VATER FELIX DAHN

 
VATER FELIX DAHN
 
Ehrwürdiger Vater, Felix Dahn,
Du bist mein wahrer Seelen-Ahn,
Du nahmst mich früh an Deine Hand,
führtest mich heim ins Heimatland.
 
Ich las als keckes Knäblein schon
Deinen Roman „Ein Kampf um Rom“,
der hat den Sinn mir fest geprägt,
dass er sich völkisch-treu bewegt.
 
Du lehrtest mich zur frühen Stund‘,
machtest mir Basiswissen kund:
Deutsche Ahnen sind Germanen,
deren Wohlfahrt gilt‘s zu bahnen !
 
Wie einst in Rom der „Cethegus“,
noch heut‘ Intrigen spinnen muss,
wie er modern auch heißen mag,
sinnt weiter Unheil Tag für Tag.
 
Antigermanen sind auf der Pirsch,
sie jagen ihn, den „Weißen Hirsch“;
ein jeder Deutscher ist gemeint -;
ihr Antigermanismus eint !
 
Die Einsicht lebte Dahn uns vor,
der Deutschland nie als Sinn verlor,
„Alldeutsch“ hieß jener Männer-Bund
in welchem Dahn auf Posten stund.
 
Ein Heide war er durch und durch,
als Patriot ein feurig-taffer Bursch,
als Denker und als Dichter Spitze;
er thront auf Walhalls Ehrensitze.
 
Dort wird er „Odhins Trost“ erfahren,
mit wonnigen Walküren-Scharen.
Ein Wunschkind Wodins, hoch geehrt,
bleibt er uns Deutschen ewig wert !
 
 
Felix Dahn (1834-1912) war ein deutscher Jurist, Historiker und höchst fruchtbarer idealistischer Schriftsteller. Im Jahre 1867 traf er auf die Studentin Therese Freiin Droste zu Hülshoff (1845-1929), eine Enkelin des Komponisten Maximilian-Friedrich von Droste zu Hülshoff und eine Nichte zweiten Grades der Dichterin Anette von Droste-Hülshoff. Die Baroness und der Professor fanden damit ihre große Liebe und Ehe (1873), die Dahn in seinem Werk „Sind Götter ?“ verarbeitete (1874). Am deutsch-französischen Krieg nahm Dahn als „Johanniter“ teil. Der glückliche Historiker schrieb 1894: „Und ich hatte das ebenfalls unaussprechliche Glück, meine Therese gefunden und schließlich erkämpft zu haben. Ich glaube nicht, dass es eine glücklichere Ehe geben kann, als die unsere seit nun zwanzig Jahren“. Frau Therese war als Senatorin h. c. der Universität Breslau hochgeehrt, sie führte einen literarischen Salon, in dem zahlreiche noble und gelehrte Geister verkehrten. Dahn lehrte zunächst Deutsches Recht in München, dann in Würzburg, in Königsberg, schließlich in Breslau als Rektor. Felix Dahn intensivierte seine geschichtswissenschaftlichen Forschungen mit dem patriotischen Schwerpunkt der deutsch-germanischen Frühgeschichte. Sein wissenschaftliches Hauptwerk „Die Könige der Germanen“ erschien in 11 Bänden (1861-1909). Ebenso veröffentlichte der überaus fleißige Dahn auch eine kaum überschaubare Fülle juristischer Fachliteratur, die von handels-bis zu völkerrechtlichen Themen reicht. Nicht allein mittels seiner herrlich spannenden historischen Romane, auch durch die auflagenstarke Zeitschrift „Gartenlaube“, für die er als Hausautor schrieb, wirkte er segensvoll ins Bildungsvolk hinein. Dahn veröffentlichte über viele Jahre hinweg zahlreiche Abhandlungen und Gedichte. Der glühende Patriot engagierte sich im „Alldeutschen Verband“. In seinem Roman „Ein Kampf um Rom“ (1876) schildert der fundierte Historiker und glänzende Erzähler den Untergang des Ostgotenreiches in Italien im Zeitraum vom Tod Theoderichs des Großen (526) bis zur Niederlage unter König Teja (552). Es gab so gut wie keinen deutschen Jungen der dieses packende Werk über den Kampf und Untergang seiner gotischen Vorfahren nicht gelesen hatte. Cethegus heißt eine finstere, intrigante Gestalt aus diesem Roman. Sie beruht auf dem historischen Rufius Petronius Nicomachus Cethegus, der als beherrschende römische Gegengestalt zu den Königen der Goten dargestellt wird, welche die Goten und Ostrom gegeneinander ausspielen will, um selbst die Herrschaft über Italien zu gewinnen. Dieser Roman, über viele Jahrzehnte eine beliebte Jugendlektüre, wurde noch 1968 aufwendig verfilmt. In enger Gemeinschaft mit seiner Frau Therese verfasste Dahn eine lange Reihe umfänglicher historischer Romane zur deutsch-germanischen Frühgeschichte sowie Sammlungen von Sagen und mythologischen Erzählungen. Sein vierbändiges historisches Hauptwerk ist die „Urgeschichte der germanischen und romanischen Völker“ (1880-1889). Es erschienen 13 Bänden „Kleine Romane aus der Völkerwanderung“ (1890-1895). Es gibt kaum einen umfassenderen Überblick über die germanische bzw. nordische Sagenwelt als im Buch von Felix und Therese Dahn, „Walhall - Germanische Götter- und Heldensagen“ (1891). Umfassend und populärverständlich werden die Mythengestalten wie Odin, Thor, Sigurd, die Nibelungen, Beowulf und viele mehr behandelt. Er setzte seine unermüdliche Arbeitskraft als Gelehrter, Dichter, Lehrer und Redner im pädagogischen Missionsbewusstsein ein, auch im Bewusstsein, ein Hüter des Deutschtums im Osten sein zu wollen. Seine kraftvolle, starke subjektiv, selbstbewusste Persönlichkeit, sein rasch entflammbarer Patriotismus, gepaart mit sittlicher Verantwortung und betonender Männlichkeit, trugen ihm die volle Anerkennung im Kreise der Gelehrten, wie in seinem großen völkischen Leserkreis ein. Mit seinem insgesamt ca. 30.000 Druckseiten umfassenden Gesamtwerk gehört Felix Dahn zu den großen Vielschreibern der deutschen Literaturgeschichte. Nicht nur sein Büchlein „Odhins Trost“ (1875-80) zeigt auf, wie tief sich Felix Dahn in die Denkweise des nordischen Altheidentums hineingedacht und eingelebt hatte, weit über das wissenschaftliche Interesse hinaus. Er war ein großer Liebender alles Germanischen bis in die Götterlehre hinein. Damit ist er zum hervorragenden Altvater, Wegweiser, also zum absolut studierenswerten Mentor des germanischen Neuheidentums geworden.
 
Felix Dahn + Therese Dahn (Bild aus „Gartenlaube“,1894)
haben im „Walhalla“-Buch die germ. Sagen gesammelt.
Originalausgabe: 1891
 
GOTENTREUE
 
Erschlagen lag mit seinem Heer
Der König der Goten, Theodemer.
Die Hunnen jauchzten auf blut’ger Wal,
Die Geier stießen herab zu Tal.
Der Mond schien hell, der Wind pfiff kalt,
Die Wölfe heulten im Föhrenwald.
Drei Männer ritten durchs Heidegefild,
Den Helm zerschroten, zerhackt den Schild.
Der Erste über dem Sattel quer
Trug seines Königs zerbrochnen Speer.
Der Zweite des Königs Kronhelm trug,
Den mitten durch ein Schlachtbeil schlug.
Der Dritte barg mit treuem Arm
Ein verhüllt Geheimnis im Mantel warm.
So kamen sie an die Donau tief
Und der Erste hielt mit dem Roß und rief:
„Ein zerhau’ner Helm - ein zerspellter Speer: -
Vom Reiche der Goten blieb nicht mehr!“
Und der Zweite sprach: „In die Wellen dort
Versenkt den traurigen Gotenhort:
Dann springen wir nach von dem Uferrand -
Was säumest du, Vater Hildebrand?“
„Und tragt ihr des Königs Kron‘ und Speer: -
Ihr treuen Gesellen: – ich habe mehr.“
Auf schlug er seinen Mantel weich:
„Hier trag‘ ich der Goten Hort und Reich!
Und habt ihr gerettet Speer und Kron‘ -
Ich habe gerettet des Königs Sohn!
Erwache, mein Knabe, ich grüße dich,
Du König der Goten, Jungdieterich.“
 
TEJAS TODESGESANG
 
Erloschen ist der helle Stern
Der hohen Amalungen:
O Dietrich, teurer Held von Bern,
Dein Heerschild ist zersprungen.
Das Feige siegt, das Edle fällt,
Und Treu‘ und Mut verderben,
Die Schurken sind die Herrn der Welt: –
Auf, Goten, laßt uns sterben! –
O schöner Süd, o schlimmes Rom,
O süße Himmelsbläue,
O blutgetränkter Tiberstrom,
O falsche welsche Treue!
Noch hegt der Nord manch kühnen Sohn,
Als unsres Hasses Erben,
Der Rache Donner grollen schon: –
Auf, Goten, laßt uns sterben!
Vom Kaukasus bis vor Byzanz,
Welch stolzes Siegeswallen!
Der Goten Glück stieg auf in Glanz,
In Glanz auch soll es fallen.
Die Schwerter hoch, um letzten Ruhm
Mit letzter Kraft zu werben:
Fahr wohl, du freudig Heldentum: –
Auf, Goten, laßt uns sterben! –
 
GOTENZUG
 
Gebt Raum, ihr Völker, unserm Schritt:
Wir sind die letzten Goten!
Wir tragen keine Schätze mit: –
Wir tragen einen Toten.
Mit Schild an Schild und Speer an Speer
Wir ziehn nach Nordlands Winden,
Bis wir im fernsten grauen Meer
Die Insel Thule finden.
Das soll der Treue Insel sein:
Dort gilt noch Eid und Ehre:
Dort senken wir den König ein
Im Sarg der Eichenspeere.
Wir kommen her – gebt Raum dem Schritt! –
Aus Romas falschen Toren:
Wir tragen nur den König mit: –
Die Krone ging verloren.
 
DIE GOTENSCHLUCHT
 
Wo die Lavaklippen ragen
An dem Fuße des Vesuvs,
Durch die Nachtluft hört man klagen
Töne tiefen Weherufs.
Und die Felsen hallen wider
Worte, stolz und ahnungsvoll, –
Fremde, wunderschöne Lieder
Eines Volks, das lang verscholl.
Hirte, Räuber nicht noch Bauer
Dringet in die Bergschlucht ein
Und es schwebt ein banger Schauer
Brütend ob dem dunkeln Stein.
Denn ein Fluch von großen Toten
Lastet auf dem Felsenring:
Und es ist das Volk der Goten,
Das hier glorreich unterging.“
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