KINDHEITSERINNERUNGEN

Viele Deutsche haben die gleichen Kindheitserinnerungen. Zeitzeuge über die Freiburger Bombennacht: „Ich kann mich an jede Szene genau erinnern“- Als die Bomben auf Freiburg fielen, war Hans Frieder Huber sechs Jahre alt. Obwohl er mittendrin war, ist er sich wie ein Beobachter vorgekommen. So unwirklich kam ihm das Grauen vor. In der brennenden Stadt kamen ihm plötzlich Kleinkinder in Nachthemden entgegen. Sie waren während der Bombardierung aus der Kinderklinik geflohen. „Wie kleine Engelchen sahen sie aus“, sagt Huber. Seine Kriegserinnerungen hat der Zeitzeuge in mehreren Büchern festgehalten: https://www.youtube.com/watch?v=YLCQ-0NNFFs&spfreload=5
 
Symbolbild meiner Trümmer-Jugend
 
KINDHEITSERINNERUNGEN
(Besinnliche Weihnacht 2019)
 
In meiner Jugend -, ist‘s lange her,
gab‘s um mich Haltung von Kraft und Ehr‘.
Mit Frauen und Kindern, so wuchs ich auf,
mit Greisen und Männern im Krückenlauf.
 
Dann kamen die Kriegsinvaliden zurück,
junge, hagere Krüppel mit leerem Blick,
die Blinden, verbunden in tappender Reih‘,
Blindenführer vorn und hinten dabei.
 
Wie das alles kam -, ich hab’s erlebt,
wie Böden vom Luftschutzkeller erbebt‘,
wie Brandbomben fielen aus nächt‘ger Höh‘
und was ich noch immer an Grausem seh‘.
 
Was da lag in starrer, in seltsamer Ruh‘,
davor hielt mir die Mutter die Augen zu.
Ich wurd‘ aber trotzdem der Frauen gewahr,
die aufgereiht lagen als Totenschar.
 
Kinder, nicht größer und kleiner als ich,
lagen dort wie auf einem Wickeltisch,
auf Bäuchen und Beinen der toten Frau’n,
um uns herum war nur leises Geraun‘.
 
Dann hörte man da und dort einen Knall,
Spätzünder-Bomben steckten noch überall.
Das galt als der teuflischen Bomber Plan,
im abartig-abscheulichen Mörder-Wahn.
 
In der Schule, dann später, erklärte wer,
auch von deutschen Untaten so ungefähr.
Doch das, erschien mir, hat keinen gereut,
einer sagte: „Sie logen und lügen auch heut !“
 
Ob sie wirklich logen, ich wusste es nicht,
doch ich hasste sie wegen Nürnbergs Gericht.
In den Zeitungen sah ich die Rache gestillt,
die Portraits der Gehängten, Bild an Bild.
 
Und ich dacht‘, diese Sieger sind Teufel pur,
ich erkenn' sie an ihrer satanischen Spur:
Zuerst bombten sie Mütter und Kinder tot,
jetzt würgen sie die Männer in Todesnot.
 
Eine Nachbarin fragt‘ ich mal irgendwann:
„Du Tante, hattest Du nie einen Mann ?“
Sie sprach voller Stolz von einem Prozess:
„Mein Walter, er war bei der Waffen-SS !“
 
Auf dem Küchenschrank, im dunklen Floor,
war ein Männerbild und ein Lichtlein davor.
All‘ die Menschen aus meiner Jugendzeit,
war‘n ehrsam, still, ohne niederen Streit.