins dreißigjährige Kriegs-Verlies.
 
Fanatisch starr glaubt‘ Ferdinand,
der deutschen Glaubensfreiheit Feind;
sein grausiger Katholiken-Wahn
verriet, dass gleiches Blut sich eint.
 
Haus Württemberg hing Luther an,
Habsburg schenkte dem Papst Gehör,
der Pfaffen-Kaiser schickt‘ zuhauf
Mordbrenner-Knechte ins Malheur.
 
Ligisten, Spanier, Pfaffen-Leut‘,
gierig geeint durch Ketzer-Hass
verwüsten Deutschlands schöne Flur
nach höchster Majestät Erlass.
 
Schwabenland ist überschwemmt,
der Kaiser dreht' die Uhr zurück,
papistisch-trostlos nun aufs neu -;
war Freiheit nur ein kurzes Glück ?
 
Allein das Bollwerk Hohentwiel
ragt wie ein Riff aus wüstem Meer,
steht wie ein Leuchtturm in der Nacht
auf dem der wackere Widerholt wacht.
 
Und neben Konrad, Seit an Seit,
wirkte sein Weib von der Waterkant,
so tüchtig gerad', so wie er selbst,
Anna Hermingard von Heligoland.
 
Das Schicksal prüft' auf Not und Tod
den Hohentwiel und Widerholts,
nicht Kaisersmacht, Franzosenlist
bezwangen ihren Freiheitsstolz.
 
Unbesiegt zum Westfälischen-Frieden
wahrte die Feste den Glanz ihres Ruhms,
wie ein Kleinod in güldener Krone
alldeutschen Heldentums.
 
Während ich mit gerissenen Beinmuskeln, nach einem Sturz, das Bett hüten muss, 18.06.2020, reimte ich nach Lektüre des Buches von Albrecht Thoma „Konrad Widerholt der Kommandant von Hohentwiel“, 1905 - Auf dem Innentitel: „Der Kommandant von Hohentwiel - Fest wie ein Fels der niemals fiel“
 
Konrad Widerholt
 
Konrad Widerholt (1598-1667), geboren im hessischen Ziegenhain, war ein deutscher Kommandant im Dreißigjährigen Krieg, bekannt vor allem als Verteidiger der schwäbischen Festung Hohentwiel. Widerholt stand ab 1615 in Diensten der Hanse in Bremen und Hamburg als Reiter und Musketier. 1617 heiratete er Anna Hermengardis, die Tochter des Kommandanten von Heligoland, wie man die Insel Helgoland benannte. Im gleichen Jahr trat Konrad in den Dienst Venedigs, später wurde er Drillmeister in württembergischen Diensten, ab 1622 als Kapitän-Leutnant, ab 1627 Kapitän-Major. Im August 1633 tat er sich bei der Einnahme Schrambergs hervor und wurde zum Kommandanten von Hornberg ernannt. Im April und Mai 1634 stand er mit dem schwedischen Feldmarschall Gustav Horn glücklos vor dem Kaiserlichen Überlingen. Im Juni 1634 wurde er stellvertretender Kommandant der Festung Hohentwiel, nach der unglücklichen Schlacht von Nördlingen, die zugunsten der „Katholischen Liga“ verlief, wurde er zum Kommandanten ernannt. Zu seinen Konstrukteursleistungen zählt, zwecks Energiegewinnung, der Bau einer horizontalen Windmühle auf der Hohentwiel-Spitze. Um alle die Geniestreichs und unerschrockenen Reiterattacken Widerholts aufzuzählen bedarf es ganzer Bücher. Er war ein Mann der in diese ernste Zeit passte, er verband Draufgängertum mit Findigkeit, Anpassungsfähigkeit an neue aussichtslos scheinenden Situationen und blieb, trotz aller Härte, ein gerechter, mildtätiger Obrist. Viele Angriffe der Kaiserlichen wehrte er mit seiner Mannschaft mit Bravur ab.Mit dem „Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück“ von 1648 ging die Festung an das wiedererstellte Herzogtum Württemberg, unter Eberhard III. zurück. Konrad Wiederholt hatte daran entscheidenden Anteil, er, auf „seiner“ Burg, war lange Zeit der einzige freie schwäbische Fleck, in einem Meer des von Kaiser Ferdinand II. restaurierten, neu diktierten päpstlich-katholischen Ungeistes
 
Wer die deutsche Geschichte kennt, vermag kaum zu verstehen, wie ein Deutscher von Ehre und Gewissen, ein bekennender Katholik sein kann. Hätte der verbohrte deutsche Kaiser Ferdinand II. (1578-1637) die Religionsfreiheit in Deutschland zugelassen, wäre er ungeschmälert das Oberhaupt des mächtigsten Reiches der damaligen Zeit geblieben und hätte dieses prachtvolle Gebilde über seinen Tod hinaus der Zukunft erhalten können. Aber er wollte ein katholisches Habsburg-Reich, von Hispanien bis zur Nord- und Ostsee. Und wollte jede Seele zu seinem Katholizismus zwingen. Daran zerbrach das Reich der Deutschen ! König Gustav Adolf von Schweden (1594-1632) trat als edelmütiger Helfer an die Seite der protestantischen deutschen Fürstentümer, während der Franzosenkönig Ludwig III., obgleich selbst katholisch, aus französischer Verschlagenheit, den katholischen Kaiser bekämpfte, immer in der altfranzösischen Sorge, die Deutschen könnten zu mächtig werden. Mit ihm musste sich Konrad Widerholt zeitweise aus taktischen Gegebenheiten verbünden, lehnte jedoch als alldeutscher Patriot jede tiefere Verbindung mit den Franzosen ab, die ihn mit Versprechungen und Geschenken vergeblich zu ködern versuchten.
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